Der Passagier von Bus Nr. 24

Michael Foot ist tot. Wer?

Michael Foot, britischer Arbeiterführer, Volkstribun und Chef der Labour Party von 1980 bis 83. Oppositionsführer und Gegenspieler der Regierung Margret Thatcher. Geburtsjahrgang 1913.

So what? Was geht’s uns an in Deutschland 2010?

Es geht uns an, dass Michael Foot, noch als er Parteichef war, wie gewohnt mit dem roten Doppeldecker-Bus der Linie 24 von Hampstead nach Westmister zur Arbeit fuhr (und es beobachtete ihn keine TV-Kamera dabei). Das ist 30 Jahre her. Es sind nicht seine politischen Leistungen, derentwegen die Menschen in London heute um ihn trauern. Es ist das Busfahren. Die Erdverbundenheit. Die Bescheidenheit. Die Prinzipienfestigkeit. Das Online-Forum des Guardian ist voll von bewegten Beileidsbekundungen.

All diese Menschen haben sich ein feines Gespür bewahrt für den Unterschied zwischen der Politikergeneration vom Schlage Foots (vor allem, wenn sie sich sozialistisch nannte) und dem, was heute für „NuLabour“ im Unterhaus sitzt. Man muss ihnen den Unterschied nicht erst in Pfund Sterling übersetzen – und genauso verhält es sich, wenn man die Personennamen austauscht, auch in Deutschland. Das, was Menschen heute am Todestag von Foot für ihn empfinden, wird das Volk für 99 Prozent aller hierzulande heute Herrschenden – in Politik wie Wirtschaft – niemals empfinden. Diese 99 Prozent werden, wenn ihr Tag kommt, eine glatte Null auf dem Verdienstkonto des kollektiven Gedächtnisses vorfinden. Sie wissen es, und sie sind bereit diesen Preis zu zahlen.

Was sie hingegen in diesem Leben nicht mehr bezahlen werden müssen, ist eine Busfahrkarte. Das Ticket, auf dem einmal die Demokratie fuhr.

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