Kategorie-Archiv: Nach dem Euro

Perspektiven für den Urknall des Finanzsystem.

Nach dem Euro (5)

Flattr this!

… ist diesmal vor dem Euro. Das kleine Litauen, einer der drei baltischen Staaten, soll unsere wunderbare Crash-Währung nämlich erst noch bekommen. Oh, wie sich alle freuen! Man weiß schon, welches Motiv die Münzen zieren soll, die sogar bereits probeweise geprägt wurden: origineller Weise das Staatswappen mit dem Ritter zu Pferde. Man weiß nur noch nicht genau wann. Laut Wikipedia hält die litauische Nationalbank das Jahr 2014 für realistisch. Aber erstens ist das zwei Jahre nach dem geplanten Weltuntergang (Maya-Kalender!), und zweitens scheint es realistischer, dass die Maya sich geirrt haben, als dass der Euro noch so lange durchhält.

Was ich aber eigentlich nur mal kurz demonstrieren wollte: Macht gar nix, wenn’s mit der Schuldenleitwährung nichts wird. Die 5-Litai-Münze (entspricht zurzeit etwa 1,43 Euro) zum Beispiel ist ohnehin viel schöner, geradezu ein Geld-Kunstwerk. Und den Ritter zu Pferde gibt’s darauf auch bereits. Mein rein ästhetisch begründetes Motto für diese Währungsreform: Vor dem Euro ist nach dem Euro!

 

Nach dem Euro (4)

Flattr this!

„Subsistenzwirtschaft“ bezeichnet eine autonome, von anderen Personen, Gemeinschaften, Institutionen oder Staaten unabhängige Lebensführung oder Wirtschaftsweise. Danke, Wikipedia. Für den Fall, dass wir demnächst ohne Währung (oder auch nur ohne Geld) dastehen, müssen wir dank der Subsistenzwirtschaft unseres Sohns jedenfalls schon mal nicht auf gesunde Vitamine verzichten. Denn irgendwann im Sommer hat er die Kerne von Cocktailtomaten vorausschauend in zwei Blumentöpfe mit Erde gesteckt und auf den Balkon gestellt. Hachja, niedlich, der Kleine, dachte ich. Kinder halt. Wollen was wachsen sehen, auch wenn es nur zehn Zentimeter groß und dann von Blattläusen, mangelnder Bewässerung oder kindlichen Grausamkeiten zur Strecke gebracht wird. War natürlich auch ohne jede Rücksicht auf die Jahreszeiten, die Aktion. Wo doch, wie jeder weiß, der Landwirt im Märzen die Felder bestellt.

Doch im Herbst sahen die Pflanzen, inzwischen vor drohendem Frost in das Zimmer des Sohnes verfrachtet, so aus:

Und im Detail so:

Schön, schön, sagte ich in Abwesenheit des Sohns zu meiner Frau, schade nur, dass er niemals in der Lage sein wird zu ernten, was ihm diese entzückenden Blüten hier vorgaukeln. Weiß doch jeder, dass diese Pflanzen demnächst unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen werden, weil die Fruchtstände viel zu schwer für die zarten Stängel sein werden und nun außerdem die lichtlose Hamburger Winterzeit bevorsteht (wir leben mitten in der Stadt im zweiten Stock, da dauert der Winter gefühlt sechs Monate, wobei die maximale Tageslichtstärke zur Mittagszeit einem vollständig gedimmten Handydisplay gleicht).

Und außerdem fuhren wir ja noch in den Winterurlaub, direkt nach Heiligabend. Der Sohn hatte sich von seinen Pflanzen verabschiedet wie von einem todgeweihten Großvater, auf unseren guten Rat hin. Eine Nachbarin erklärte sich allerdings bereit, sämtliche Zimmerpflanzen zu gießen, bis wir im neuen Jahr wiederkehren würden. Sie sahen schon recht traurig vergilbt aus, die Tomatenpflanzen, wie mir schien.

Gestern nun sind wir zurückgekommen. Was wir fanden, war das hier:

Noch am selben Abend schritt unser Sohn zur Test-Ernte, dem Tschibo-Onkel gleich, der einige Kaffeebohnen prüfend über die Plantage schreitet.

Und so kann ich heute sagen: Tolle Sache, diese Subsistenzwirtschaft. Wir haben bereits herrliche Cocktailtomatengerichte auf dem Teller gehabt. Unser Sohn neigt da zu puristischen Arrangements. Sie mögen vielleicht die Vielfalt einer Ernährung auf Euro-Basis nicht völlig ersetzen. Aber hey: Es sind autonome Hamburger Tomaten aus dem zweiten Stock. Im Winter.

 

Nach dem Euro (3)

Flattr this!

Die Vorboten werden massiver, die Einschläge erreichen die Provinz. Mitten im geruhsamen Gütersloh (das liegt bei Bertelsmann in Ostwestfalen) steht eine Art gläserner Expo-Pavillon. Er beherbergt ein neues „Gastrokonzept“ mit dem herrlich provinziellen Avantgarde-Namen „Bankery“: eine Mischung aus Bistro, Tortenabfüllanlage, Hipster-Lounge und Volksbank-Filiale. Über der Bar huschen die aktuellen Börsenkurse die digitalen Schriftbänder entlang, der Barmann verleiht iPads zum Dranrumspielen – und in der Ecke steht diese golden lackierte Kiste:

Gold to Go. Der Edelmetall-Automat. Einfach ID-Card durch den Scanner ziehen, Kaufbetrag von rund 1365 Euro (Preis variiert!) abbuchen lassen und eine Feinunze Gold in Barrenform entnehmen. Auch andere Käufe sind möglich, Krügerrand-Münzen zum Beispiel. Es ist teuer, solch einen Apparat auf den Markt zu bringen und ihn auch dort zu halten. Das wird nur gemacht, wenn das dahinter stehende Geschäftsmodell Erfolg verspricht: Es muss genügend Menschen geben, die aus blanker Angst vor dem baldigen Ende des Euro und der einhergehenden Hyperinflation ihre Ersparnisse an diesem Automaten in krisenfestes Edelmetall umzutauschen trachten. Getarnt vor sich selbst und der Welt, so lange es noch geht, als Lifestyle-Statement. Und inzwischen gibt es offenbar genug davon. Offenbar schätzen sie dabei die relative Anonymität des Geräts mehr als die Dienste eines Bankberaters aus Fleisch und Blut.

Das wirft allerdings Fragen auf: Wer traut sich, zu den Öffnungszeiten der „Bankery“ unter potenzieller Beobachtung einen oder mehrere Barren zu ziehen und danach mit den Taschen voll Gold durch Gütersloh zu wandern – sei es auch nur zum Parkplatz, wo der gepanzerte SUV wartet? Ist der Leidensdruck schon groß genug dafür? Oder reicht die Protzsucht der Neureichen aus? Geht man grundsätzlich eher im Schutz der Dunkelheit, also in den finsteren Nachmittagsstunden der Vorweihnachtszeit, oder wagt man es um 12 Uhr mittags?

Und wenn der Euro als Währung dann weg ist und ich meinen Latte in der Bankery mit Krügerrand bezahle: Bekomme ich als Wechselgold ein Gläschen Danziger Goldwasser zurück?

 

 

Nach dem Euro (2)

Flattr this!

Am Paulinenplatz in St. Pauli steht neuerdings ein Häuschen. Na gut, eine Bretterbude. Eigentlich eher ein Bretterverschlag. Schön ist er nicht, aber das ist auch nicht der Sinn der Sache. Er wurde von Jugendlichen aus Holzresten zusammengezimmert, und wenn man es nicht schon geahnt hätte: Sein Initiator ist Tischler, Zweitberuf Diplom-Psychologe. Das Ganze soll Sinn stiftende Jugendarbeit mit einem alternativen Modell des Warenkreislaufs verknüpfen. In Berlin, wo sonst, gibt es das schon und heißt dort „Give-Box“. Ein Netz von Give-Boxen überzieht bereits die Hauptstadt. Aber hallo, wir sind hier in Hamburg, wir nennen das Ding hanseatisch-nüchtern:

Also: Brauchbare Sachen für andere reintun, selbst benötigte Sachen rausnehmen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, es geht auch entweder/oder. Kein Geld, keine Quittung, keine Aufsicht. Gute Idee? Hm …

Ich weiß nicht. Man traut sich ja kaum, das so gut Gemeinte nur zögernd toll zu finden, schließlich sollen damit gleich mehrere karitative und soziale Zwecke zugleich erfüllt werden. Ich fürchte aber, diese Sammelsurien strahlen eine enorme Vermüllungs- und Verwahrlosungstendenz aus. Alter, kostenloser Krempel hat das so an sich, selbst wenn er potenziellen Kult-Charakter hätte, was der am Paulinenplatz zufällig vorgefundene Inhalt definitiv nicht hat. Auch Wind und Wetter werden dem von vorn nahezu schutzlosen Holzdings zusetzen. Und, wie gesagt, eine Zierde ist es schon jetzt nicht gerade.

Dagegen lässt sich natürlich einwenden, dass auch Stromtrafokästen oder Müllcontainer an den Straßen nicht unbedingt das Stadtbild verschönern, aber von den meisten Menschen als notwendig und sinnvoll toleriert werden. Und dass Warentausch bzw. -recycling ein Konzept mit Zukunft ist, na gut: Schalten Sie an einem beliebigen Tag die Tagesschau ein und fragen Sie sich, wie lange wir den Euro noch haben werden.

Die Nagelprobe für das Modell heißt: Möchten Sie so eine Tauschkiste vor Ihrer eigenen Tür stehen haben? Ich lasse die Frage mal offen.

Nach dem Euro (1)

Flattr this!

Eine Welt ohne galoppierende Verschuldung? Ohne Zinseszins-Falle und destruktive Spekulation? Das geht, meinen viele Initiativen in Deutschland – und bringen einfach eigenes Geld heraus, das nur in der Heimatregion gilt. Es ist so konstruiert, das es keine Zinserträge bringt, im Gegenteil: Wer es nicht schnell in den Kreislauf der heimischen Wirtschaft zurückgibt, zahlt Strafgebühren. Was ist dran an den bunten Regiowährungen? Und: Dürfen die das überhaupt? Oliver Driesen war für das Hamburger Wirtschaftsmagazin enorm im Chiemgau und in Ostdeutschland unterwegs, um zu erleben, wie mit der „menschlichen Note“ gewirtschaftet wird. Jetzt neu am Kiosk!