Der unsichere Gehilfe

 

Ein Vorweihnachtsmärchen aus dem Qualitätspressesektor

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Es war einmal ein Herr, der hatte einen Gehilfen. Der Gehilfe aber war sich selbst und seiner Sache alles andere als sicher, ja er war ein äußerst unsicherer Gehilfe und als solcher ein Taugenichts und Tunichtgut.

Schickte sein Herr ihn fort, damit er ihm etwa mit einem Botengang hülfe, so ließ der unsichere Gehilfe oft nicht nur das auszutragende Paket liegen, nein, er vergaß geradewegs seinen Kopf. Darauf musste der Herr ihn dann zurückrufen, so laut er eben konnte, denn meist war der Gehilfe schon fast am Horizont verschwunden, eh er’s bemerkte, so unsicher war er.

Doch eines Tages ward es dem Herrn zu bunt, und er rief ihn zum letzten Mal zurück: „Du unsicherer Gehilfe und Lumpensack! Nie wieder sollst du für mich Botengänge erledigen, die ich selbst noch eher fertigbringen würde als du!“ Da ward der Gehilfe sehr betroffen. Doch wie’s der Herr gesagt hatte, so geschah’s. Der nämlich hatte sich wohl überlegt, wo er ihn abgeben könnte. Und so fand der unsichere Gehilfe sich, kaum dass ein Klick vergangen war, in der Online-Redaktion des Hamburger Abendblattes wieder.

Hier nun sollte er sich wenigstens als Redakteur noch nützlich machen. Doch gleich in seinem ersten Artikel schrieb er über Gehstänge und Behnutzer – worauf er selbst hier hinausgeworfen wurde. Dies sei nicht das Niveau eines weltoffenen hanseatischen Qualitätsblattes.

Und die Moral: Sei als Gehilfe besser sicher, sonst reicht es nicht einmal zum Online-Redakteur.

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