Zu den Gipfeln der Dekadenz

Ich war ja lange der Meinung, dass es für jedes beliebige Themengebiet inzwischen drei miteinander konkurrierende Fachmagazine gibt. Das gilt zum Beispiel für mein Allzeit-Lieblingsmagazin „Wild und Hund“, das sich inzwischen dem verschärften Wettbewerb mit „Hund und Wild“ sowie „Schaf und Bauer“ ausgesetzt sieht. Alle Kioske quellen über, sie müssen Regalmeter anbauen, wenn sie auch nur einen repräsentativen Bruchteil des journalistischen Angebots bereithalten wollen. Die Frage, wer das bezahlen und auch noch lesen soll, die Frage nach dem tragfähigen Geschäftsmodell also, stellt sich schon lange nicht mehr. Weil die Antwort heißt: Redakteure und Autoren schreiben heut eh für umsonst, da trägt sich das schon.

Nun hat mich aber eine hier nicht genannt werden wollende Dame, ihres Zeichens eine durchaus begnadete Illustratorin, eines Besseren belehrt. Sie entdeckt auf Neukundensuche immer wieder bizarre Magazinkreationen, vor allem aus der Frauen- und Glamourpressewelt, die mir naturgemäß vollkommen verschlossen ist. Und dabei war nun dies:

Ja, das Foto ist etwas unscharf, aber Sie haben die Zielgruppenbeschreibung im Untertitel richtig entziffert: „For wealthy Russian-speaking travellers in Switzerland“. Korrekt lautet die Übersetzung: „Das Magazin für vulgäre russische Pfeffersäcke, die es durch Korruption und rohe Gewalt zu obszönem Reichtum gebracht haben und die Schweiz zwecks Steuerflucht und anschließendem Urlaub heimsuchen.“ Das sind nämlich jetzt die mit dem Geld. Weil: Der Schweizer an sich, der früher der mit dem Geld war, verarmt gerade. Das liegt am Kurs des Franken, an der Eurokrise, an Gott und der Welt. Aber der Russe, der hat Kohle. Und keine Skrupel. Und Bock auf Berge. Sowie auf Frauen mit Klunkern, Jagdwaffen, noch mehr Klunker, Yachten, Dollarscheine, dicke Hose und fettes Brot. Und nun hat er auch das Magazin für sich. Es ist so peinlich, wie es hochglänzend ist, aber das versteht sich ja von selbst.

Dieses Magazin ist bislang tatsächlich konkurrenzlos – es braucht aber auch wirklich keine. Das sollte an dieser Stelle nur vermeldet werden, um das ultimative Gesamtpaket des Presseerzeugnisbockmistquatsches abzurunden. Ein für allemal. Aber leider, leider: Es geht ja weiter. Immer weiter.

 

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