Stein im Fluss

Manchmal musst du Stein sein im Fluss.

Wie das Wasser, so weich es sich gibt, mahlt und schmirgelt,
wie geduldig und unermüdlich es brandet
an das Festland deiner Beharrlichkeit.

Manchmal musst du in deinen Armen bergen,
was du noch einsammeln konntest.
Auf Knien und Ellbogen mit dem Erdreich verwachsen,
dich schützend über das werfen, was dir so viel wert ist,
und den Sturm darüber hinwegziehen lassen.

Wie er zerrt, der Sturm, wie er giert danach, was du nicht hergeben willst.
Wie er greift und grapscht nach dem Echten,
Unbezahlbaren, Wahrhaftigen.

Manchmal musst du den Arm ausstrecken,
die Blitze anziehen mit bloßer Hand.
Und die Sturheit haben dir einzureden,
dass sechs Tage Dunkelheit kommen werden
und nicht sechshundert Jahre.

Wie sie bohrt, wie sie in dich eindringen will, die Dunkelheit,
wie sie Wege sucht und Umwege, wie sie Tunnel gräbt und sich in Spalten zwängt, deine Brandmauern aufzubrechen.

Manchmal musst du einen Pakt schließen mit dem Teufel:
Nimm mich schon, Teufel, nimm von meiner ausgezehrten Hülle Besitz,
lass mich zucken und krampfen,
aber mein Herz, mein Herz,
das lässt du in Ruhe dafür.

Wie er hechelt, der Teufel, wie er schwitzt und geifert danach,
dir dein Herz auszureißen, sobald du weich geworden sein wirst.
Aber du wirst es nicht. Wirst es nicht. Wirst es nicht.

Manchmal musst du Stein sein im Fluss.

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