Das unsterbliche Lächeln (nicht Mona Lisas)

Beim Interview gelernt: wie Scott Fahlman das erste Emoticon der Welt schuf, als es das Internet noch gar nicht gab – und warum die Welt ihm sonst noch dankbar sein sollte.

Ein Lächeln kann bekanntlich nicht nur Brücken bauen, sondern günstigenfalls auch unsterblich machen. Ich sag mal: Mona Lisa. Dieses unwiderstehliche, millimeterkleine Verziehen eines Mundwinkels, das vielleicht doch eher eine gewisse Genervtheit wegen der ewigen Stillhalterei beim Malen ausdrückt, aber dennoch für eine gewisse Langlebigkeit der Dame in der Kunstgeschichte gesorgt hat.

Vergleichsweise einfach zu interpretieren ist dieses eher minimalistische Kunstwerk hier:

Gell? Er/sie/es lacht! Ansteckend, wenn auch seitwärts. Und wetten, dass dieses fröhliche Gesicht bis heute Millionen Mal häufiger kopiert und variiert worden ist als das ML-Face? Dabei wurde es erst im Jahr 1982 erschaffen, die Mona hingegen schon fast 500 Jahre früher. Der „Künstler“, der es mehr so aus Verlegenheit schuf, heißt Scott Fahlman, Professor für Computerwissenschaft an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh, Pennsylvania. Bis dahin eigentlich nicht als der Leonardo der Programmierkunst bekannt.

Der Mann war stattdessen ein Internet-Pionier und schon im Netz unterwegs, als es das WWW noch gar nicht gab, vor 36 Jahren. Sein Netzwerk war das Arpanet, ein ursprünglich militärischer Rechnerverbund, dem sich dann auch Unis mit rüstungsnahen Forschungsaufträgen anschließen durften. Nun, eines Tages im Sommer 82 entspann sich dort in einem Email-Diskussionsforum ein Streit, weil jemand eine lustig gemeinte Mail allzu ernst genommen hatte. Daraufhin schlug Scott den anderen Forums-Teilnehmern vor, humorige Statements sicherheitshalber mit :-) zu kennzeichnen („read it sideways!“). Und das allererste Emoticon der Weltgeschichte war geboren.

Er hat mir diese Story jetzt noch mal erzählt, als ich ihn für die neue Ausgabe des Magazins VALUA der DZ Privatbank interviewt habe. Denn die Ironie ist: Die Umsetzung von Emotionen und menschlichen Ausdrucksformen in Computercode hat ihn seither nie losgelassen – die Welt aber erinnert sich an Scott Fahlman immer nur wegen dieses einen verdammten Smileys.

Auch für Computer nicht so einfach: Gefühle verstehen

Dabei bringt Scott – einmal Pionier, immer Pionier! – heutzutage Elektronenhirnen bei, wie menschliche Sprache Gefühle ausdrückt. Das tut sie nämlich auf eine ungeheuer mehrdeutige, unscharfe Weise. In Worte gekleidete Emotionen zu entschlüsseln, erfordert jede Menge Hintergrundwissen und Abstraktionsfähigkeit. Und wenn so ein Computer zum Beispiel einen aufgeregten Menschen verstehen und bedienen soll („Ey, du blöde Sprachsoftware in der Hotline meines Internetproviders, ich will auf der Stelle wissen, warum mein Server schon wieder down ist!!!“), dann stünde er ohne Scott Fahlman wohl auch in Zukunft noch ziemlich begriffslos da.

Dank ihm aber gibt es Hoffnung, dass eines fernen Tages selbst die Firma O2 in eine sinnvolle Interaktion mit ihren Kunden aus Fleisch und Blut eintreten könnte.

Wer mehr über Scotts Errungenschaften und das erste computergenerierte Lächeln wissen will, kann das Interview hier lesen (zweimal nacheinander anklicken vergrößert):

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