Wirtschaftswunderbilder (16): Boomtown Hamburg

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Werbung est Omen

Wir befinden uns in Hamburg, der „Medien-Metropole“. Hier haben Anwälte einen hübschen Markt erschlossen, ein derart lukratives Geschäft, dass es selbst die teure Reklame-Beschriftung öffentlicher Verkehrsmittel lohnt. Das hier an der Haltestelle Jungfernstieg abgebildete Gefährt ist von den Spezialisten für Kündigungs- und Abfindungs-Beistand sogar rundum gebrandet worden.

Das signalisiert uns zweierlei: Die Zielgruppe– etwa von den Entlassungswellen Nummer 17 bis 45 betroffene Journalisten – fährt heute standesgemäß Bus statt Jaguar. Und eine Abfindung ist das höchste Karriereziel, das sie realistischerweise noch ins Auge fassen darf.

Natürlich werden zwischen Elbe und Alster dennoch weiterhin unabhängige Zeitungen und Sendungen  produziert werden: von Praktikanten, Volontären, 450-Euro-Kräften, Hartz-IV-Aufstockern, „Bürgerreportern“, PR-Agenturen und Scheinselbstständigen.

Die Dienstleistungen des werbetreibenden Unternehmens sind auf diese Berufsgruppen mangels Masse eher nicht zugeschnitten.  Wenn die Zeichen nicht trügen, dürften aber zunehmend auch Schiffsmakler, Logistiker, Versicherungsfachleute oder Bankangestellte den Kundenkreis ergänzen.

Boomtown Hamburg – ein Paradies für Arbeitsrechtsanwälte.

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Wirtschaftswunderbilder (14)

Wie gut, dass die persönliche Orthographie eines Grillimbiss-Besitzers in Hamburg-Harburg saubere Getrenntschreibung vorsah. Sonst hätte da womöglich Afterworkwurst gestanden, was zu einer höchst unappetitlichen Gedankenverbindung von Ausscheidungsorgan und Ausscheidungsprodukt geführt hätte. So aber hat es den Rhythmus, wo jeder mit muss: Erst hart arbeiten, dann lecker essen, derweil langsam das Gelesene verdauen, sich dann erst zuhause übergeben. Come in and spuck’s aus!

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Wirtschaftswunderbilder (13)

Das auf dem Plakat (und was die Plakatwand hochgeht) sind Monkeybikes. Die Spezialität der Burnout GmbH ist deren Tuning. Es hat also alles mit dem schnellen Verbrennen, dem Ausbrennen zu tun. Aber wir leben in einer Zeit, in der die Qualen des permanenten 150%-Einsatzes fürs Geschäft die einzige gesellschaftlich akzeptable Form des Leidens am Turbokapitalismus sind. Für solchen Zeiten scheint dieser Anbieter die ultimative Pflegedienstleistung gefunden zu haben: Tune dich fit, geh die Wände hoch, heile deinen Burnout durch gründliches Aufbohren. Danach: Gib 160%. Und komm bald wieder vorbei.

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Wirtschaftswunderbilder (12)

Dass unsere Zeitungen immer „dünner“ werden, ahnte man schon länger. Aber soll man nun gerade deshalb eine nehmen? Oder hat der Zeitungshändler die Erfahrung gemacht, dass Leser das Dünne auszugleichen suchen, indem sie zwei Exemplare übereinander legen? Aber vielleicht ergeben zwei dünne Argumente ja tatsächlich ein angedicktes. Da mal weiterforschen …

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Wirtschaftswunderbilder (11)

Arbeitswelten: Hinter so vielen Bürotüren (hier, besonders perfide, in einem Büro-Treppenhaus) lauern die Dämonen des unteren Mittelmaßes. Stroh als Medium aber hat doch Seltenheitswert: zu spröde das Material, nicht schnell genug hektographierbar die Botschaft („Ich bin hier auf der Arbeit und nicht auf der Flucht“). In diesem Fall behalf sich der Künstler mit einem separaten Druckwerk, Manifest und Mahnung zugleich. Da stecken Liebe und Anhänglichkeit im Staub fangenden Detail. Aber auch das Monster der Präpotenz hockt sprungbereit hinter bürgerlicher Fassade und bestrahlt giftig den Ficus Benjamini (verdeckt, hinten rechts). Frage: Ist der Schauplatz a) ein Weltmarktführer, Kapitalgesellschaft, vor der Übernahme; b) eine inhabergeführte Mittelstands-GmbH ohne Familien-Nachfolger; c) eine Behörde in latenter Gefahr, aufgelöst zu werden? Auflösung vielleicht demnächst in diesem Theater.

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