Nacktschneckenalarm

Das hier ist das mit Abstand nutzloseste, hässlichste, ekelhafteste und also insgesamt überflüssigste Tier des bekannten Universums. Ein schlechter Witz der Schöpfungsgeschichte, eine totale Sackgasse der Evolution. Deshalb wird es hier auch nur so klein wie möglich abgebildet. Ohne die fette Schleimspur, die’s gratis dazu gibt.

Es regnet seit Tagen, und es ist schön warm dabei. Dann kommen sie aus ihren Löchern. So mögen sie’s gerne, diese vollverkackten Kackwürste unter den Lebewesen. Die Farbe. Die Farbe allein!

Eingeschleppt als Spezies, ohne natürliche Fressfeinde hierzulande, weil jedes vernünftige Raubtier im Strahl kotzen müsste, wenn es auch nur dran denken würde. Also vergessen Sie alles, was Sie über Futterketten, Ökosystempflege und „wichtige Aufgaben, die diese kleinen Freunde für uns durch xyz vollbringen“ sagen wollten. Nacktschnecken sind nichts außer un-sag-bar widerwärtigen Würgreizerregern, eine biblische Plage, gegen die kein Kraut gewachsen scheint.

Und sie wissen es.

Zwei davon habe ich heute sogar im Einflugsschlitz unseres Bienenstocks gefunden. Und statt dass sich unsere lammfrommen Bienen da draufstürzen und drüberhermachen, tun sie so, als sei gar nix. Ich darf überhaupt nicht drüber nachdenken, was die Folgen wären, wenn diese Biester es sich da drin im Kasten hübsch bequem machen würden.

Weitere Exemplare fand ich dann im Gewächshaus auf unserem Blattsalat, den Tomatenpflanzen und den Walderdbeeren. Mahlzeit.

Das ist natürlich noch gar nichts gegen den allerabartigsten Vertreter dieses Gelumpes, den ich je zu Gesicht bekam: nämlich unversehens 20 Zentimeter vor meinem Gesicht in Augenhöhe. Er baumelte – schwör! – an einem Schleimfaden, mit dem er sich gerade gemächlich aus einem kleinen Bäumchen abseilte.

Und das wiederum ist nur Ekelfaktor 25, verglichen mit Faktor 7342, von dem eine Bekannte neulich berichtete. Man picknickte schön am Alsterufer. Die Sonne versank hinterm Horizont, es wurde dunkel, man speiste aber romantisch weiter auf der Picknickdecke, griff zu den sauren Gürkchen, biss herzhaft hinein…

Ach, ich hör auf.

Wirklich, ich bin ein Freund aller Tiere. Fast aller. Also, mir würden jetzt schon einige Ausnahmen einfallen, so gesehen. Im Grunde genügen mir – neben Bienen natürlich – tatsächlich Delfine, Gazellen und Eulen. Kluge, elegante, majestätische Tiere, trotzdem ein klein wenig knuddelig. Dazu möglichst abwaschbar und pflegeleicht, außerdem meist hinter Gittern, weit weg oder im Fernsehen.

Diese hier aber darf, sollte, müsste, ja muss man zwingend, ansatzlos, überall und auf jede noch so kreative Weise – Sie verstehen. Die Welt wird dadurch ein besserer Ort, glauben Sie mir.

2 Kommentare zu „Nacktschneckenalarm

  1. Sie könnten ein Paar dieser Laufenten mieten, die sich mit Vergnügen über Nacktschnecken hermachen. Derweil können Sie innen den wunderbaren Film mit der ebenfalls wunderbaren Ludivine Sagnier „Barfuß auf Nacktschnecken“ schauen.

    1. Aus der Filmkritik der FAZ: „Lily zieht kleinen Tieren das Fell ab und näht daraus Taschen, Schlüsselanhänger und Unterwäsche“. Ich frag jetzt angesichts des Titels auch nicht, was denn die kleinen Tiere für welche sind und ob „Fell“ in einem sehr weiten Sinn gemeint ist. Ich bin nur unbesehen sicher, dass dieser Filmtitel absolutes Kassengift war. Die Laufenten überleg ich mir.

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