Aus den Tiefen der Ranschleimreklame

Werbung ist da am peinlichsten, wo sie schleimt. Am allerpeinlichsten, wo sie sich an einen prominenten Imageträger heranschleimt, weil sie sich in dessen Glanze sonnen will. Und vollends unerträglich wird es, wenn sie bei alledem auch noch so gedankenfaul ist, dass die Lüge dick und fett aus allen Poren tropft.

Gäbe es ein schöneres Betätigungsfeld für diese höchste aller Formen der Pein als das Fußballfeld?

Der Bus- und Lkw-Hersteller MAN, den Leibesübungen ansonsten so fern wie ein Busfahrer dem Leistungssport, schaltet heute in deutschen Tageszeitungen ganzseitige Vierfarbanzeigen, in denen er was vom Ruhm des von ihm gesponserten Überraschungs-Herbstmeisters Borussia Dortmund abhaben will. Da heißt es neben dem obligaten Torjubel-Foto der schwarzgelben Kicker:

„Mit einem souveränen Tabellenführer Borussia Dortmund hat kaum jemand gerechnet. Wir schon. Denn der BVB fährt MAN. Und wer immer pünktlich und maximal entspannt ins Stadion kommt, hat mehr Kraft und Frische für den energiegeladenen Tempofußball Marke Jürgen Klopp.“

Ja, nee, klar. Man sieht quasi den armen Juniorkreativen der Agentur denken: „MAN, BVB, wie soll ich das nur über einen assoziativen Leisten scheren? Ach, klar: Busfahren, ausgeruht ankommen, besser spielen, Tabellenführer. Aufgabe erledigt, Weihnachtseinkäufe machen! Nur leider: Niemand, niemandniemand kauft Euch ab, dass die Firma MAN (der Vorstandschef?) vor der Saison ausgerechnet Dortmund für den kommenden Titelaspiranten gehalten hätte, bzw. who cares, weil hinterher ist jeder schlau etc. Außerdem: „immer pünktlich ins Stadion“ – hä? Nur wegen der Marke des Mannschaftsbusses? Hat der deshalb eingebaute Vorfahrt, am Stau vorbei? Ist so heilig, dass er nie von irgendwem aufgehalten wird? Kommt in schwarz-gelb durch jede dunkelgelbe Ampel? Hirnrissiger Mist.

Die einzige Metapher, die Fußballkennern im Zusammenhang mit einem Vehikel wie dem der Firma MAN in den Sinn kommt, ist: „den Bus parken“. Und zwar im eigenen Strafraum, vor dem eigenen Tor. Quer. Damit kein Ball reingeht. Vulgo: mit alle Mann verteidigen, sich hinten reinstellen, bloß nichts riskieren. Und siehe, Firma MAN: Genau das ist das, was der BVB diese Saison eben nicht getan hat, trotz der besten Abwehr der Hinrunde. So ein Murks ist Eure Reklame. So ein hirnloser Unfug. Und jetzt fahrt Eure Karre da weg!

2 Kommentare zu „Aus den Tiefen der Ranschleimreklame

  1. Einzureihen in die Riege der offensichtlich unkontrolliert veröffentlichten Werbeaussagen weiß sich auch die Hamburger Sparkasse.
    Großes Plakat. Mutter und Tochter im Vordergrund, dahinter ein Pferd. Der Slogan so unkreativ wie dämlich, dass ich vermute (oder hoffe), die Werbeabteilung hatte an diesem Tag geschlossen.
    „Wir haben unserer Bank was vom Pferd erzählt, dann haben wir es bekommen.“
    Mit dem wichtigen Hinweis, dass keine andere Bank so viele Privatkredite vergibt, wie eben diese.
    Gut zu wissen, dass man den Leuten, welche ungeheuer verantwortungsvoll mit unserem hart verdienten Geld hantieren, nur mal eben etwas vom Pferd erzählen braucht, um an viele weitere Scheine zu kommen…

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