Up & Down. Das ultimativ unfaire Architektur-Duell (5)

Diesmal:

Nazi-Standortkommandantur, Hamburg,

gegen

Wohnhaus „Genesis“, Hongkong


Down: bräunliche Fototapete für den Volks-Wagen

Tief einatmen: Ja, das ist die Luft, die Nazi-Admiral Wilhelm Canaris als Chef der Spionageabwehr atmete. Hier, in der Standortkommandantur an der Außenalster (die Straße trug unter Adolf den klangvollen Namen des Generals Knochenhauer) wurde auch die Besetzung der neutralen Länder Dänemark und Norwegen vorbereitet. Ein lupenreiner NS-Bau mit eingebauter Schauer-Garantie, 1937 vollendet. Irrsinnigerweise steht er seit dem Jahr 2000 auf der Denkmalschutzliste und – weniger irrsinnig – seit 2005 leer: Damals zog die Bundeswehr aus, die hier nach Kriegsende die Stellung gehalten hatte. Aber die ehrwürdigen Mauern werden nicht auskühlen: Die Stadt Hamburg verkaufte die Gruselvilla samt 50.000-Quadratmeter-Grundstück an Investoren, und die machen nun 300 Luxuswohnungen draus: schön weiß getüncht, um das alte Blut zu überdecken, mit Wellness-Bad, Nobelrestaurant und hohem Zaun drumherum gegen den Pöbel: eine rassereine „Gated Community“. Die Wohnungen zu Preisen von einer bis drei Millionen Euro sind natürlich alle schon verkauft. Es ist halt fix, das neue deutsche Junkertum! Dafür: ein zackiges „Down“.

Up: Flugbahn vom Dach bis ins Tal für Suizid mit Erfolgsgarantie

Dies ist kein Flakbunker, sondern Wohnen auf höchstem (Preis-)Niveau. Zu Beginn des Jahrtausends erwarb der chinesische Immobilien-Tycoon Hui Wing Mau das Ensemble im Hongkonger Reichen-Viertel Peak mit Blick auf den Victoria-Hafen. Zum Preis von rund 33 Millionen Euro war es damals für kurze Zeit das teuerste Wohnhaus der Welt. Dafür besteht es aber auch vollständig aus edlem, erlesenem, exklusivem – Beton. Und Glas natürlich, mundgeblasen, zum Rausgucken über die Berge. Weil da seit Erschaffung des Planeten immer so ein Nebel wabert, taufte der Tycoon seine neuen vier Wände „Genesis“. Das Anwesen ist vergleichsweise bescheiden mit nur 2500 Quadratmetern, aber in Hongkong bringt ein Grundstück laut der Lehre des Konfuzius nur dann Glück, wenn der Quadrat-Millimeter mehr als eine Quantillion Euro kostet. Und weil Herr Hui Wing Mau das Ganze sowieso vorwiegend als Geldanlage betrachtete, wurde die Genesis ein paar Jahre später flugs in zwei geteilt. Gar keine dumme Idee: So können sich dort nun des Nachts zwei Volltrottel mit dem Schlagbohrer in der Betonwand einen tollen Nachbarschaftskrieg liefern. Spaßfaktor: „Up“.

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