Wirtschaftswunderbilder (17): Prada Palace, Penny Lane

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Hamburg St. Georg, Mai 2016

Leben in der Penny Lane. Holzklasse. Einweg-Existenz. Illusionen, die in Fetzen hängen. Frisch und knackig nur die Reklamefolie, ansonsten ist Schicht im Schacht, Ende Gelände. Ganz kleine Brötchen backen, während grelle LED-Bänder blinkend Dinge und Dienstleistungen anpreisen, passend zur finanziell strangulierten Kragenweite: Ab 5 €! Ein Sternchen steht für das Kleingedruckte, die Ausschlussklauseln, die Sperrvermerke. Kauf mich, schreit derweil das Lichtband. Kauf mich jetzt, solange du wenigstens das noch kannst! Und wenn du es nicht mehr kannst: Klappe zu, Affe tot. Nächster!

Aber träumen wird man noch dürfen. Träumen vom Kapital, betörend wie früher die Sowjet-Revolution: Prada statt Prawda. Träumen von der Parole, die Rolltore öffnet, Wege weist, Zugang verschafft zum besseren Leben. Träumen von der Erinnerung an Träume, von Spiegelbildern im Spiegel.

Zwei Häuser weiter ist Gucci, ebenfalls nur als Sprühfilm auf der abwaschbaren Fassade einer schäbigen Wirklichkeit. Hauchdünn ist die Aufschrift, wie der Faden, an dem das Dasein hängt.

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