Anti-Werbung mit Loriot

So viel zum geheuchelten Respekt des Feuilletons vor Deutschlands verstorbenem Komik-Genie: Bei spiegel.tv haben sie jetzt noch mal ein Interview ausgegraben, das Loriot 1993 anlässlich seines 70. Geburtstags Hellmuth Karasek gegeben hat. Das Problem dabei ist weniger, dass Karasek im Dialog mit von Bülow unfassbar hölzern, bemüht humoresk und hoffnungslos bieder wirkt. Nein: Alle paar Minuten wird dieses Interview durch Werbespots unterbrochen, und zwar in derart automatisierter Brutalität, dass Loriot nicht mal seinen Satz vollenden darf, sondern IN 17 SEKUNDEN GEHT’s WEITER.

Eines ist mal klar: Wer immer da einen Spot gebucht hat, hätte seinem Unternehmens-Image keinen größeren Bärendienst erweisen können. Gerade indem es diesem soignierten, feinen Menschen brutalstmöglich ins Wort fällt, entlarvt sich das Reklamegequassel letztgültig als das, was es ist: pure Hysterie.

Und für diese letzte subversive Höchstleistung des Altmeisters ist ihm zumindest dieses Blog noch einmal aufrichtig dankbar.

 

Das Investier

Möglicherweise verrät uns Union Investment hier mehr über das Wesen des Investierens und Spekulierens, als beabsichtigt war: Es ist ein haariges Biest mit unmäßiger Reichweite und riesigen Grapsch-Händen, allzeit bereit, auf Droge die nächstbesten Wände hochzugehen und dabei prekäre Gleichgewichte zum Einsturz zu bringen, das kleine Schwänzchen in freudiger Erregung aufgestellt, die Öhrchen steif gespitzt und im Blick eine grundlose Selbstzufriedenheit, die sich perfekt mit dem debilen Grinsen des Breitmauls paart.

Es ist, als wolle Union Investment uns durch die Blume zum guten alten Pfandbrief raten, wenn wir noch ganz bei Trost sind.

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