Nolympia siegt: Demokratie bei der Arbeit

Die Idee der Hamburger Olympiabewerbung für 2024 geisterte, daran muss man am Ende dieses ermüdenden Marathons kurz erinnern, schon seit der Jahreswende 2013/14 durch die Stadt. Und schon damals lief die Propagandamaschine der davon profitierenden Kreise in Politik und Wirtschaft auf Hochtouren – allen vorweg natürlich das Hamburger Abendblatt, das sich nie zu schade ist, sich vor einen vermeintlich lukrativen Karren seiner vermeintlichen Klientel spannen zu lassen.  Journalistische Objektivitätspflicht? Ach, hör mir uff …

Eine völlig unverdächtige Umfrage ausgerechnet der Hamburger Handelskammer brachte dann auch schon vor knapp zwei Jahren aus dem Stand eine klare Zustimmung der Bürger zu den Kommerz- und Dopingfestspielen zutage – die dann sogar in diesem Blog mittels Kontroll-Erhebung bestätigt zu werden schien. Alles klar also auf der Andrea Doria.

Die Leute: einfach unberechenbar

Nur ist es eben – selbst nach wochenschaureifen Fackelmärschen am Alsterufer und Olympia-Ringe-Choreo mit Busladungen von Aktivisten im Stadtpark – immer gefährlich, dann am Ende trotzdem noch die Leute zu fragen. Denn die Leute sind einfach unberechenbar und erliegen bisweilen dem Drang, sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

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Deswegen dürfen sie ja sonst nie in direkter Abstimmung über Themen entscheiden, die sie wirklich und dauerhaft und unmittelbar angehen – siehe gesamtdeutsche Verfassung, Maastricht-Vertrag, Banken-Bailout, Griechenland-Rettung oder dieses eine Problem da, das uns in den nächsten Jahren noch an den Rand des Bürgerkrieges bringen könnte. Dazu haben wir ja eine repräsentative Demokratie, also wohlmeinende Parteien und ihre Mandatsträger, die uns diese verantwortungsvollen Einzelfallentscheidungen abnehmen. Anders als bei den frechen Schweizern, die für sich selber denken und entscheiden wollen.

Pöses Volk! Wie kann es gegen Opium sein!

So machte der Hamburger Volksvertretungsapparat im Gefühl des sicheren Sieges genau diesen Fehler: Er fragte doch tatsächlich das Volk. Und heute abend hat es ihm mit Nein geantwortet. Nein zu Eventisierung und Gentrifizierung. Nein zu Total Security. Nein zu noch mehr Event-Opium fürs Volk. Pöses Volk! Wie kann es gegen Opium sein! Garstiges Volk! Wie kann es gegen Spiele sein!  Aufsässiges Volk! Was kann es bloß gegen Sicherheit haben?

Tja. Demokratie bei der Arbeit. Achten Sie darauf, wie die sonst gern mal unverbindlich gelobte Schwarmintelligenz der Hamburger in den folgenden Stunden von prominenter Seite immer wieder in Abrede gestellt werden wird! Wäre Hamburgs stimmberechtigte Bevölkerung deckungsgleich mit Frau Merkels Elektorat, sie würde sich zur Strafe noch heute abend ein anderes Volk wählen. Olaf Scholz hingegen wird nur derbe beleidigt sein, diese Konsequenz aber dann doch nicht wagen. Er wird heute abend vielmehr nur eines gelernt haben:

Beim nächsten Mal, wenn es wirklich um etwas geht, werden wir nach Möglichkeit nicht mehr gefragt.

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Nachtrag, 22:15 Uhr:

Der NDR hat das Votum auf seine Weise interpretiert und auf seiner Website folgende Headline produziert:

Hamburgs Olympia-Traum ist geplatzt

Sehen Sie? Während Hamburg einen Traum verfolgte, hat nur sein Volk nicht mitgezogen.

 

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