Making of Romandebüt (4): Noch 18 Seiten

Was bisher geschah: Wie vorausgesagt hatte ich kurz vor Ende des zehnten Kapitels die 200-Seiten-Marke durchbrochen. Damit begann unwiderruflich die Zielgerade, auf der ich mich plötzlich weit vor dem Zeitplan wiederfinde. Genauer gesagt: im letzten, dem zwölften Kapitel. Wie konnte das geschehen? Nun, wenn das Büro wieder mal zu laut und bienenstockartig ist, verfehlen ein paar Besuche in meinem heimlichen Schreibkloster nie ihre Wirkung. Es ist natürlich nicht wirklich ein Kloster, sondern dieser Ort:

Was der Film höchst missverständlich darstellt: Die Hamburger Universitäts- und Staatsbibliothek, wo gedreht wurde, ist in Wahrheit nicht in erster Linie ein Jahrmarkt für studentische WG-Phantasien. Sondern was den Geist hier so beflügelt, ist das genaue Gegenteil: eine nahezu perfekte, mit Sehnsucht nach Erkenntnis (oder auch nur guten Prüfungsnoten) aufgeladene Stille, wie sie sonst in der Großstadt nicht einmal mehr Kirchen bieten.

Dieses vollkommen fokussierte, kollektive In-sich-Hineinhorchen und Aus-sich-Herausholen, wie es am allerschönsten Wim Wenders im wunderbar traumverlorenen Himmel über Berlin illustriert hat, in der Szene, wo die Kamera über die Tischreihen eines Bibliotheklesesaals schwebt und die Gedanken der Stillarbeiter flüsternd hörbar werden.

All dieses Wissen aus den verschiedensten Fakultäten, das langsam aus den Zeilen in die Köpfe diffundiert. All diese Kreativität der Verarbeitung, die aus den Köpfen in die Notebooktastaturen strömt. All diese Bände, die darauf warten, zur Hand genommen zu werden. Dieser stille Strom ist es, der mich immer wieder mitreißt.

Und nun also noch 18 Seiten. Dies ist demnach die letzte Wasserstandsmeldung, das letzte Making-Of, vor dem Snoopy-Moment. Snoopy, der kleine Beagle aus den Peanuts, versucht sich ja bekanntlich auch immer wieder als Schriftsteller. Mit großer Geste sitzt er auf dem Dachfirst seiner Hundehütte an einer mechanischen Schreibmaschine und setzt an: „Buch 1, Kapitel 1, Seite 1“.

Legendär ist Snoopys erster Satz: „Es war eine dunkle und stürmische Nacht.“ Danach kommen ihm allerdings meist irgenwelche Wirrnisse des Alltags dazwischen, gerne in Person von Charlie Brown. Aber in seltenen Folgen gibt am Schluss auch das Bild, wo Snoopy triumphierend auf seiner Hütte hockt und in die Tasten haut: THE END. So ähnlich stelle ich mir meinen Snoopy-Moment vor.

Und dann?

Dann wird das Ding überarbeitet, beginnend bei Buch 1, Kapitel 1, Seite 1.

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