Mögest du immer so reich bleiben, mein Junge

Das ist das Portemonnaie meines fünfjährigen Sohnes. Geld in einem vor-monetären Stadium: bedeutungslos, außer als gelegentlich ausgepacktes Sammlerobjekt und glänzende Zählenlernhilfe. Er hat es zuhause vergessen, als er mit Oma in Urlaub gefahren ist. Es macht ihm nichts aus, er hat keinen Gedanken dafür, fühlt sich nicht nackt. Münzen? Die Zahlen sagen ihm wenig. Er hat keine deutliche Vorstellung von ihrem Wert, obwohl bei der Sparkasse schon das „Mäusekonto“ angelegt ist, mit 13 Euro irgendwas ausgestattet zurzeit. Ein Dinosaurier, glaubt er, kostet ungefähr Dreihundert Millionen Tausend. Als Mama ihm unterwegs ein Seil schenkte, versprach er glücklich: Dafür gebe ich dir all mein Geld, wenn wir wieder zuhause sind! Aber würde man meinem Sohn sein Portemonnaie stehlen, würde er kurz aufheulen und es dann vergessen. Es gibt anderes, womit man spielen kann. Noch kein stechender Schmerz wegen des Entzugs der Lebensgrundlage, des Allerheiligsten, des am Hintern angedockten externen Körperorgans. Noch keine schwer ersetzbaren Papiere, panisch zu sperrenden Bankkarten. Noch keine ziehende Angst, der flüchtige Inhalt dieses Etuis könne nicht reichen, weniger werden, ganz ausbleiben.

Glückliche, glückliche Zeit. Und ihr Ende schon so, so nah.

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