Wirtschaftswunderbilder (16)

Dies ist der Dienstwagen einer x-beliebigen katholischen Kirchengemeinde vom Lande. Gibt es aber auch in der Großstadt, wie ich mit eigenen Augen gesehen habe. Der Wagen fährt alte Mütterchen zur Messe, Pfadfindergruppen ins Zeltlager und Tonnen von Werbung spazieren. Werbung? Ja, richtig, die ganze Karre ist von A (Aretz, Schreinerei) bis Z (Zahntechnik Gastes) mit Reklame bepflastert. Selbst auf der Radkappe vorn rechts prangt das Logo einer Anwaltskanzlei, wobei das Auto gerade zufällig so geparkt ist, dass das Paragraphenzeichen richtig herum zu lesen ist – oder hat man den Vikar vertraglich verpflichtet, nicht eher sein Fahrzeug zu verlassen, als bis dies gewährleistet ist?

Jedenfalls: Dieser Wagen ist ein Blech gewordenes Armutszeugnis: für den finanziellen und geistigen Zustand der Kirchen, aber auch für den kreuznaiven Glauben der Werbepartner, die tatsächlich meinen, jemand außer mir würde den Schriftzug „Waldnieler Fruchtsaft“ interessiert zur Kenntnis nehmen – auf Gottes rollender Litfaßsäule, eingekeilt zwischen den Kontaktdaten mehrerer Sargschreinereien.

Merkwürdig nur, dass der Tankdeckel noch nicht bedruckt ist. Mein Vorschlag: „Fährt mit Spiritus Sanctus!“

 

2 Kommentare zu „Wirtschaftswunderbilder (16)

  1. Lackschäden sind nicht zu befürchten :-) .

    So eine Karre habe ich hier in der Großstadt auch schon gesehen, ist also nicht nur „landbedingt“. Interesant wäre, was man für zu ein zugepflastertes Kfz einstreicht :-)

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