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Im Februar starb 93-jährig der katholische Theologe, Priester und Schriftsteller Lothar Zenetti. Bekannt wurde er auch als Lyriker. Das folgende Gedicht vertonte vor Jahren der Liedermacher Konstantin Wecker; es kann heute ganz neu entdeckt werden.

Was keiner wagt

Von Lothar Zenetti

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.
Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, das wagt zu denken.
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen.
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.
Wenn alle mittun, steht allein.

Wo alle loben, habt Bedenken.
Wo alle spotten, spottet nicht.
Wo alle geizen, wagt zu schenken.
Wo alles dunkel ist, macht Licht.

Anmerkung: Im Netz kursiert fast ausschließlich die Wecker-Fassung des Gedichts. Laut Wikipedia hat er jedoch die „Anfangs- und Schlusszeile“ Zenettis weggelassen, die dem Gedicht eine dezidiert christliche Botschaft gegeben habe: „Das Kreuz des Jesus Christus durchkreuzt, was ist, und macht alles neu.“ Ich konnte diese Version auf die Schnelle nicht finden. Sie wäre aber für einen Priester und Theologen natürlich nicht überraschend. Das Gedicht steht in der Ursprungsfassung in Zentettis Buch „Auf seiner Spur: Texte gläubiger Zuversicht“.

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