Ein Popsong aus des Führers Feder

Er war einer der populärsten Sänger unserer Zeit. Aber dann legte er unvermittelt einen Songtext vor, so radikal, so gewaltverherrlichend und außerhalb jeder akzeptablen Meinung stehend, dass er zu Recht von den Feuilletons verrissen und von den Sendern boykottiert wird.

Jeder weiß natürlich längst, von wem die Rede ist. Indes: Milde, nur aufgrund eines großen und bekannten Namens, wäre hier völlig fehl am Platz. Vielmehr gilt es, sich kritisch und entlarvend mit seinen kruden Zeilen auseinanderzusetzen. Mit Machwerken wie diesen:

Kommt, ihr Schreiberlinge und Kritiker,
Die ihr mit Eurer Feder die Zukunft vorherschreibt,
Macht Eure Augen auf,
Diese Gelegenheit bekommt ihr nie wieder.

„Das ist ein ganz billiger Schuss gegen alle diejenigen Medien, die Reichsbüger und Pegida tendenziös die ‚Lügenpresse‘ nennen“, entrüstet sich beispielsweise Sprachwissenschaftlerin Dr. Petra-Franziska Brockhövel-Hinterlechner, der Christ und Welt Online den Text zur Analyse vorlegte.

Doch es kommt noch viel dicker. Im Folgenden wendet sich der singende Agitator, der seine Maske endgültig fallengelassen hat, ausdrücklich an die Abgeordneten und Funktionsträger eines frei gewählten Parlaments:

Da draußen tobt ein Kampf,
Der wird bald an Euren Fensterscheiben rütteln
Und Eure Wände erbeben lassen,
Denn die Zeiten ändern sich jetzt.

Damit suggeriert der Text auf perfide Weise, diese Politiker seien gekaufte Marionetten. Und er malt ihnen dafür höllische Torturen an die Wand. Das ist ein Stil, wie ihn Hitlers Schergen pflegten: kaum noch verhohlene Drohungen gegen gewählte Bevölkerungsvertreter. Einschüchterungsversuche im Namen einer aufgewiegelten Massen, eines Mobs. Schlimm, wenn unsere Popstars nun schon in die Rolle eines Goebbels schlüpfen dürfen!

Wer solch dumpfe Geschütze auffährt, schreckt natürlich auch vor Verbalterror gegen die Eltern verwundbarer Kinder, gegen „Mütter und Väter aus dem ganzen Land“ (Originalzitat) nicht zurück:

Eure Söhne und Töchter
Unterstehen Eurem Befehl nicht mehr,
Euer alter Weg wird
Jeden Moment älter.
Bitte, versperrt den neuen Weg nicht,

Wenn Ihr ihn schon nicht mitgehen wollt,
Denn die Zeiten ändern sich jetzt.

Dieser mehr oder weniger musikalische Aufrührer, der da einen Keil mitten durch Familien zu treiben versucht, verwechselt eindeutig Populärmusik mit Populismus. Das klingt dann so:

Der Strich ist gezogen, 
Das Zauberwort wurde gesprochen:
Wer jetzt langsam ist,
Wird später schnell sein,
Wie auch jetzt die Gegenwart
Später Vergangenheit sein wird
So langsam verschwindet die alte Ordnung.

Natürlich hat auch der saubere Möchtegern-Sänger damals im Geschichtsunterricht gelernt, dass kein anderer als die NSDAP die „alte Ordnung“ hinwegfegen wollte. Das hindert ihn nicht daran, brutalstmögliche „Striche“ zu ziehen, andere somit unmissverständlich auszugrenzen. Angeblich soll denen, die ihm dabei auch noch Beihilfe leisten, eine dubiose „Zukunft“ gehören – und alle anderen gehören natürlich der „Vergangenheit“ an.

Nein, lassen wir uns von solchem Wortmüll nicht verunsichern! Stehen wir fest zusammen gegen diese Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung, die Werte wie Meinungs- und Kunstfreiheit sowie kritisches Denken schützt! Denken wir auch an die arglosen Konzerne, denen Millionenschäden durch Shitstorms entstehen könnten, wenn ein von ihnen gesponsertes Popfestival mit solchen Texten kontaminiert würde. Wehret den Anfängen!

Subversiv, wie dieser „Künstler“ ist, versucht er uns sein billiges Stück Totalitarismus-Verherrlichung unter dem harmlos klingenden, englischsprachigen Titel „The Times, They Are A-Changing“ unterzujubeln. Aber da hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Für Zeilen wie diese wird er nie den Literaturnobelpreis erhalten. Nicht einmal in 50 Jahren.

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