Drei Fragen zum Fliegen

Written By: Oliver Driesen - Mai• 28•14

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Mal wieder geflogen. Also jetzt nicht hin-, raus- oder auf-, sondern mit dem Flugzeug, brummbrumm. Das Flugzeug und ich, das sind im Normalfall zwei streng getrennte Welten: Wir haben uns nichts zu sagen. Aber manchmal brauchen wir uns gegenseitig, die Airlines und ich. Wenn ich z.B. kein Schlafwagen-Einzelabteil nach Zürich mehr bekomme, denn zu viert mit Käsemauken in einem doppelten Doppelstockabteil – nein, danke, da überwinde ich dann doch lieber meinen Flughass.

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Ich werde jetzt nicht mit den gräulichen Details des diesem Artikel zugrundeliegenden Fluges HH – Zürich – HH langweilen. Ich werde nichts schreiben von dem Gefühl, als Sardine einer Sardinendose ausgeliefert zu sein. Ich werde auch nichts schreiben von der unfassbar albernen und peinlichen Idee einer führenden deutschen Fluggesellschaft, die Sitzplätze in den ersten acht Reihen in Kopfhöhe mit kleinen Deckchen zu behängen, auf denen “Ihr persönlicher Freiraum” o.s.ä. gedruckt steht und die man ruhig auch mal für privilegierte Hühner auf den ersten acht Sitzstangen von Hühner-KZs einführen könnte. Und schon gar nicht werde ich meine seit Jahrzehnten vom Leben verifizierte und gestählte These wiederholen, dass alles, aber auch wirklich von A bis Z jeder einzelne Programmpunkt einer Flugreise auf maximale Erniedrigung sowie Beleidigung der Intelligenz ausgerichtet ist.

Nein, nur drei Fragen will ich stellen, die mich nicht mehr loslassen, weil die damit verbundenen Phänomene ihrerseits auch nicht einfach so weggehen wollen. Ich bitte also um sachdienliche Hinweise von Experten im Bereich Reiselogistik und Allgemeine Verkehrspsychologie zu folgenden Sachverhalten:

1.

Warum übertrumpfen sich die Flughäfen weltweit mit einem geradezu grotesken Überangebot an bestens gepflegten Toiletten, die zudem kostenlos nutzbar sind, während auf Bahnhöfen immer ein Mangel an (sauberen) Toiletten herrscht und die Benutzerpreise dort oft ans Unverschämte grenzen?

2.

Warum ertragen selbst latent aggressive Geschäftsreisende auf Flughäfen eine Verspätung von einer Stunde mit Eselsgeduld und ohne auch nur ein Kopfschütteln, während dieselben Herren und Damen im Bahnbereich bei 60 Minuten Verspätung fast eine Revolution ausrufen würden? Selbst dann, wenn die Begründung der Fluglinie lautet, dass das Flugzeug “aufgrund einer verspäteten Ankunft des Flugzeugs” nicht rechtzeitig abfliegen könne?

3.

Und warum muss bei Start und Landung während der Dunkelheit “die Kabinenbeleuchtung an die Lichtverhältnisse angepasst”, sprich ausgeknipst werden? Im 21. Jahrhundert? Wo man sogar elektronische Geräte bisweilen schon anlassen darf in der Luft? Die Pilotin, also in unserem Fall, schaut doch nach vorne raus und ist durch eine massive Tür vom irritierenden Leuchten hinten abgeschirmt. Und der Tower sieht die startende und landende Maschine doch eh auf seinem Radardings, Licht an oder aus.

Ich möchte nicht in die Grube fliegen fahren , ohne diese Dinge verstanden zu haben. Also, wie gesagt: Sachdienliche Hinweise – gerne auch von “Senatoren” und “Hon Circle Members” – bitte an eines unserer Aufnahmestudios. Danke.

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6 Comments

  1. Patrick sagt:

    Moin,
    1.Wenn du auf dem Bahnhof die gleichen Gebühren zahlen würdest, wie für deinen Flughafen Aufenthalt,würde sich das wohl auch ändern. Jedoch nur wenn man dann auch Bereiche nur für Zug Gäste hat.
    3. Ich meine mal gelesen zu haben, das es mehr um die bessere Sichtbarkeit der positionsleuchten für andere Flugzeuge und den Flughafen geht, weniger um den eigenen Piloten. Ist ja auch nur bei Start und Landung.

    • Hm, danke erstmal. Aber es würde mich dann wirklich interessieren, wie hoch denn konkret der Anteil am Flugpreis ist, der nur für meinen Aufenthalt auf den betroffenen Flughäfen draufgeht. Und umgekehrt, wie hoch der entsprechende Anteil im Bahnfahrschein für Bahnhofsaufenthalte.
      Was Frage 3 angeht: Schwer vorstellbar, dass die kleinen Luken so viel Licht nach draußen lassen sollen, dass dadurch andere Flieger geblendet oder abgelenkt werden. Immerhin haben landende Flugzeuge ja auch Landescheinwerfer, die richtig hell sind. Aber immer noch die plausibelste Idee, da stimme ich zu.

  2. Malte Widenka sagt:

    Zu Frage 3: Es geht dabei um die Gewöhnung der Passagiere an die Dunkelheit, damit im Falle einer Evakuierung das Auge nicht erst adaptieren muss.

  3. Malte Widenka sagt:

    Zu Frage 1: Flughafen Frankfurt auf deutlich grösserer Fläche: Ca 150.000 Passagiere am Tag. Bahnhof Hamburg: 450.000 pro Tag. Wäre erstmal ein Grund. Ob das so sein muss…

  4. Marco sagt:

    zu 1.: Weil Flugpassagiere vor Antritt ihrer Reise bestimmt weitaus häufiger unter nervösem Darm (Flugangst) leiden als Zugreisende (Zugangst?). Und im Flugzeug ist das Platzangebot halt sehr begrenzt.

    …und wenn dann noch einer an Paruresis leidet…

    Zu 2. und 3. hab ich keine Antwort.
    Oje, eine von dreien…in der Schule wär das ne glatte 6 gewesen.

  5. GH sagt:

    zu 1.: Die Airlines möchten, daß jeder “Beförderungsfall” so leicht wie möglich ist (das spart Sprit).

    Bonusfrage: An Flughäfen wird in großen Mengen Alkohol und Papier (Zeitungen) verkauft, aber Rauchen und Feuer sind UNGLAUBLICH gefährlich?

    GvH

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