Die Ökonomie der Gefühle (2): Liebe

Eine Serie über die Verwertbarkeit unserer Emotionen – marktwirtschaftlich kühl kalkuliert

Eine Juwelierkette veröffentlichte im Weihnachtsgeschäft 2010 das Fotomotiv eines 999,- Euro teuren Brilliantrings mit der Aufforderung: „Liebe schenken!“ (Abb. ähnlich, Motiv war bereits ausgetauscht.)

Also: Liebe schenken. Und das ist ja mal Quatsch: Liebe kann man gar nicht schenken, sondern nur vermieten, verpachten, verkaufen oder meinetwegen verpfänden. Denn: Sie hat einen genau definierten, wenn auch stark schwankenden, monetären Wert.

Liebe ohne Preisschild wäre in den Augen des oder der Geliebten vollkommen wertlos. Ein Wegwerfartikel. Nicht einmal so begehrenswert wie eine rote Plastikspardose in Elefantenform, wie sie am Weltspartag ein Kind von der Sparkasse geschenkt bekommt. Denn die hat immerhin den Gebrauchswert, Scheine und Münzen hineinstopfen zu können und so später zu einer Kapitalanlage zu werden. Versuchen Sie das mal mit Ihrer kostenlosen Liebe.

Was? Liebe SOLL kostenlos sein? Und warum rechnen dann Männermagazine auf seitenlangen Tabellen exakt vor, was eine Beziehung über ihren vollen „Life Cycle“ kostet – einschließlich der Extremkostenfaktoren Kinderkriegen und/oder Scheidung? Da kommen astronomische Summen raus, und am Ende ist der Mann der Abgezockte. Wäre ja auch ein Wunder, wenn es die Frau wäre, beim Männermagazin. Die Bilanz ist dann meistens: Für das Geld könnten Sie sich besser vier Porsche kaufen. Zielgruppe, you know.

Sie hören ja immer noch nicht auf mit Ihrer kostenlosen Liebe, Altruismus, Mutter Theresa, Idealen, Gotteslohn. Gottes Lohn? Aha! Eben. Jeder gute amerikanische Chrislamist (Gegenstück zum bösen arabischen Islamisten) wird Ihnen auf der nächsten Tea Party gern bestätigen, dass Sie da oben ein Konto laufen haben. Sie zahlen ein auf die Sparkasse der guten Taten, der keuschen Gedanken, der frommen Worte. Oder, ungünstigenfalls, häufen Sie da Schulden an, Sie wissen schon. Und eines Tages gibt es dafür die Abrechnung samt Quittung. Nicht in Euro oder Dollar, aber in absolut geldwerten Vor- oder Nachteilen fürs jenseitige Leben.

Die beinahe identische Rechnung werden Ihnen übrigens interessanterweise die Kommunisten aufmachen – das sind die mit der materialistischen (!) Weltauffassung –, bloß ist da Zahltag schon im Diesseits. Bei denen heißt es nur etwas anders: „Die Liebe der Völker ist die Solidarität“. Will sagen: Hilfst du Nordkorea heute bei seiner Revolution, hilft Nordkorea dir später bei deiner. Da wird die Liebe zum Geben und Nehmen, die sie ja auch ist, und eine Hand wäscht die andere.

Wir halten fest: Liebe kostet genau 999,- Euro, als erste Rate (Weihnachtsbrilliantring). Richtig teuer wird es dann erst später. Kurzlebiges Glück hingegen gibt es schon deutlich billiger (siehe Abb.). Und in der nächsten Folge unserer kleinen Serie nehmen wir dann den Neid durch.

In diesem Sinne – Zeilensturm wünscht zum Fest der Liebe hoch rentable Feiertage und ein extrem bereicherndes 2011!

Zum Archiv bereits untersuchter Emotionen aus der Ökonomie der Gefühle: hier entlang.

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