Was ich in diesem Sommer lernte

Das lehren die Berge: dass die Welt in der Höhe
nicht sanft ist, wie sie in den Städten der Ebene glauben.
Dass sich jederzeit jede Lage verändert,
das Erhabene endlich sich doch niederlegt,
das am Boden Liegende aber sich aufschwingt,
jede Wahrheit beschattet, jeder Zweifel besonnt wird,
während Sonne wie Schatten gerade noch
in die Felsen gemeißelt erschien.

Das zeigt der Wasserfall: dass die Schwerkraft
sich nie einen Fehler erlaubt und auch uns nicht,
denn jeglicher Tropfen Wasser und Blut
muss, einmal vergossen, hinab in die Erde.
Aber durch ihren Schoß tritt das Beerdigte
wieder zu Tage. Nur eine Frage
der Zeit, wann und wie schnell es das Leben
auf anderen Wegen in Umlauf bringt.

Davon berichtet der Nebel: dass alles,
was sich in Wolken hüllt, trügt.
Dass, wo Titanen mit Schwefeldampf drohen,
das Aufklaren nur verdorrende Wipfel enttarnt.
Dass die Distanz, die Phantome auf uneinnehmbaren Sitzen
uns per Trugbild zu wahren gebieten,
bei besserer Sicht federleicht überbrückbar erscheint
und sich dem Ansturm der Ferngehaltenen beugt.

Das flüstert der See: Schau, ich schweige
und glätte die Wogen mit meiner lang erprobten Geduld,
bis sie nicht länger spiegeln, was auf mich niederfuhr
aus den von Spannung zerrissenen Sphären.
Doch in der Tiefe bewahre ich alles, was sich entlud
und balle die Fluten zu einer gläsernen Faust,
die eines Tages den Gipfeln entgegenspringt,
und der Felsen wird splittern von ihrem Schlag.

Eine Forelle, aus ihrem Bachlauf gerissen
vom Angler, erschlagen und zwischengelagert im Gras,
zieht, wie ich’s schon einmal hörte, die Summe
als noch im Tode wahrsagender Fisch:
Alles, so gibt sie stimmlos zu Protokoll,
läuft auf das Runden des Kreises zu. Aber danach,
mit neuer Umdrehung, wird im Wasser das Mühlrad
sich wälzen über die schuldigen Leiber im Zorn.

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