Geschäftsmodelle, die wir im 21. Jahrhundert nicht mehr auf der Rechnung hatten (4): Flohmarkt

Flohmarkt vor der Katharinenkirche, aber in Wahrheit überall, jederzeit. Der Blick schweift über immer dieselben Sortimente, über die Endmoräne der Dinge, die uns mit- und nachlaufen, sich nur mühsam abstoßen lassen. In bösen Träumen schiebt sie sich, alles Maßvolle einebnend, konturlos über das Land. Die Springflut aus Spielzeug und Haushaltskeramik, sie erinnert in ihrer chaotischen Symmetrie an die Trümmerwalze, die der japanische Tsunami mit Haus, Schiff und Auto vor sich her schob. Eine Flut der Dinglichkeit, deren bedrohliches Ausmaß wir nie wahrnehmen, solange sie sich noch in Kellern und Speichern staut.

Immer, wenn ich Flohmarktstände betrachte, denke ich: Was für eine unbeherrschbare Walze an Waren wir zu kontrollieren hoffen in den Jahren, die wir die Erde bevölkern. Was für ein marodes Minenfeld der früh verbrauchten Schätze. Ich hätte gern eines späten Tages ein Foto aus der Vogelperspektive: was ich, während ich lebte, jemals besessen habe. Von 46 Bleistiftanspitzern bis hin zu einem Turm an bedrucktem Papier, der einer Weltausstellung zur Attraktion gereichen würde. Und dann, wenn ich alles überblickte, wenn die Inventur mehrerer Fußballfelder abgeschlossen wäre, würde ich sagen: Ein Euro für alles, nimm’s mit.