Braudas Werk und Driesens Beitrag

Blick in die Werkstatt: Barbara Braudas spannende Grassl-Chronik „Brücken schlagen“ – und mein kleines Rädchen im großen Getriebe

Das Ingenieurbüro Grassl ist eine „Hamburgensie“. So nennen Lokalpatrioten jene Institutionen, Gebräuche und Bauwerke, die unverwechselbar zur Stadt gehören wie der Michel, das schlechte Wetter, den Hafengeburtstag oder die 1975 errichtete Köhlbrandbrücke. Letztere ist ein Beispiel für ein Verkehrsbauwerk, das ohne die Spezialisten von Grassl nicht entstanden wäre. Das Büro wurde 1947 von Hans Grassl in Hamburg gegründet und hat sich in den 70 Jahren seither zu einem bundesweit renommierten Player mit 190 Mitarbeitern an neun Standorten entwickelt. Brücken aller Art blieben ein Markenzeichen von Grassl – weshalb die jetzt von meiner illustren Kollegin Barbara Brauda vorgelegte Grassl-Chronik auch den naheliegenden Titel „Brücken schlagen“ erhielt.

Der Design-Veteran Wolfgang Behnken (selbst schon fast eine Hamburgensie) hat mit seinem Büro das locker-elegante Layout beigesteuert, das die Brücken so richtig „schweben“ lässt. Was ich an Braudas Buch neben dem oft fast essayistischen Stil besonders schätze, ist die Einteilung in Themenabschnitte statt bloßer Abarbeitung der Chronologie. Und da habe ich dann auch noch meinen kleinen Beitrag leisten können, denn den Abschnitt über die Digitalisierung des Ingenieurswesens seit etwa 1965 trat Barbara an mich ab. Das war ihr fachlich einfach zu speziell, und wer könnte es ihr verdenken.

Ich habe dann aus Lochkarten, Magnetbändern und Gigabyte ein möglichst interessantes Kapitel  gebastelt, das zwar nur am Rande von Brücken handelt, dafür aber enthüllt, was man in der IT noch in den Achtzigerjahren alles mit einem Schraubenzieher reparieren konnte und was so ein Ingenieur alles mit dem Rechenschieber kalkulieren musste, bevor es die heutigen Konstruktionsprogramme gab. Das hat meine Bewunderung für die Erbauer eleganter Brücken nur noch gesteigert. Dass Menschen so etwas Schönes und Sinnreiches erdenken können, das dann Gestalt annimmt und vielfach Jahrhunderte überdauert, hat mich schon immer fasziniert. Als gebürtiger Düsseldorfer (Rheinbrücken!) ist das bei mir wahrscheinlich genetisch.

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