Ünüvar – Ende eines Supermarkts (6)

Regelmäßige Zeilensturm-Leser wissen, dass ich an dieser Stelle seit anderthalb Jahren immer mal wieder das traurige, aber auch bizarre und immer kurioser werdende Ende des EDEKA-Supermarks der türkischen Familie Ünüvar dokumentiere, der (noch) schräg gegenüber meiner Wohnung leersteht. Seit dem Auszug des Supermarkts Ende 2011 hat seine leere bauliche Hülle eine beharrliche Kraft bewiesen, einfach immer weiter zu existieren – zwischenzeitlich auch als Filmkulissen-Bankfiliale aus dem Jahr 1968. Danach verfiel das Gebäude wieder in einen trügerischen Dornröschenschlaf. Und nun tut sich hinter den noch teilweise mit den Sichtblenden der Filmschaffenden verkleideten Schaufensterscheiben erneut etwas Erstaunliches im Ünüvar. In wenigen Tagen wird er sich einmal mehr verwandeln – für zwei Wochenenden in den Schauplatz einer „Sozialen Skulptur“. Sie besteht aus einem Kartonpappen-Labyrinth, das im Groben den Stadtteil darstellt und von den Besuchern mit Bildern und Texten zu Hamm bedeckt werden soll.

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Die Aktion trägt den beinahe schon genialischen Namen Hammtrara. Weil wir ja im Stadtteil Hamm wohnen, einer roten Backsteinsiedlungswohnwüste, der normalerweise jedes hippe Trara abgeht. Gerade das aber macht den Charme des Quartiers aus, wie man merkt, wenn man hier gefühlte 78,5 Jahre gewohnt hat. Nein, im Ernst: Das gar nicht mal so wenige Tolle, das wir hier haben (John Neumeier, Baderanstalt, Stadtveränderer, Buchladen Seitenweise, Café May , Hammer Park und noch ein paar Highlights mehr), das zählt alles doppelt und dreifach so viel wie anderswo. Andererseits droht unserem Kiez auch Gentrifizierung, also rasant steigende Miet- und Immobilienpreise mit allen sozialen Folgen. Familien fehlt eine kindgerechte Verkehrsinfrastruktur und viele Ältere fühlen sich zunehmend an den Rand gedrängt. Davon und von vielem mehr soll Hammtrara erzählen.

Die Initiatoren von Hammtrara beschreiben sich am besten selbst:

Die Gruppe Raum für Ideen entwickelt Ansätze, die Wahrnehmung und Aneignung von Hamm durch die Bewohner zu fördern, die dem Stadtteil mehr Identität geben, die Lebendigkeit des Stadtteils zu entwickeln, das kreative Potenzial zu aktivieren und Menschen im Stadtteil zusammenzuführen. Im ersten Schritt geht es darum den Blick auf Hamm zu schärfen und den Stadtteil zu entdecken.

Hinter Hammtrara verbirgt sich ein komplettes Kulturprogramm. Am kommenden Freitag, dem 7.6., ist ab 19.30 Uhr Vernissage im Ünüvar, Horner Weg Ecke Caspar-Voght-Straße. Alle Hammerinnen und Hammer sind eingeladen, ihre Gäste aus Harvestehude und Blankenese vermutlich auch. Es werden auch Hammer Geschichten gelesen.

Und ich bringe eine Videokamera mit für die Aktion: EinSatz in Hamm! Wer mitmachen will, darf sich dann wie Doreen auf dem Bild unten den pinken Bilderrahmen schnappen und vor der Kamera den Satz vollenden:

Hamm … !

 

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Was Hamm ist, wird dann demnächst hintereinander weg auf diesem Sender ausgestrahlt. Kommt alle! Trara!

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4 Kommentare zu „Ünüvar – Ende eines Supermarkts (6)

    1. Berechtigte Frage! Der Abriss scheint sich zu verzögern, wahrscheinlich kriegen die ihren überteuerten Wohnklotz nicht gar so schnell vermarktet wie geplant. Obwohl: Eine halbe Million Euro für eine Dachgeschosswohnung mit Ausblick aufs Hammer Eck ist doch fast ein Schnäppchen… Soviel zu „Hammer Lage“.

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