Daddeln gegen die Volkswirtschaft

Diese Begegnung aus dem Wirtschaftskrisenjahr 2009 geht mir nicht aus dem Sinn: Ich saß auf einer Bank am Bahnsteig des Baseler Bundesbahnhofs, aus Genf kommend, wo ich zwei anstrengende Tage auf der Uhrenmesse hinter mich gebracht hatte. Der Zug nach Hamburg ließ noch auf sich warten, also vertrieb ich mir im Zustand geistiger Ermattung die Zeit mit einem Handy-Spiel. Irgendwas mit Space Invaders, es sah vermutlich kindisch aus. Jedenfalls wenn man grenzverletzend genug war, sich so nah neben mich zu setzen, wie es jener Rentner tat, der mir sogleich mit bayerischem Akzent und voll Empörung zu Leibe rückte:

„Das ist ja klar, dass unser Deutschland zugrunde geht, wenn alle nur noch spielen! Wie viele Stunden Sie da sinnlos verspielen, statt dass Sie mal ein gutes Buch lesen und sich weiterbilden! Stattdessen verspielen Sie Ihre Zeit, schämen Sie sich nicht?“

Auf meinen Einwand, er lese ja offenbar auch kein gutes Buch, sondern schade dem sensiblen gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht mit destruktiven Schimpfattacken, war er natürlich vorbereitet. Zog triumphierend irgendein Standardwerk über Physik oder Maschinenbau aus der Tasche, das er „gerade eben noch“ studiert habe. Und schimpfte weiter. „Armes Deutschland!“

Seither habe nie wieder gedaddelt. Und unser armes Deutschland ist aus der Krise gestärkt hervorgegangen.

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