Wirtschaftswunderbilder (18): Wer den Schaden hat

Im Online-Beschwerdeforum ReclaBox prangern Verbraucher mangelhafte Produkte, Dienstleister und Lieferanten an. Noch erschütternder als ihre Erfahrungsberichte sind oft die beigefügten Beweisfotos. Eine Collage der Kollateralschäden des Spätkapitalismus.

Wer sich beim Kauf übervorteilt fühlt, möchte andere wenigstens optisch am erlittenen Unrecht teilhaben lassen. Das gilt insbesondere für Fastfood-Produkte, die nicht ganz der in der Werbung dargestellten Ästhetik entsprechen.

„… und der Burger hat komisch gerochen.“

Trotz aufwändiger Verpackung geht auf dem Versandweg immer wieder empfindliche Ware zu Bruch. In diesem Fall soll es sich um das Sammlerstück eines frühen Computermodells handeln.

„Ersatz gibt es nicht, es war/ist quasi ein Einzelstück von 1984.“

Schönheit ist ein vergängliches Gut. Besonders bedroht wird das gute Aussehen durch Friseurbesuche. In diesem Bereich scheinen Männer die Leidensfähigeren zu sein: 110% aller Schadensmeldungen kommen von Frauen.

„Dieses Resulat hätte ich mit selber mit der linken Hand schneiden können.“

Zu den absoluten Spitzenreitern bei den Online-Beschwerden zählen Ferien-Wohnparks. Die schönsten Wochen des Jahres werden ernsthaft in Frage gestellt, wenn – von den Spinnen und Schamhaaren im eigenen Bungalow abgesehen – im Vorgarten eine Gruppe Ryanair-Touristen aus Manchester ihr Unwesen treibt.

„Erholung ist anders!“

Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit wird kaum irgendwo so schmerzhaft spürbar wie beim Fernkauf vermeintlich maßgefertigter Hochzeits-Garderobe.

„Ich kann in diesem Kleid nicht gehen.“

Fotos von Kindern, die unter den Folgen von Fehlkäufen bzw. mangelhaften Dienstleistungen zu leiden haben, sind ein gern genommenes Beweismittel bei Online-Beschwerden. In diesem Fall handelt es sich um die Buchung einer unterwältigenden Ferienwohnung.

„Unser Sohn mit 10 Monaten hatte beim Krabbeln schwarze Knie, da der Boden nicht saubergemacht wurde.“

Erstaunlicherweise trauen manche Verbraucher Markenschuhen zu, dass sie auch nach einem Jahr des täglichen Gebrauchs noch taufrisch aussehen. Der abgebildete Gegenstand wurde jedoch glücklicherweise offenbar erst nach dem Ausziehen hinzugefügt.

„Hatte erwartet, dass sie länger halten. Ein Foto als Anhang, wo das Loch zu sehen ist.“

Ein gutes T-Bone-Steak zeichnet sich im Normalfall nicht dadurch aus, dass es nach Öffnen der Verpackung ein überraschendes Eigenleben entwickelt.

„Als ich es aus der Verpackung nahm, fiel es förmlich auseinander.“

Apropos Leben: Gerade bei Frischware hat der Versandhandel immer wieder seine Tücken. Selbst Bioware wirkt auf der Website oft deutlich attraktiver als im richtigen Leben.

„Besser gleich zum Wochenmarkt.“

Auch der Gang zum Lebensmittel-Discounter lohnt nicht immer. Es sei denn, man hat Spaß an außergewöhnlichen Fundstücken, die erst zum Abendessen auftauchen.

„Was auch immer das ist, es ist ekelhaft.“

Beschwerden über Lieferanten werden häufig von Fotos beschädigter Ware begleitet, in diesem Fall ein Induktionskochfeld. Seltener sind die Auslieferungsfahrer mit im Bild – hier offenbar im Verlauf einer angeregten Diskussion.

„Im Beisein des Fahrers öffnete ich das Paket.“

Die gestressten und unterbezahlten Fahrer, die dann auch noch am Zielort häufig niemanden antreffen, müssen immer kreativere Lösungen für die erfolgreiche Zustellung von Paketen finden. Das stößt nicht überall auf Verständnis, sorgt aber für schöne, abschließende Symbolbilder über den Zustand der Dienstleistungsgesellschaft.

„Auf dem Zettel stand dann als Ablageort ‚Bluetönner‘ über einem Häckchen das besagte, dass das Paket gemäß meiner gegebenen Vollmacht abgestellt wurde.“

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