Making of Romandebüt (2): Noch 79 Seiten

Was bisher geschah: Ich habe ein Gelübde abgelegt. Seither läuft der Countdown. Noch x Seiten, noch y Tage. Und was soll ich sagen: Zack, war das 8. Kapitel fertig. Manchmal ist man überrascht, wie gut man sich mit Anlauf in den eigenen Hintern treten kann. Acht Kapitel bedeuten, dass der Roman zu zwei Dritteln steht. Ich schwöre, so weit bin ich noch nie gekommen, seit ich im Alter von sieben Jahren das (von meinen Eltern) viel beachtete Werk mit dem Titel „Störche in Südafrika“ auf einen Rutsch durchgeschrieben habe, die Illustrationen waren auch von mir, das hat Günter Grass dann kopiert, diesen Stil.

Sachbücher, das ist etwas anderes. Die schreiben sich irgendwie von selbst. Das Thema gibt den Takt vor, und dann wird das abgearbeitet, tick-tack. tick-tack. Das fünfte ist in Arbeit und schon auf recht gutem Kurs.

Aber ein Roman: Uh-oh! Die lange Form, die lange Gedanken erfordert. Deshalb lesen die Menschen ja gar keine Romane mehr, dummerweise. Ich meine, gerade wenn ich mich mal hinbequeme, einen fertig zu kriegen, ist das Zeitalter der Literatur zu Ende. Wie doof ist das denn, dieses Timing? Na ja, selbst schuld, warum habe ich nicht gleich nach den südafrikanischen Störchen einen rausgehauen, als noch die siebziger Jahre liefen, alte Männer knüppeldicke Hornbrillen trugen und es eine Zahnpasta namens „Strahler 76“ gab. Da wäre das goutiert worden. Jetzt hingegen, schon relativ dicht vor meinem 50. Geburtstag, haben wir den Mars besiedelt, aber das Lesen verlernt. Die Menschen werden vor meinem Papierstapel stehen und fragen: Schön, aber gibt’s das auch als SMS oder als Vine? Ich muss nämlich in drei Minuten …

Andererseits, was kann denn ich dafür, wenn ich erst mal ein knappes halbes Jahrhundert Lebenserfahrung ansammeln muss, um über etwas schreiben zu können? Ich bin nun mal gebürtiger Spätstarter, mir sind die schriftstellerischen Extremerfahrungen nicht einfach so zugeflogen. Das habe ich mir alles hart erarbeiten müssen! Ich meine, ich war BAFöG-Student, wann hätte ich wild und gefährlich leben sollen?

IMG_0812Der Autor bei der Arbeit (Sommerhaus, früher)

Nun aber sitze ich hier, geläutert und weise, in meinem Seniorenstift bei einem guten Gläschen Absinth und lasse es laufen. Also das Kreative, nicht das andere. Und ich möchte mal behaupten: Gut, dass ich nicht weniges von dem, was ich da aufschreibe, vorher so oder ähnlich erlebt habe. Gut für Sie, meine Leser, denn dann müssen Sie es nicht selbst tun. Und hinterher würde Ihnen das eh keiner glauben.

Will sagen, einige der Helden dieses Romans gibt es wirklich. Jedenfalls ganz ähnlich. Beängstigend ähnlich. Einer davon ist mir nun aber gerade auf relativ gewalttätige Weise unter den tippenden Händen weggestorben. Das war zwar von Anfang an für das 8. Kapitel vorgesehen, aber wenn es dann so weit ist, nimmt es einen als Autor doch ein wenig mit. Vor allem, weil man ja auch im Roman nur einmal sterben kann. Noch vier Kapitel, und er ist schon tot! Was soll jetzt werden?

Na gut, es ist ein wenig unfair, aber ich weiß es schon: Man wird noch von der Leiche hören. Sie wird sozusagen wieder salonfähig. Aber jetzt genug davon, sonst kann ich gleich hier alles verraten und verlinken.

Ab morgen, oder spätestens übermorgen, also 9. Kapitel. Ich fürchte, alles was jetzt noch kommt, wird von Seite zu Seite immer nur schwieriger. Denn nun gilt es, die losen Fäden vernünftig zusammenzuführen, den Spannungsbogen zu halten und über das himmelhoch aufragende, aber wacklige Gesamtgebäude nicht die Kontrolle zu verlieren. Man erschafft eine Menge Welt in acht Kapiteln. Die existiert dann vor sich hin, wuselt und wimmelt und neigt dazu, ihren Autor bisweilen am Nasenring durch die Arena führen zu wollen.

Also gilt die goldene Regel für Weltenlenker: Stier sein, nicht Kälbchen. Hammer sein, nicht Amboss. Und das Verrückte ist: Ich bin sowohl Stier (Anfang Mai gebürtig) als auch Hammer (Einwohner des Hamburger Stadttteils Hamm). Na also, das wird doch werden.

 

 

 

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