Durch Untiefen zum Romandebüt

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Mit 19 Jahren heuerte Bernd Ockert als Schiffsjunge auf einem Stückgutfrachter an, der Hilfsgüter nach Ägypten fuhr. Als eines Tages der Messe-Steward besoffen von der Leiter fiel und sich ein Bein brach, hatte Ockert zusätzlich auch noch dessen Job an Bord. Doch die Seemannslaufbahn, die so wild und abenteuerlich begonnen hatte, fiel aus: Ockert, Jahrgang 1951, studierte und wurde ein ehrbarer Hamburger Exportkaufmann, der zahlreiche Länder und viele alte Hansestädte bereiste.

Bis den Hobbysegler viele Jahre später der alte Lebenstraum einholte, einmal ein Buch zu schreiben. Einen historischen Abenteuerroman, in dem handelsreisende Seefahrer eine Rolle spielen.

So entstand Im Auftrag der Hanse, Ockerts Romandebüt im Alter von 64 Jahren. Wie gelingt es einem unbekannten Autor, die Klippen des Literaturbetriebs erfolgreich zu umschiffen, statt daran zu zerschellen?

Mit Zeilensturm sprach Ockert über seinen unorthodoxen Kurs zum richtigen Verlag, die Untiefen des Lektorats, die triumphale Einfahrt in den Hafen der Erstveröffentlichung – und eine Lesung in der Hamburger Speicherstadt.

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Bernd Ockert                                                                                                                          (Foto ©  Oliver Driesen)

Zeilensturm: Seefahrt, Handel, Abenteuer – wie du zu deinem Thema gekommen bist, ergibt sich aus deinem Lebenslauf. Aber warum das Mittelalter?

Ockert: Mich reizte besonders die Entstehungsphase der Hanse, Ende des 13. Jahrhunderts, in der auch mein Buch spielt. Da wurden Städte wie Riga gegründet, einer der Schauplätze des Romans. Damals gab es noch eine Durchlässigkeit der sozialen Schichtung: Als fleißiger Kaufmannsgehilfe konnte man es zum selbständigen Kaufmann und dann bis zum Ratsmitglied bringen. Später ging so etwas nicht mehr, da wollten die höheren Stände unter sich bleiben und auch unter sich heiraten; eine regelrechte Inzucht.

Zeilensturm: Was hat es mit der Karte im Untertitel auf sich?

Ockert: Zur Zeit des Romans gab es noch keine Seekarten. Die wunderschönen Karten von Magellan etwa kamen viel später. Was es gab, waren „Seebücher“ mit Informationen über die Besonderheiten der Einfahrt in diverse Häfen. Auf offener See gab es zum Navigieren nur die Sterne, und das noch ohne Sextant und Kompass! In Küstennähe konnte man zusätzlich das Lot einsetzen. Meine Fiktion ist nun: Ein schlauer Mönch hat schon im 13. Jahrhundert die Seebücher zu einer ersten Seekarte zusammengestellt. Das wäre durchaus möglich, wenn auch sehr mühsam gewesen. Und so eine Karte hätte einen extrem hohen Wert dargestellt – darum dreht sich dann auch das Verbrechen, das der jugendliche Held aufklären muss. Als Abgesandter des Lübecker Senats wird der junge Kaufmannsgehilfe mit der Ermittlung in diesem Kriminalfall betraut. Er ist eine Art James Bond des Mittelalters (lacht).

Zeilensturm: Das klingt alles, als ob intensive Recherchen notwendig waren. Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet?

Ockert: Etwa zweieinhalb bis drei Jahre, aber meist nur sonntags. Denn unter der Woche mit zahlreichen Geschäftsreisen war ich abends meist zu müde. Ich habe mir alle erreichbaren Ausstellungen zur Geschichte der Hansestädte angesehen und die Grundidee währenddessen immer weiter ausgearbeitet, also sequenziell geschrieben.

Zeilensturm: War dir anfangs klar, wie viel Selbstdisziplin das erfordert?

Ockert: Es hat mich nicht überrascht. Auch für meine Reisen nach Osteuropa muss ich alles perfekt organisieren und vorausplanen, sonst funktioniert das nicht. Dasselbe gilt halt für ein Buch. Ich habe während der Recherchephase auch noch Kurse in kreativem Schreiben bei einer Volkshochschule besucht. Das hat mir auch viel geholfen.

Zeilensturm: Volkshochschule und kreatives Schreiben? Das wird oft milde belächelt…

Ockert: Von dem Kursleiter, der selbst Schriftsteller ist, habe ich sehr viel lernen können. Und er hat mich vor allem auch bestärkt: Mach das weiter! Das war überhaupt das Wichtigste. Was mir in den Kursen aufgefallen ist: Da trifft man immer auch diese Leute, die zwar sehr gut schreiben können, aber nichts zu erzählen haben. Das Problem sehe ich oft, dass Schreiber keine Ideen haben, keinen eigenen Input, kein ureigenes Thema, über das sie schreiben wollten. Die Geschichten werden dann auch trotz gutem Stil sehr mäßig. Es muss einem klar sein, dass man eine gute Idee braucht, nicht nur guten Stil. Aus meiner Sicht sollte man mit Kurzgeschichten beginnen, also auch gezielt einen Kurs belegen, der schon im Titel das Wort Kurzgeschichte trägt. Da kann man viel lernen: eine Geschichte entwickeln, sie zu einem Höhepunkt zu bringen, und das alles auf wenigen Seiten.

„In den Kursen trifft man immer auch diese Leute, die zwar sehr gut schreiben können, aber nichts zu erzählen haben.“

Windspiel-Verlag Scharbeutz, 2015, Paperback, 12,90 €
Windspiel-Verlag Scharbeutz, 2015, Paperback, 12,90 €

Zeilensturm: Wie hast du dann deinen Verlag gefunden?

Ockert: Ein Literaturagent hatte das Manuskript gelesen und fand es auch gut, sah aber trotzdem keine Möglichkeit, es bei einem Verlag unterzubringen. Historische Romane würden derzeit nicht so gut laufen. Da war ich also so klug wie am Anfang. Dann kam ich auf die Idee mit der Messe. Ich fuhr zur Leipziger Buchmesse und habe unangemeldet alle Verlagsstände abgeklappert, die aufgrund ihres Programms infrage kamen. Gezielt die kleineren, die nehmen so ein Buch eher als die großen. Man bekommt ohnehin keinen Termin dort.

Zeilensturm: Stopp! Auch diese Strategie eines hoffnungsvollen Autors, einfach mit der Tür ins Haus zu fallen, halten Experten meist für wenig zielführend.

Ockert: Aber ich hatte ein gutes Kurz-Exposé des Inhalts mit dabei, das ich den Verlagsleuten in die Hand drückte. Solch ein auf den Punkt geschriebenes Exposé kann ich nur jedem empfehlen. Immerhin hörte ich mal das Feedback: Wir finden die Geschichte toll, aber sie passt bei uns nicht rein. Das war ja schon mal was! Und dem einen oder anderen dieser Buchmesse-Verlage habe ich dann später noch Auszüge aus dem Buch geschickt. Sehr wichtig ist auch, dass der Verlag den Stoff eines Manuskripts einem Genre zuordnen kann. Denn gerade kleinere Verlage legen sich meist auf ganz bestimmte Genres fest. Der eine macht nur Eifel-Krimis, der andere nur historische Romane. Der Windspiel-Verlag sitzt in Scharbeutz an der Küste, den interessierte das Thema, weil es in seine Gegend passte.

„Sehr wichtig ist auch, dass der Verlag den Stoff eines Manuskripts einem Genre zuordnen kann. Denn gerade kleinere Verlage legen sich meist auf ganz bestimmte Genres fest.“

Zeilensturm: Interesse ist noch lange keine Zusage.

Ockert: Nein, aber ich hatte ihnen auch ein Bändchen mitgeschickt, in dem eine meiner Kurzgeschichten veröffentlicht worden war. Damit hatte ich bei einem kleinen Literaturwettbewerb in meinem Stadtteil teilgenommen und war zwar nicht unter die ersten drei gekommen, aber immerhin unter die ersten zehn, die in dem Büchlein veröffentlicht wurden. So sah der Verlag, dass ich schon mal gedruckt worden war. Das ist also auch ein Tipp für Neulinge: Macht mit Euren Kurzgeschichten bei Wettbewerben mit, dann habt ihr mit etwas Glück schon eine Veröffentlichung zum Vorzeigen bei den Verlagen! Den Windspiel-Verlag hat es wohl zusätzlich überzeugt. Allerdings kam von denen dann zunächst das Angebot: Wir machen da gerade auch so einen Band mit Kurzgeschichten, schreiben Sie uns erst mal eine dafür! Das tat ich, und die ist auch bei Windspiel veröffentlicht worden.

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(Foto © Oliver Driesen)

Zeilensturm: So hast du die Verlagsleute langsam sturmreif geschossen.

Ockert: Man muss es ihnen hoch anrechnen, dass sie damit ein Risiko eingegangen sind: Es war ihr erster historischer Roman. Zunächst allerdings erhielt ich mal eine Lektorin zugeteilt.

Zeilensturm: Aha! Jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Ein hoffnungsvoller Autor und eine strenge Leserin vom Fach, die sein Buch noch besser machen will. Man hört es knistern. Hat die Lektorin die Schwächen deines Manuskripts denn einfühlsam behandelt?

Ockert: Nein, eher mit der Keule (lacht). Teilweise waren die Seiten schon sehr rot, besonders im Einstieg. Da schluckt man dann hart. Ich bin froh, dass das nicht mit irgendwelchen Durchschlägen auf Papier und TippEx lief, das wäre furchtbar gewesen! Sie hat das Buch insgesamt dreimal gelesen und dreimal korrigiert. Und dabei gab sie immer gute Tipps: wo die Logik noch fehlte, wo Fragen offen blieben – da macht man als Erstling noch viele Fehler.

Zeilensturm: Komm, es war nicht alles pure Harmonie …

Ockert: Natürlich haben wir uns teilweise auch in die Wolle gekriegt, und das ist auch gut so. Sie wollte bei der Darstellung einer Liebesbeziehung im Mittelalter partout die Rolle der beteiligten Frau stärken, aber Frauen hatten im Mittelalter im Alltag nichts zu sagen. Das wird gern falsch gemacht in Mittelalter-Romanen, wo die Heldin oft eine ganz starke, dominante Frau ist: Wunderheilerin, Wanderhure, Frau des Henkers – das ist alles Bullshit! So ein Rollenbild gab es damals nicht. Ich habe meiner Frauenfigur eigentlich auch eine gute Rolle zugeteilt: Sie ist im Kloster als Heilpflanzenkundige eine starke Position, aber nur dort war das auch möglich. Man denke an Hildegard von Bingen. In diesem Punkt habe ich mich gegen die Lektorin durchgesetzt, die diese Frau viel aufmüpfiger machen wollte.

„Diese starken Frauenfiguren: Wunderheilerin, Wanderhure, Frau des Henkers – das ist alles Bullshit! So ein Rollenbild gab es damals nicht.“

Zeilensturm: Aber das Leben ist ein Geben und Nehmen. Wo musstest du dafür während des Lektorats klein beigeben?

Ockert: Es gibt eine Szene, da kämpfen zwei Leute im Dunkeln miteinander, ganz schwierig zu schreiben. Da muss ja ein Bild im Kopf des Lesers entstehen. Diese Szene hat sie mich drei- oder viermal neu schreiben lassen. Da muss man sich dann von dem Gedanken verabschieden: Jetzt habe ich das einmal so hingeschrieben, jetzt bleibt das so. Nein, wer etwas wirklich Gutes schreiben will, muss es bisweilen mehrmals überarbeiten.

Zeilensturm: Und wie lange dauerte dieses Martyrium insgesamt?

Ockert: Über fast drei Monate – natürlich nicht jeden Tag – haben wir gemeinsam an dem Buch gearbeitet. Und bis heute habe ich meine Lektorin noch nie persönlich gesehen, wir haben uns immer telefonisch oder digital ausgetauscht. Das ging wunderbar! Nach anfänglichen Problemen, die man immer hat, weil man mal sein Ego zurücknehmen muss, habe ich auch von ihr viel gelernt. Kein Wunder, sie hat schon in ihrer Email-Adresse „fehlerjaegerin“ stehen. Und das Buch hat durch sie einen gewaltigen Qualitätssprung gemacht.

Zeilensturm: Was ging dir durch den Kopf, als du das gedruckte Endergebnis zum ersten Mal in der Hand hattest?

Ockert: Ein ganz tolles Gefühl! Da konnte ich sagen: Jetzt habe ich es geschafft. Das war seit Jahren einer meiner Lebensträume gewesen, mein eigenes Buch …

Zeilensturm: … mit dem ein Autor dann im Auftrag des Verlags Lesungen bestreitet – so stellt man sich das vor.

Ockert: Das musste ich schon selbst in die Hand nehmen. Ich habe mir Ende 2015 eine Lesung im Hamburger Speicherstadt-Museum organisiert, zusammen mit einem anderen Autor. Da kamen 80 Leute, das war schon eine Art Ritterschlag. Vom Verlag war allerdings niemand dabei. Das fand ich ein wenig schade, aber so kurz vor Weihnachten …

Zeilensturm: Das Buch ist seit Mai auf dem Markt. Wie hat es sich verkauft?

Ockert: Bislang sind rund 1000 Exemplare verkauft worden.

Zeilensturm: Vierstellig! Nicht schlecht für einen Erstling und einen kleinen Verlag! Aber zum Hauptberuf würdest Du die Schriftstellerei dann doch nicht machen wollen, nehme ich mal an?

Ockert: Ich erhalte von jedem verkauften Exemplar meines Romans 72 Cent. Vom Romaneschreiben zu leben ist selbst für die Lehrer, die ich in meinen Kursen hatte, absolut nicht möglich. Sonst müssten sie ja keine Kurse geben.

Zeilensturm: Ist das eigentlich fair gegenüber den Autoren, von deren Kunst die Verlage ja immerhin ausschließlich leben?

Ockert: Gute Frage. Damit es anders ginge, müssten die Bücher wohl viel teurer sein, und das würden die Leser nicht akzeptieren. Mein Buch gibt es auch als E-Book, da kostet es nur 8,60 Euro.

Zeilensturm: Und wann folgt Band 2 von „Im Auftrag der Hanse“?

Ockert: Im Kopf gibt es da schon etwas. Es könnte dazu kommen, dass das nächste Buch in Bergen in Norwegen spielt, auch eine alte Hansestadt, in die ich noch reisen will. Es gab eine Zeit, später als im ersten Buch, da tobte ein Aufstand innerhalb der Hanse. Das fand ich auch interessant, das könnte eine Rolle spielen. Aber ich will nicht zu viel verraten.

Schietwetterglück

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And now for something completely different, um mich mal wieder auf andere Gedanken zu bringen. Wer sagt denn, dass ein lausiger Wintertag in Hamburg ein depressiver Wintertag sein muss?

Mal schnell ein Elbspaziergang trotz Wetter (das war noch im alten Jahr), und im zufällig richtigen Moment kommt so etwas heraus:

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Oder so etwas:

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Also mich wärmt das (hinterher, am Schreibtisch, wenn der Schmerz in den Fingern nachlässt). Das war es auch schon für den Augenblick.

Nach Köln und zurück

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Hier stand noch gestern ein Artikel, der auf die organisierte sexuelle Gewalt am Kölner Hauptbahnhof und anderswo in der Neujahrsnacht reagierte.

Er ist auf heftige Kritik gestoßen, und ich habe ihn daraufhin gelöscht.

Es mag sein, dass der Artikel aus einer wachsenden Angst heraus entstanden ist, in die mich die Entwicklung der Lage in Deutschland versetzt. Angst ist indes kein guter Ratgeber, weder in der Politik noch in der journalistischen Diskussion. Ich möchte mit den Beiträgen auf Zeilensturm zu keiner weiteren Hysterisierung des Migrationsthemas beitragen; Hysterie und Angst beherrschen ohnehin zunehmend die Auseinandersetzung.

Einen Schritt hinter diese Angst zurücktretend bleibt es dabei, dass ich die grenzen- und konzeptlose Aufnahme weiterer Flüchtlinge bzw. Migranten für falsch halte. Sie destabilisiert das Land und die Gesellschaft und schadet so auch denen, denen wir tatsächlich helfen könnten und sollten.

Ebenso – auch mit vernünftiger Distanz – schadet es in meinen Augen dem Zusammenleben in Deutschland, aus falsch verstandener Political Correctness die Verantwortlichkeit von Migranten für ihren Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft nicht einzufordern und durchzusetzen. Köln hat die Folgen klar vor Augen geführt.

Was wir jetzt unbedingt benötigen, ist politisch verantwortungsvolles und besonnenes Handeln. Zu dieser Verantwortung gehört es, als falsch Erkanntes aufzugeben und nicht zuletzt das politische Lagerdenken von „links“ und „rechts“ zu überwinden. Jeder wohlmeinende Mensch wird benötigt werden. Wenn eine ehrliche Debatte dazu beitrüge, wäre vieles gewonnen.

Am Ende, am Anfang

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Am Ende dieses Kräfte zehrenden Jahres 2015.

Am Ende eines Jahres, das mich an meine und unser aller Sterblichkeit erinnerte. Daran, dass alles endet, mal abrupt, mal im Treibsand des Wandels, der am Vertrauten schmirgelt, bis  nichts mehr übrig bleibt.

Am Ende eines Jahres, in dem in Paris das Lachen über die Lächerlichkeit des Aberglaubens erstarb.

Am Ende eines Jahres, das mir Geduld und nochmals Geduld und dann noch etwas mehr Geduld abverlangte, was den Glauben an sich selbst oder etwas zur Bedingung hat.

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Am Ende eines Jahres, in dem der Finanzdienstleister MasterCard damit warb, dass „mehr Zeit für die Dinge, die wirklich zählen“ vor allem eines sei: „unbezahlbar“.

Am Ende eines Jahres, in dem die tröstend menschliche, trunken zärtliche Stimme Harry Rowohlts verstummte.

Am Ende eines Jahres, in dem die Sonde Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko ihre Bahn um die Sonne zieht, triumphal gescheitert im Schatten einer Felswand, die ihr für immer das Licht dieser Sonne nimmt.

Am Ende eines Jahres, in dem wir das System des Pluto sahen wie unser Nachbardorf, drei Milliarden Kilometer entfernt, während wir lernten, dass Boko Haram so etwas wie „Westliche Bildung ist Sünde“ bedeuten soll.

Am Ende eines Jahres, in dem schon wieder in Paris eine junge Frau am Fenstersims im zweiten Stock eines Konzertsaals hing und darum bettelte, man möge sie unten auffangen, sie sei schwanger.

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Am Ende eines Jahres, in dem es der auf Wachstum und Raubbau bedachten Weltwirtschaft – also uns allen – im Zusammenspiel mit dem Naturphänomen „El Nino“ gelang, in New York die wärmste Weihnacht aller Zeiten zu erzeugen und in Hamburg zugleich Kirschbäume und Rosen blühen zu lassen.

Am Ende eines Jahres, in dem ich die vielleicht schönsten Stunden zu den Klängen von Leisure Society in der Prinzenbar verbrachte und die vielleicht schönsten Fotos meiner Kinder in einem Ort namens „Elend“ machte.

Am Ende eines Jahres, das diese Kinder vor eine wie noch nie zuvor ungewisse Zukunft stellte, während das eine Prozent dafür sorgte, dass im Hamburger Villenstadtteil Harvestehude immer noch kein Migrantenheim existiert.

Am Ende eines Jahres, das in den Anfang eines Jahres übergehen wird, in dem der hirntote Donald Trump die nuklearen Codes der militärischen Supermacht USA überreicht bekommen könnte.

Am Ende dieses Jahres wünsche ich allen Zeilensturm-Lesern ein gutes 2016.

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Nolympia siegt: Demokratie bei der Arbeit

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Die Idee der Hamburger Olympiabewerbung für 2024 geisterte, daran muss man am Ende dieses ermüdenden Marathons kurz erinnern, schon seit der Jahreswende 2013/14 durch die Stadt. Und schon damals lief die Propagandamaschine der davon profitierenden Kreise in Politik und Wirtschaft auf Hochtouren – allen vorweg natürlich das Hamburger Abendblatt, das sich nie zu schade ist, sich vor einen vermeintlich lukrativen Karren seiner vermeintlichen Klientel spannen zu lassen.  Journalistische Objektivitätspflicht? Ach, hör mir uff …

Eine völlig unverdächtige Umfrage ausgerechnet der Hamburger Handelskammer brachte dann auch schon vor knapp zwei Jahren aus dem Stand eine klare Zustimmung der Bürger zu den Kommerz- und Dopingfestspielen zutage – die dann sogar in diesem Blog mittels Kontroll-Erhebung bestätigt zu werden schien. Alles klar also auf der Andrea Doria.

Die Leute: einfach unberechenbar

Nur ist es eben – selbst nach wochenschaureifen Fackelmärschen am Alsterufer und Olympia-Ringe-Choreo mit Busladungen von Aktivisten im Stadtpark – immer gefährlich, dann am Ende trotzdem noch die Leute zu fragen. Denn die Leute sind einfach unberechenbar und erliegen bisweilen dem Drang, sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

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Deswegen dürfen sie ja sonst nie in direkter Abstimmung über Themen entscheiden, die sie wirklich und dauerhaft und unmittelbar angehen – siehe gesamtdeutsche Verfassung, Maastricht-Vertrag, Banken-Bailout, Griechenland-Rettung oder dieses eine Problem da, das uns in den nächsten Jahren noch an den Rand des Bürgerkrieges bringen könnte. Dazu haben wir ja eine repräsentative Demokratie, also wohlmeinende Parteien und ihre Mandatsträger, die uns diese verantwortungsvollen Einzelfallentscheidungen abnehmen. Anders als bei den frechen Schweizern, die für sich selber denken und entscheiden wollen.

Pöses Volk! Wie kann es gegen Opium sein!

So machte der Hamburger Volksvertretungsapparat im Gefühl des sicheren Sieges genau diesen Fehler: Er fragte doch tatsächlich das Volk. Und heute abend hat es ihm mit Nein geantwortet. Nein zu Eventisierung und Gentrifizierung. Nein zu Total Security. Nein zu noch mehr Event-Opium fürs Volk. Pöses Volk! Wie kann es gegen Opium sein! Garstiges Volk! Wie kann es gegen Spiele sein!  Aufsässiges Volk! Was kann es bloß gegen Sicherheit haben?

Tja. Demokratie bei der Arbeit. Achten Sie darauf, wie die sonst gern mal unverbindlich gelobte Schwarmintelligenz der Hamburger in den folgenden Stunden von prominenter Seite immer wieder in Abrede gestellt werden wird! Wäre Hamburgs stimmberechtigte Bevölkerung deckungsgleich mit Frau Merkels Elektorat, sie würde sich zur Strafe noch heute abend ein anderes Volk wählen. Olaf Scholz hingegen wird nur derbe beleidigt sein, diese Konsequenz aber dann doch nicht wagen. Er wird heute abend vielmehr nur eines gelernt haben:

Beim nächsten Mal, wenn es wirklich um etwas geht, werden wir nach Möglichkeit nicht mehr gefragt.

—-

Nachtrag, 22:15 Uhr:

Der NDR hat das Votum auf seine Weise interpretiert und auf seiner Website folgende Headline produziert:

Hamburgs Olympia-Traum ist geplatzt

Sehen Sie? Während Hamburg einen Traum verfolgte, hat nur sein Volk nicht mitgezogen.

 

Absturz eines Stahlbarons

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Es gibt Todesarten, die passen zum exaltierten Leben des Verstorbenen wie ein Handschuh. Man denke nur an Jimi Heselden, den früheren Eigentümer der Firma Segway Inc. Der US-Unternehmer rollerte 2010 mit einem Prototyp seines neuesten Elektrowägelchens für Fußgänger über den Rand einer Klippe – und stürzte in den Tod.

Oder Lenny B. Robinson, amerikanischer Batman-Darsteller und Entertainer für krebskranke Kinder, der im vergangenen August mit seinem Batmobil im ganz normalen Straßenverkehr liegenblieb. Als der Real-Life-Superheld einen Blick unter die Motorhaube warf, krachte ein anderer Wagen in sein am Straßenrand abgestelltes Science-Fiction-Fahrzeug, das dann wiederum Robinson zerquetschte.

Manche Lichter brennen eben besonders hell, bevor sie besonders abrupt erlöschen. Manche Menschen steigen besonders steil auf und fallen dann besonders tief. Zu ihnen zählte auch Willy Korf, der heute vor 25 Jahren gewaltsam zu Tode kam.

Korf, Jahrgang 1929, war ein Selfmade-Aufsteiger alter Schule, ein Stahlbaron mit bescheidenen Anfängen im Badischen, der den alten Platzhirschen von Krupp bis Klöckner in den 70ern und 80ern  ordentlich Feuer unter dem Hintern machte. Und das in einer Industrie, in der überbordendes Traditionsbewusstsein damals viele Innovationen im Kein erstickte.

Ein Menschenfischer

Der körperlich klein gewachsene Unternehmer mit dem großen Wissensdurst  und dem noch größeren Glauben an sich selbst revolutionierte in jenen Jahren nicht nur diverse Verfahren der Stahlproduktion. Er bewies auch, dass man als Newcomer in dieser Industrie die ungeheuer hohen Einstiegshürden des aufzubringenden Kapitals für Produktionsanlagen und Material aushebeln konnte – mit kreativen Konzepten und kämpferischer Zähigkeit.

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Vor allem aber war Korf – und das ist das tiefste Erfolgsgeheimnis vieler erfolgreicher Unternehmer – ein Menschenfischer. Er konnte mit seinem Charme und seiner Chuzpe junge Ingenieure mit brillanten Ideen ebenso für seine Korf Stahl AG begeistern wie die Geldgeber konservativer Banken. Es ist dieser Typus des inspirierenden Quertreibers, der in der deutschen Wirtschaft heute mehr denn je fehlt.

Wie irrlichternd und beratungsresistent er dann allerdings bisweilen mit dem ihm anvertrauten Geld anderer Leute umging, steht auf einem anderen Blatt. Oder besser gesagt: Auch das steht auf den rund 280 Seiten meiner Korf-Biographie „Der Feuermacher“, die 2005 bei Hoffmann und Campe erschienen ist. So brach das verschachtelte Korf-Stahl-Imperium mit der eindrucksvollen Firmenzentrale in Baden-Baden denn auch 1983 innerhalb weniger Wochen finanziell zusammen.

Den Tod verlacht

Das hinderte den Mann, dessen Leben beruflich und privat wie eine wilde Achterbahnfahrt verlief, nicht an einem Neuaufstieg. Doch gerade, als er 1990 kurz davor war, sein erneut in Schwierigkeiten geratenes Unternehmen zu verkaufen, ging er am 21. November 1990 für einen Routineflug an Bord seiner zweimotorigen Beechcraft King Air 200.  Es war ausgerechnet der Buß- und Bettag.

Über den Tiroler Alpen stürzt die Maschine bei schlechter Sicht ab; Korf und zwei weitere Menschen an Bord sind sofort tot. Seine ehemalige Sekretärin Renate Höing ist entsetzt, als sie in der Tagesschau vom Unglück erfährt, aber nicht überrascht: „Niemand, der Korf nahe stand, hätte gedacht, dass er mal im Bett sterben würde. Das passte nicht zu ihm. Das haben wir ihm auch mal gesagt. Da hat er nur gelacht.“

Ich hätte ihn gerne im Leben gekannt. Im Jahr 2015, ein Vierteljahrhundert danach, bräuchten wir mehr Unternehmer und weniger Terroristen, die den Tod verlachen.

Das kalte Schweigen des „Spiegel“. Ein offener Brief.

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Lieber Janko,

wir waren in lange vergangenen Zeiten Kollegen bei der „Woche“, als die heile Welt des Westens am 11. September gerade zum ersten Mal in Scherben fiel. Es wurde damals in der Redaktion ein langer Tag und eine lange Nacht für uns, als wir im Chaos des Nichtwissens um eine Deutung dieses welterschütternden Ereignisses rangen. Rückblickend, 14 Jahre später, habe ich den Eindruck: Alles, was unsere „freien“ Gesellschaften heute prägt und bedroht, war an jenem Tag wie in einer Kristallkugel bereits sichtbar. Nur haben wir die Kristallkugel damals noch nicht dechiffrieren können.

Ich bewundere, wie Du später Deinen Weg zum „Spiegel“ gegangen bist und was Du dort seither im Wirtschaftsressort und bei SPON geleistet hast. Aber mit Deinem gestrigen Pegida-Kommentar „Das wird man ja wohl noch verschweigen dürfen“ bist Du, ebenso wie Dein Magazin und eine 99-Prozent-Mehrheit der deutschen „Meinungsführer“, vollständig auf dem Holzweg. Auf einem höchst gefährlichen Holzweg.

Manifest-Journalismus statt Fragen und Antworten

Es ist ein Weg, den der „Spiegel“ beim Thema Fremdenangst, Flüchtlinge und Migration konsequent beschreitet – und auf dem ich ihm als Abonnent seit dem in Titelform gegossenen Manifest „Dunkles Deutschland / Helles Deutschland“ nicht mehr folge. Im dunkeln Deutschland zünden „Rechte“ Flüchtlingsheime an. Im hellen Deutschland lassen bunte Menschen bunte Ballons in einen strahlenden Himmel steigen. „Es liegt an uns, wie wir leben wollen“, stellte uns Dein Magazin zackzack vor die Wahl. Aber ich  abonniere nur ein Blatt, dessen Journalisten in erster Linie beschreiben, was ist und warum es ist, nicht was ihrer Meinung nach sein sollte.

Du möchtest also, dass die Medien Pegida-Demonstrationen und Ansichten von zugelassenen Parteien wie der AfD be- oder besser verschweigen. Wie ein Kind, das sich die Finger in die Ohren stopft und „Bähbähbäh!“ schreit, wenn ihm jemand unliebsame Wahrheiten über sein nicht aufgeräumtes Zimmer vorhalten will, willst Du kollektiv verschweigen und nicht wahrhaben, was nicht sein soll.

Nicht verschweigen willst Du Ausschreitungen und Gewaltexzesse von „rechts“, auf diesem Auge ist der „Spiegel“ bekanntlich alles andere als blind, da ist er im Bewusstsein einer historischen Mission lautstark und volltönend. (Zu Recht, zu Recht! Doch was ist mit faschistoiden Gewalttaten der „Antifa“, jedes Jahr beim Hamburger Schanzenfest – gehören die nicht in Euren Augen eher zum liberalen Lokalkolorit der weltoffenen Hansestadt Hamburg?)

Die ausgeblendete Parallelwelt

Nein, verschweigen willst Du Argumente und – vor allem – quälende Fragen. Die stellen diese Menschen, die Du nicht mit der Kneifzange anfassen möchtest.  Und diese Menschen stehen vor diesen Fragen, die ihnen niemand beantwortet, jeden Tag und jede Nacht. Denn sie leben nicht in den idyllischen Häuschen von „Spiegel“-Redakteuren hinterm Elbdeich, wo die Kinder in wohlbehütete und gut beleumundete Schulen gehen.

Sie leben, überwiegend, in einem Paralleluniversum, zu dem die bürgerlichen Medien schon lange fast alle Brücken abgebrochen haben. Dort gibt es keine „Spiegel“-Abos (also auch keine Zielgruppe, auf deren Interessen man Rücksichten nehmen müsste?). Dort gibt es zunehmend brutale Konkurrenz um knappe Ressourcen wie Arbeit, Wohnung, Gesundheitsversorgung, Alterssicherung, um Reste von Schulbildung statt nurmehr Sozialarbeit. Immer drangvollere Enge, immer mehr Unterbietung bei Löhnen, immer weniger vertraute Strukturen, immer mehr Fremde, immer weniger (Sprach-)Verstehen, immer weniger Heimat.

Und hat diese Menschen jemand gefragt? Hat man sie, wie es die Demokratie doch verlangt, um ihre Zustimmung zu einer beispiellosen und nach allem Ermessen nicht endenden Einwanderungswelle gebeten? Nicht einmal ansatzweise. Es war nämlich genau so, wie Du selbst schreibst: Die Kanzlerin höchst eigenmächtig hat die Flüchtlinge und Migranten eingeladen, weil sie sich ihrer Machtbasis sicher glaubte (und vielleicht, ergänze ich, nach dem Friedensnobelpreis schielte). „Wohl kaum sonst“, schreibst Du, „hätte Machtpolitikerin Angela Merkel so beherzt Partei für sie ergriffen, wenn sie nicht ein Klima der Aufgeschlossenheit unter der Bevölkerung wahrnehmen würde.“

Mutti  von Gottes Gnaden

Da „nimmt“ also eine Monarchin in ihrer sphinxhaften Weisheit etwas „wahr“,  setzt sich mal schnell über ein Dutzend deutsche und europäische Gesetze und Normen hinweg, konsultiert niemanden, weder ihr Volk noch ihre europäischen „Partner“, und entscheidet von Gottes Gnaden, was dieses Land nun in eine andere Republik verwandeln könnte. Kein Problem für den „Spiegel“?  Vielleicht nicht, denn seine Journalisten wähnen sich im selben Boot mit ihr.

Aber für diese Menschen, von denen nur ein Bruchteil zu Pegida-Demos geht (vielleicht aus begründeter Angst vor Stigmatisierung als „Nazi“?), ist es ein enormes, ein existenzielles Problem. Und sie werden nicht gefragt, weder von der Regierung, noch vom „Spiegel“, der ihre Ängste und Argumente lieber be- und verschweigen möchte, als glaubwürdige Antworten zu geben oder gangbare Lösungen anzubieten.

Du wagst eine steile These: Weil die Parteien des rechten Randes insgesamt weniger als 10 Prozent der Stimmen hielten, gelte im Umkehrschluss: „Mehr als 90 Prozent der Deutschen wollen mit diesen Leuten nichts zu tun haben. “ Da wäre ich sehr, sehr vorsichtig. Wenn ich Bilder von Pegida-Demonstrationen sehe, sehe ich im Fußvolk sehr viele ganz normale Menschen, die meine Nachbarn oder Freunde sein könnten, aber vielleicht nicht das Privileg hatten, Rhetorikkurse und Politikseminare zu belegen. (Ja, ich sehe auch Nazis am Rande der Demos, vielleicht einen für je hundert (klein-)bürgerliche Demonstranten. Und stimme Dir zu: Diese Nazis sollten, ähnlich wie mancher Redner und Brandsatz-Werfer bei linksradikalen Aufmärschen, am besten nicht da sein. Aber sie sind da und sie sind ein Problem.)

Obwohl Du mit „diesen Leuten“ nicht reden und ihre Ängste nicht wissen möchtest, scheinst Du sie aber ganz genau zu kennen, denn Du weißt, dass es keine richtigen Deutschen sind: „Die Deutschen sind kein Volk von Wirtshausschlägern, sie igeln sich nicht ein, sie wollen nicht mehrheitlich ein ausländerfreies Deutschland, wie uns der rechte Rand glauben machen will.“ Dabei ahnst Du ebenso sicher wie ich, dass die allermeisten Montagsdemonstranten weder Wirtshausschläger sind noch ein ausländerfreies Deutschland wollen (wohl aber eine sinnvolle Einwanderungsregelung und Schutz vor religiösem Fanatismus), unterstellst es ihnen es aber dennoch schlankweg, um dich umso müheloser darüber erheben zu können.

Das ist Polemik? Ja sicher, aber sehr billige Polemik. Statt zuhören. Statt Fragen. Statt Antworten. Es ist jener wohlfeile Manifest-Journalismus, zu dem neben dem „Spiegel“ auch die übrigen staatstragenden Meinungsmedien reflexhaft Zuflucht nehmen. Es ist das kalte Schweigen des „Spiegel“. Und euch wundert das Etikett der „Lügenpresse“, das Du Dir selbst in Deinem Kommentar versuchsweise und nur halb selbstironisch anheftest?

Überwindet eure Fremdenangst!

Es liegt an ehemals für kompromisslose Recherche und bohrende Fragen bekannten Magazinen wie dem „Spiegel“, diese Menschen für dieses Gesellschaftssystem – und vielleicht den „Spiegel“ – zurückzugewinnen, wenn es die Politik schon nicht tut. Ihr müsst das Paralleluniversum betreten und dabei Eure eigene Fremdenangst (nämlich die vor fremden Weltbildern und fremden Sorgen) überwinden. Schafft Ihr das nicht, werden von Tag zu Tag mehr aus diesem System aussteigen. Mit viel umfassenderen und radikaleren Folgen, als wir alle uns das heute ausmalen mögen.

Ich wünsche Dir, Janko, in meinem und unser aller Interesse, dass Du in Deiner Schlüsselposition bei SPON einen entscheidenden Beitrag zu diesem Brückenschlag leisten kannst – und darfst.

In alter Verbundenheit,

Oliver

Beladene, entlastet euch!

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In unserem Büro gibt’s eine Neue: Klara. Klara ist immer ausgelastet, schafft ordentlich was weg, verursacht dabei keine Emissionen – und genau deshalb lieben wir sie.  Nebenbei sieht sie auch noch ziemlich schnittig aus:

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Klara besteht jeden Emissionstest ohne Schummeln

Klara ist ein Lastenfahrrad. Man kann es – in den nächsten Wochen zunächst  testweise – bis zu drei Tage lang kostenlos bei uns ausleihen.  Unter www.klara.bike (wo es auch alle anderen Infos wie z.B. Leihstellen und Öffnungszeiten gibt) wird sich angemeldet, bei der Abholung der Perso vorgezeigt, und ab geht die Post.  Die Initiative hinter Klara ist inspiriert von bereits erfolgreich angelaufenen Lastenfahrrad-Projekten in anderen Städten. Und unser urbanista-Büro (Bäckerbreitergang 14, 20355 Hamburg) ist nun einer der zentralsten Stützpunkte in Hamburg.

Wollten nicht auch Sie Ihren 16-Tonner öfter mal in der Garage stehen lassen?

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Klara mit Katharina

Gedenkstein für ein deutsches Gesäß

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Kleine Nachlese eines längst vergangenen Sommers. Ich sag‘ jetzt extra nicht, wo sich dieser Ort befindet:

Blindtext
Und? Wo stünde Ihr eigener Stein? Und was stünde da in Stein gemeißelt?

Gerne aber würde ich verhindern, dass dieses Beispiel Schule macht. Wo kämen wir da hin, wenn jeder der Nachwelt seinen Lieblingsplatz hinterlassen zu müssen glaubte? Außerdem geht der Schuss nach hinten los, denn indem man da einen Gedenkstein hinwälzt, wird genau dieser Lieblingsort ja auf Jahrzehnte hinaus unbrauchbar gemacht!

Oder hätte der preußische Generalfeldmarschall Helmuth Karl Bernhard von Moltke (1800-1891) vielleicht gern auf seinem eigenen Stein gehockt, mit den Uniformhosenbeinen die peinliche Tafel notdürftig vor lüsternen Blicken von Spaziergängern verdeckend („Ich bin’s nicht, ich bin’s nicht, und ich sitze hier auch nur, weil dort überm See die Sonne so blutrot versinkt, vielleicht durchbohrt mich ja morgen schon eine Kugel hoch zu Ross, da muss man ja auch mal drüber nachdenken dürfen in meiner Position!“)?

Eher nein! Außerdem ist mir völlig unklar, warum dies auf den Schlag genau für 35 Jahre sein Lieblingsort gewesen sein soll, wie es die Inschrift suggeriert. Hat der Mann da 12.775 Tage lang sturheil seinen Hintern plattgesessen, während er Pläne für einen nie ausgebrochenen Krieg gegen die Dänen schmiedete? Oder hat er, als Gründer einer späteren deutschen Volkssportbewegung, per Feldherren-Handtuch den Lieblingsplatz freigehalten? („Reserviert für das Drei-Sterne-Gesäß von v. Moltke. Gez. v. Moltke“)? Soweit ich weiß, ist der Mann nie bis Mallorca gekommen, sonst hätten sie ihn da sicher zum Kaiser von Deutschland ernannt.

Was nicht einmal unverdient gewesen wäre, denn v. Moltke hatte „maßgeblichen Anteil an den Siegen in den drei Einigungskriegen“. Ohne ihn also kein Deutsches Kaiserreich, und alles weitere, einschließlich des Chaplin-Bartträgers, wäre auch ganz anders gekommen, selbst du und ich. Vielleicht wären wir heute französisch. Fluch oder Segen?

Interessante Expeditionen hat der schneidige Herr mit der Pickelhaube zuvor noch gemacht: 1838 als „Berater“ Teilnahme am Feldzug des türkischen Sultans gegen die Kurden in Mesopotamien. Dann Beteiligung am türkischen Syrien-Feldzug,  Niederlage in der Schlacht von Nizip 1839.

Aber dieses Missgeschick inspirierte den General, der „auch als Schriftsteller tätig“ war, nur zu einem literarischen Reisebericht: „Briefe über die Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839“, Verlag Ernst Siegfried Mittler in Berlin. So kann man das klopfende Gewissen natürlich auch einlullen, wenn man als Edelsöldner Kurden und Syrer plattzumachen versucht hat und dabei nur mäßig erfolgreich war. Die beteiligten Völker sind uns jedenfalls verbunden geblieben.

Helmuth v. Molkte wurde übrigens „der große Schweiger“ genannt, schon zu Lebzeiten. Er ließ lieber Bücher, Kugeln und Steine für sich sprechen. Auch das eine deutsche Tradition.

Es ist ein reizvolles Gedankenspiel, sich den eigenen Lieblingsort-Gedenkstein samt Inschrift auszumalen („Hier, vor Willy’s Wurstbude, saß immer mittags zwischen zwölf und eins, bei Currywurst rot-weiß, Ernst Kasuppke.“). Nur müssen ja nicht alle Gedanken gleich in Stein gemeißelt werden. Der Um- und Nachwelt zuliebe.

Lustig war’s …

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… am Montagabend im Hammer Weine. Unter der ebenso satire- wie weinkundigen Moderation von Abendblatt-Urgestein Alexander Schuller glitt der Abend seidig dahin, und ich konnte am Ende zu meiner großen Erleichterung feststellen: Die Besucher haben an den richtigen Stellen gelacht. Eine ganze Menge an Vorbestellungen für die Wattenstadt schlug ebenfalls zu Buche.

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Weltpremiere in Hamburg-Hamm, dem Hamburg-Hamm-weit bekannten Literatur-Stadtteil

Übrigens: Außer literarischen Kostproben sind bei Hammer Weine auch Hammerweine erhältlich! I’ll get my coat.