Kein Flausch

Dies ist kein Blog, das für Katzen- und andere Flauschfotos bekannt wäre. Es geht hier eigentlich um den größtmöglichen Kontrast zu Flaum und Kulleraugen: um Wirtschaft und deren Einfluss auf unser aller Leben. Warum also diese Bilder schnäbelnder Basstölpel auf den berühmten Vogelfelsen von Helgoland?

Vordergründig, weil ich am Wochenende mit einem ganzen Rudel Hamburger und anderer Blogger dort war. Was es für das arglose Eiland in Deutschlands hohem Nordwesten bedeutet, wenn Anhänger des Online-Kults über seine Felsen hereinbrechen, darüber haben Berufenere aus der Reisegruppe schon geschrieben, zum Beispiel hier und hier. Es ist überwiegend kurios, meistens unschädlich, gründlich bewusstseinserweiternd und daher durchaus nachahmenswert. Doch bei diesen Fotos hier geht es um etwas anderes. Im folgenden zum Beispiel um ein rötliches bzw. gräuliches Gewölle, das aussieht wie ein Knäuel aus Nähgarn und auf dem die Basstölpel sitzen.

Es sind teils haarfeine, aber kaum zerreißbare Nylonfäden von Fischernetzen. Und sie bringen die Vögel um. Denn die picken die todbringenden Maschen, die für uns nur Plastikmüll sind, an den Stränden als Nistmaterial auf und erhängen oder erwürgen sich dann damit, wenn sie in den roten Felsen von Helgoland zu Tausenden ihre Nester bauen. Mit einem guten Fernglas kann man zwischen den nistenden und brütenden Seevögeln hunderte tote Tiere in unterschiedlichen Stadien der Verwesung entdecken.

Es ist dies hier eben ein Blog über Wirtschaft: Wie sie uns immer wieder einholt, selbst im vermeintlichen Natur-Idyll, das Helgoland ja andererseits durchaus auch ist. Wie wir eingreifen und an uns raffen und vereinnahmen und später ohne Rücksicht auf Verluste wegwerfen, was uns wertlos oder lästig geworden ist, und wie wir uns damit am Ende selbst am gründlichsten berauben. Das ist der Teufel, der im Detail lauert – nicht nur in Fotos von den Klippen von Helgoland.

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2 Kommentare zu „Kein Flausch

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