Praktikantisierung: Je fetter, desto falscher

Dies ist dick und fett und schwarz auf weiß der Aufmacher im Hamburger Abendblatt, einer Qualitätszeitung, von heute:

Laut Headline soll es also 20 Monate Mutterschutz in Deutschland geben, laut Unterzeile liegt er zurzeit bei 14 Monaten. Aha. Klar, dass die „Wirtschaft vor den Folgen warnt“ etc. Das wäre ja glatt ein halbes Jahr mehr Müßiggang.

Dumm nur, dass es sich jeweils um Wochen handelt. 20 bzw. 14 Wochen. Eine Woche ist etwas weniger als ein Viertelmonat.

Stand da der Praktikant am Balken? Jedenfalls eine(r), die/der sich noch nie im Leben privat um Mutterschutzfragen kümmern musste. Lektorat? Korrektorat? Vier-Augen-Prinzip? Alles eingespart, alles wegrationalisiert. Geht ja auch so.

Und das Allerallerdollste: Die anderen Medien melden’s genauso. Kölner Stadtanzeiger, N24, Berliner Morgenpost …

Vertrauen Sie also auch morgen wieder den neuesten Warnungen Ihrer deutschen Industrie vor spätrömischer Dekadenz – präsentiert vom diensthabenden Praktikanten des Qualitätsmediums Ihrer Wahl. Übrigens: Beim Abendblatt zahlen Sie jetzt auch für Online (wo es bis heute, 15 Uhr 30, noch keine Korrektur der Printschlagzeile gab).

Nachtrag, spätabends: Der Chef vom Dienst der Printausgabe entschuldigt sich per mail. Immerhin. Ob es morgen eine Richtigstellung im Blatt gibt?

Nachtrag, am nächsten Morgen: Ganz klein auf Seite 3, aber: ja.

2 Kommentare zu „Praktikantisierung: Je fetter, desto falscher

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