Wo bleibt das Flüchtlingsheim in Harvestehude?

Written By: Oliver Driesen - Sep• 14•14

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Wie in Hamburg die Unterbringung der immer weiter anschwellenden Zahl von Flüchtlingen behandelt – und örtlich behindert – wird, legt einen tiefen Graben offen: In nur leicht abgewandelter Marx’scher Begrifflichkeit ist es der Graben zwischen Elend und Kapital.

Hier wirkt offensichtlich, nein, eben nicht offensichtlich, eine perfide Abschottungs-Effizienz einiger der wohlhabendsten Bürger dieser Stadt, die wie keine andere in Deutschland soziales Gefälle in mentale Landkarten mit No-Go-Areas übersetzt. Oder welcher Eppendorfer Reeder-Sohn, welcher Othmarscher Architekt würde schon in normalen Zeiten je freiwillig einen Fuß nach Wilhelmsburg oder Allermöhe setzen? Es gibt dort ja nur arme Menschen. Die gibt es zwar auf Kölns “schääl Sick”, der sozial “schiefen Seite” östlich des Rheins, auch. Dort aber lässt sich mancher Bauunternehmer und manche Ratsfrau auch noch nach Feierabend blicken, wenn in irgendeinem Off-Theater ein angesagtes Stück läuft.

In Hamburg hingegen muss die soziale Frage angesichts der im idyllischen Auenland der Hansestadt anklopfenden Krisenherde aus aller Welt offenbar noch zugespitzt werden: Welcher Harvestehuder Immobilienmakler lässt zu, dass Flüchtlinge einen Fuß ins Reich der weißen Villen an der Alster setzen?

Planvoll ins Dickicht

Hamburg ist wie viele deutsche Metropolen, allen voran Berlin, und kaum anders als Mittelstädte und Landgemeinden an der Grenze seiner Kapazitäten beim Wohnraum für neu ankommende Flüchlinge angelangt. Der Großteil von ihnen wurde bislang in den sozial ohnehin schwächeren Osten und Südosten der Stadt verfrachet. Schon die Zentrale Erstaufnahme am Neuländer Platz in Harburg ist überfüllt; selbst die notdürftig errichteten Zelte für weitere 100 Menschen reichen nicht mehr hin.

Ein Funke genügt, um daraus resulstierende Spannungen explodieren zu lassen. Als in Harburg vergangene Woche nach Beobachtungen von Anwohnern Krankenwagen mit Experten in Seuchenschutzkleindung vorfuhren, lag sofort ein schrecklicher Verdacht in der Luft: Ebola im Flüchtlingslager? Es war offenbar ein Fehlalarm, aber selbst der mit Sicherheit wiederkehrende Verdacht lässt schon Massenhysterie und Kurzschlussreaktionen in drangvoller Enge befürchten.

Derzeit fehlen rund 4000 Plätze für Flüchtlinge in Hamburg. Nicht nur Containerdörfer und Zeltstädte, sondern auch Wohnschiffe mit festen Liegeplätzen werden derzeit als Notmaßnahmen ventiliert – die Neunzigerjahre mit ihren negativen sozialen Folgen solcher schwimmenden Elendsquartiere ohne Ausweichzonen scheinen in Vergessenheit geraten zu sein. In dieser Situation wirkt es wie ein Hohn, wenn das noch vor sechs Monaten intensiv disktutierte Flüchtlingsheim an den Sophienterrassen von Harvestehude keinen Meter im Planungsdickicht voranzukommen scheint. Es ist aber kein anarchistischer Hohn. Es ist planvolles Vorgehen.

Kein adäquates Flüchtlings-Shopping

Zur Erinnerung: 220 Flüchtlinge und Asylsuchende sollten in einer eigens für 5 Millionen Euro umgebauten ehemaligen Bundesimmobilie nahe dem Alsterufer, in einer Nachbarschaft edler Villen und teurer Boutiquen, unterkommen. Sehr begrüßenswert, damit auch diese Quartiere ihr Scherflein an Solidarität beitragen und die neue soziale Gemengelage einüben können, die ärmere Stadtteile seit längerem mehr oder weniger stoisch absorbiert haben. Doch in Harvestehude, einem der bei weitem einkommensstärksten Gebiete der Hansestadt, organisierte sich im April wenig überraschend der Widerstand. Flüchtlingselend, bei uns? Absurd!

Nur die dafür ins Feld geführten Argumente waren dort beim Bürgerabend sehr viel subtiler als auf schwarzbraunen Versammlungen in Arbeiter- und Sozialrentnerquartieren. Ein Anwohner etwa gab zu bedenken, es sei doch nicht sozial, wenn man Flüchtlinge hier unterbringe, wo man doch “im Osten” für dasselbe Geld die fünffache Menge stationieren könne. Und außerdem: Diese armen Menschen würden doch an der Alster nicht recht glücklich werden – denn es gebe hier doch überhaupt keine günstigen Einkaufsläden. Ein Blick auf Google Maps indes hätte genügt, um in zehn Fahrradminuten Entfernung gleich mehrere Lidl-, Aldi- und Pennymärkte zu entdecken. Aber, um fair zu sein: Solche Orte hat ein gängiges SUV-Spitzenmodell für die Dentistengattin ja auch gar nicht auf dem Navi.

Ende des Erinnerungs-Exkurses. Nach diesem Ausdruck große Sorge wurde es erst einmal still in Harvestehude, verdächtig lange still. Es ist inzwischen klar, was in dieser sechsmonatigen Stille passierte: sehr, sehr wenig. Denn die Flüchtlinge, sie werden nicht wie vorgesehen in diesen Wochen einziehen. Zunächst einmal musste die Planung nämlich europaweit ausgeschrieben werden. Ganz recht, europaweit. Schließlich sollten auch isländische Architekten die Chance haben, an dieser dringlichen humanitären Aktion der Unterbringung Benachteiligter mitzuwirken.

Haben alle Staaten der EU ihre Vertreter ins Rennen geschickt, dann muss der Bezirk Eimsbüttel die Baugenehmigung erteilen, und dann – nein, dann können immer noch keine Notleidenden aus aller Welt ans Alsterufer. Denn dann werden die Bauleistungen ausgeschrieben, wenn auch nur bundesweit. Wie lange das dauert? Nach Informationen des Hamburger Abendblattes ist diese Frage “völlig offen”.

Gute Gespräche mit gutem Gewinn?

Wenn ich aufgrund meiner Verdienste um die Hamburger Wirtschaft in der gesegneten und – sichtbar wie unsichtbar – vielfältig eingefriedeten Quadratmeile von Harvestehude lebte und ein Flüchtlingsheim in meinem Hinterhof verhindern wollte, wie würde ich vorgehen? Ich würde wahrscheinlich ein paar wohlgezielte Anrufe in die Staatskanzlei tätigen. Ich würde ein paar Namen fallen lassen, ein paar sehr gute Rotweine in ebenso guten Restaurants trinken und dabei noch einmal so gute Gespräche führen. Und dann würde ich Gewissheit haben, dass deutsches Planungsrecht Weile braucht, um zu reifen.

Oder um den irgendwann glücklicherweise wieder veränderten Umständen, dereinst im Jahr 2024, durch Fallenlassen eines nun nicht mehr benötigten Projekts Rechnung tragen zu können.

Höllentrip auf Kassenkosten

Written By: Oliver Driesen - Aug• 26•14

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Oliver D., Zivildienstleistender in einem Düsseldorfer Altersheim von 1985 bis 1987, ist jetzt bei der Bundeswehr. Diese überraschende Wendung ging passender Weise mit einem Abschuss los. Abgeschossen hat mich eine Hamburger Rettungswagenbesatzung – mit einem Cocktail aus 25 mg Ketanest, intravenös, 4 mg Dormicum und 15 µg Sufentanil. Zuhause, während ich bewegungsunfähig auf dem neuen Parkettboden im Wohnzimmer lag. Zu dem Zeitpunkt allerdings wusste ich weder Namen noch Dosierungen. Der Einfachheit halber stellte man mir alle zusammen als “das Medikament” vor.

C. hatte die Maschinerie in Gang gesetzt, den Notruf 112 gewählt, nachdem ich es aus dem Bad – beim Duschen war noch alles prima gewesen – mit ihr als Stütze gerade noch ins Wohnzimmer geschafft hatte und dort bei ansonsten vollem Bewusstsein verkrümmt zusammengesackt war. Akute Iliosakralgelenk-Blockade heißt der Fachbegriff wohl. Für den medizinischen Laien: schneidende Schmerzen im Lendenwirbelbereich, die man keinem wünscht. Die einen in drei Sekunden von 100 auf 0 reduzieren, auf ein Bündel Mensch, das sich nicht mal mehr auf die Seite drehen kann und merkwürdig fremdartige Jammerlaute ausstößt.

Auch C’s massierende Hände helfen diesmal nicht, ebenso wenig der wärmende, mit Getreidekörnern gefüllte Stoffsack aus der Mikrowelle, sonst bewährt gegen kalte Füße und sonstige Zipperlein, nichts, gar nichts hilft. Also Notruf. Ich kann ja nicht ewig so daliegen. Irgendwann werde ich aufs Klo müssen. Und ins Büro.

Jetzt sind sie absurderweise zu sechst, hoch über meinem Kopf, nahe der Zimmerdecke: zwei von der Feuerwehr, first responders, von der 112-Zentrale in Marsch gesetzt, und gleich vier Mann/Frau hoch die RTW-Besatzung, wiederum von den Wehrleuten zwecks Abtransport herantelefoniert. Vor unserem Haus muss es aussehen wie der Wagenpark des Hamburger Katastrophenschutzes zur Sturmflut 1962, schön was zum Gucken für die Nachbarn. Zwölf schwere Arbeitsstiefel auf dem neuen Parkett, auf dem auch eine interessante Menge Schokokrümel der Kinder zu studieren ist.

Nur ein ICE schmerzt mehr

Der jüngere der beiden Feuerwehrmänner hatte schon versucht, mir einen Infusionszugang in die Vene des Handrückens zu legen, war aber an meiner Vene abgerutscht und hatte beim Versuch, ein Blutbad zu verhindern, seinen Daumen gefühlte zehn Minuten mit Nachdruck auf die Einstichstelle gepresst. Den zweiten Versuch hatte ich mit der Bitte abgelehnt, das doch einfach den Notarzt machen zu lassen, der kenne sich doch sicher aus. „Zweiten Versuch hat er verweigert“, fasst der junge Mann es jetzt für die Notärztin noch mal mit etwas anderem Zungenschlag zusammen. Die hat inzwischen selbst – erfolgreich – die Braunüle in die Ellenbeuge meines linken Arms installiert. “Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie stark sind Ihre Schmerzen?” Neun, lüge ich, um nicht zehn zu sagen. Zehn bleibt Menschen vorbehalten, die vom ICE überrollt werden.

Gut, da wird also was in mich reintropfen, aber was ist nun mit Büro? „Wenn wir Ihnen dieses Schmerzmittel geben, müssen wir Sie auch mitnehmen“, sagt eine Stimme, vermutlich die Notärztin. Erst finde ich das zuviel der Fürsorge, aber kaum fließt das Zeug aus dem Tropf in die Vene, beginnt auch schon die Zimmerdecke, sich zu drehen. „Das ist normal, das ist das Medikament“, sagt ein Kopf über mir. „Ist wie ein LSD-Trip, genießen Sie’s!“

Es ist aber nicht, wie ich mir einen LSD-Trip zum Genießen vorstelle. Es ist ein einziger, vollkommen unerwarteter, ansatzloser, beispielloser Höllentrip: einmal Nahtod – und dann doch noch mal zurück. Dabei lag ich gerade noch morgens um halb zehn auf meinem Parkettboden und dachte bloß, verdammt, du kommst zu spät ins Büro wegen dem Scheiß. Sie werden dir eine Spritze in den Hintern geben, wie früher schon einmal der kassenärztliche Bereitschaftsdienst, und dann werden die Schmerzen langsam nachlassen, du wirst dich langsam rochrappeln, noch eine Proberunde zu Fuß durch den Park drehen und dann aufs Fahrrad steigen.

Aber die Decke dreht sich immer schneller. „Kann sein, dass Ihnen übel wird“, sagt eine andere Stimme bestätigend, weshalb nun auch noch der potenzielle Brechreiz ausgeschaltet werden muss. Und dann bekomme ich noch mit, dass sie ernsthaft darüber diskutieren, ob sie mich mit der Drehleiter der Feuerwehr über den Balkon aus dem zweiten Stock runterhieven. Da sei aber die Birke im Weg. Aber die starre Rettungstrage macht im engen Treppenhaus Probleme. Also dann das „Rettungstuch“, das dann auch gleich unter meiner stabilen Seitenlage hindurchgezwängt wird. Ah, noch mehr Schokokrümel, interessant! Meine Hände und Füße sind schweißig und eisig zugleich. „Sie fühlen sich ziemlich kalt an, junger Mann!“ Ja, aber es dreht sich ja auch alles, dreht sich alles, dreht sich, dreht.

Eyes wide shut

Und dann höre ich mich nur noch selber reden, weil um mich herum alles ganz eng wird, immer enger, wie in einem Strudel, aus dem es kein Entkommen gibt. Ob meine Augen geöffnet oder geschlossen sind, kann ich nicht mehr unterscheiden, obwohl es gar nicht finster ist, sondern – verwirrend gemustert, würde ich sagen. Eine Art Brausen hebt an und droht alle Kommunikation unmöglich zu machen, weshalb ich mich laut und ungefragt Bericht erstatten höre über meinen Zustand, immer dasselbe wiederholend, in etwa dies: Ich kann nichts fühlen, kann nichts fühlen, nichts fühlen. Da ist auch gar nichts mehr, kein Parkett, kein Boden, kein Unten, kein Oben. Keine C., keine Kinder, keine Rettungssanitäter.

Meine Sätze werden immer kürzer, die Wörter dafür immer länger, wie ins Gravitationsfeld eines Schwarzen Lochs gesprochen: Mir ist kalt – kaaaalt – kaaaaaaaaaaaaaaaaaalt! Für einen Sekundenbruchteil wird das undefinierbare Muster ersetzt durch etwas anderes, eine massive Struktur aus identischen weißen Kacheln. Das Treppenhaus? Etwas vibriert ganz heftig, aber was, ist unklar. Wo bin ich – woo – wooooo? „Sie sind in einem Rettungswagen!“ Und aus unerklärlichen Gründen: „Bundeswehr“. Ein paar Stimmen lachen über irgend etwas, das wohl ich bin. Aber ich sehe mit offenen Augen nichts Bestimmtes.

Dann kippt wieder alles weg, ist wieder Brausen und Tunnel, ein weißer, gleißender Tunnel. Oh je, der sprichwörtliche weiße, gleißende Tunnel. Etwas Enormes, Endgültiges ist nicht mehr weit entfernt, mutmaßt mein geschundener Orientierungssinn. Zugleich ist mir kalt – kaaaaalt – kaaaaaaaaaaaalt. Eine unsichtbare Mehrzahl von Stimmen diskutiert nun über mich: dass man dringend dies und das mit mir machen müsse, jenes geben, dieses messen, auch das noch spritzen. Es klingt nicht entspannt. Ein Gedankenrest nistet sich ein: Die haben das nicht mehr im Griff, da läuft gewaltig was aus dem Ruder. Das ist also mein Ende, so unangemeldet, so banal. Und keine Zeit für Verabschiedungen. Aus dem Leben gerissen, sagt man wohl. Aber der Morgen hatte doch so friedlich angefangen, aufstehen, duschen … Es kommt mir alles so unangemessen vor. Ich höre noch einmal meine fragende Stimme: Bin ich tot – tooot – tooooot? „Nein, sind Sie nicht“, sagt eine Stimme, die keineswegs erleuchtet klingt, sondern nun wieder aufs Neue amüsiert.

Dann ist nichts, und das bleibt eine unbestimmte Zeit so. Dann komme ich zu mir in einem Zimmer voller Krankenbetten, von denen nur meines belegt ist. Und jemand kommt und erklärt mir, dass es das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek ist. Dort, in der Notaufnahme, war man von meinem derangierten Zustand wenig begeistert. „Wir konnten drei bis vier Stunden nichts mit Ihnen anfangen, so weggetreten waren Sie.“ Mit Kanonen auf Spatzen schießen, nennt man das wohl. Nur war das kein Spatz, der da aufgescheucht wurde, eher das Flügelwesen aus dem alten Meat-Loaf-Song Bat out of Hell: eine Fledermaus aus der Hölle.

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Aber, Überraschung: Das Bundeswehrkrankenhaus selbst entpuppt sich als ausgesprochen guter Ort zum Auskurieren einer ISG-Blockade und eines traumatischen Trips. Tag 2, und ich laufe schon wie ein junger Gott am Rollator über die Flure. Außerdem klärt eine der ausgesprochen kompetent wirkenden Ärztinnen für mich geduldig das Mysterium des Alptraum-Cocktails auf. Kurz gefasst: eine übliche präklinische Narkose-Rezeptur im Notarztgepäck, mit dem opioidhaltigen Sufentanil als stärkstem in Deutschland zugelassenem Schmerzkiller.

Dem Ketanest fällt dabei die Aufgabe zu, nicht nur zu betäuben, sondern zugleich einen – wie in meinem Fall – schwächelnden Kreislauf in Schwung zu halten. Allerdings ist es auch dafür aktenkundig, “schlechte Träume” zu produzieren (ein hübscher Euphemismus aus der Wirkstoff-Datenbank). Die sollen deshalb wiederum durch das Dormicum aus dem Gedächtnis getilgt werden – nur dass es in meinem Fall offenbar nicht angeschlagen hat. Vielleicht letztlich besser so, denn laut Wikipedia kann sein Wirkstoff Midazolam “bereits nach kurzer Anwendung zu psychischer Abhängigkeit führen”. Danke, das genügt.

Schwein gehabt. Walzwerk gebaut. 125 Jahre geworden.

Written By: Oliver Driesen - Aug• 02•14

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Stellen Sie sich vor, Sie heißen Hermann Böllinghaus und sind Schweinemetzger. Es geht Ihnen gut, Sie haben moderne Maschinen, einen florierenden Betrieb, eine junge Frau und viele fette Schweine. Schlachten macht Ihnen Spaß … und dann passiert etwas, das Ihren ganzen Lebensentwurf über den Haufen wirft. Die Lösung? Donald-Duck-Leser wissen Bescheid: sich in etwas hineinstürzen, was leider als komplett größenwahnsinnig abgelehnt werden muss! Na, da bauen Sie doch einfach ein Profilstahlwalzwerk auf die grüne Wiese – und markieren damit den Anfang eines Unternehmens, das sich im Jahr 2014 bester Geschäfte erfreuen wird. Also etwa vier Generationen nach Ihrem allzu frühen Tod.

Das klingt nach einem unglaubwürdigen Romanentwurf? Ist ja auch keiner, sondern vielmehr die Wirklichkeit. So geschehen in Remscheid im Bergischen Land, 1889. Und dann, über zwei Jahrhundertgrenzen hinweg, mehr oder weniger im Verborgenen weitergegangen: Krisen überwunden, fast zusammengebrochen, Abenteuer bestanden, Probleme gemeistert, Schreckliches überlebt und mitverschuldet, an Klippen gestanden, in Abgründe geschaut, immer wieder Mut gefasst, floriert und aufgestiegen, immer neue Ideen verwirklicht, wilde Pläne geschmiedet, wilde Pläne verworfen, gelebt, gewachsen und gestorben – und in nächster Generation wieder neu angetreten.

Schließlich recherchiert, aufgeschrieben und jetzt durch Pro Heraldica in Stuttgart zum Buch komprimiert:

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Wenn Sie pars pro toto verstehen wollen, wie die deutsche Industrie zu jenem unverwüstlichen Gerüst aus mittelständischen Familienbetrieben kam, um das sie in aller Welt so beneidet wird, dann lesen Sie diese Unternehmenschronik. Darin spielen Menschen die Hauptrolle – nun, ich will nicht sagen: wie Sie und ich –, aber eben doch Menschen, die nicht als CEOs auf der Brücke übermächtiger Weltkonzerne standen, sondern mit beiden Beinen fest im (bergischen) Leben. Die arbeiten, aber auch feiern können. Die nicht das 1000-Fache Ihrer Angestellten “verdienen”, aber trotzdem bisweilen genauso aussehen wie der Schauspieler Mario Adorf als Kaufhauskönig in “Der große Bellheim”. Und die so sympathisch unvollkommen sind, dass ihre kühnsten Ideen einfach wahr werden mussten.

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Es ist andererseits auch die offen aufgearbeitete Geschichte einer großen Schuld, die ebenfalls typisch ist für die gesamte deutsche Industrie: das Ausnutzen von Zwangsarbeit während der NS-Diktatur. Und eine Erklärung, wie es dazu – aber auch zum großen Schweigen darüber nach Kriegsende – kommen konnte.

Insgesamt, ohne das jetzt zu hoch hängen zu wollen, ist es das Drama der Existenz im sich entwickelnden Kapitalismus: das Abenteuer, sich immer wieder neu erfinden zu müssen, Gevatter Tod immer noch einmal ein Schnippchen zu schlagen, auf Grenzen zu stoßen, Grenzen zu übertreten, dabei nicht immer sauber zu bleiben, selbst auch Narben davonzutragen, aber einige Träume doch zu verwirklichen, letztlich dem Leben so viele Glücksmomente wie möglich abzutrotzen. Und am Ende den Stab weiterzureichen. Ach, genauso würden Sie auch Ihren eigenen Lebensweg auf den Punkt bringen?

Dann schreibe ich Ihnen den ebenfalls gerne auf.

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Im Bildungsdickicht ist Holzauktion

Written By: Oliver Driesen - Aug• 02•14

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Dass Emmanuel Rebmann (rechts) im EDEKA-Markt von Martin Huchthausen (links) in Neumünster den Beruf des Verkäufers lernen konnte, war unter “normalen” Bedingungen nicht gerade wahrscheinlich. Ebenso schlecht standen seine Chancen dafür, genügend Selbstbewusstsein für einen erfolgreichen Abschluss aufzubringen.

Denn Hunderttausende Jugendliche in Deutschland hängen in beruflichen “Warteschleifen” fest: Nach einem häufig missglückten Schulabschluss, vielfach in schwierigen sozialen Bedingungen lebend, finden sie keinen Ausbildungsplatz und landen nicht selten in einem Dickicht schlecht aufeinander abgestimmter Berufsbildungsmaßnahmen. Die Folge sind “Bildungsabbrüche” und das  Ausscheiden aus der Arbeitsgesellschaft, noch bevor es überhaupt eine Chance zum Einstieg gab.

Gegen diesen Weg in die berufliche Sackgasse gibt seit einigen Jahren ein neues Konzept “aus einem Guss”, das vom Bundesinstitut für Berufsbildung erprobt und dabei praxisorientiert verbessert wird: Ausbildungsbausteine. Kurz gesagt können die Berufsstarter hierbei die Ausbildungsinhalte und Leistungsnachweise an mehreren Lernorten Schritt für Schritt in ihrem eigenen Tempo absolvieren. So werden die gefürchteten Hürden niedriger und es gibt schneller motivierende Erfolgserlebnisse, die Mut zum Durchhalten machen. Bundesweit, einheitlich. Diese beiden Wörter in einem Satz sind allein schon unerhört für die deutsche Berufsbildungslandschaft.

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Inzwischen hat das Institut einen 190-seitigen Band vorgelegt, der das Konzept der Ausbildungsbausteine möglichst anschaulich in Theorie und Praxis beschreibt. Ich habe zu diesem Band nicht nur redaktionelle und lektorische Leistungen beigesteuert, sondern auch zahlreiche Fallbeispiele und Interviews mit jungen Berufsstartern, ihren Ausbildern und erfahrenen Protagonisten der Bildungsbürokratie aus einem Dutzend Bundesländern.

Was habe ich dabei gelernt? Berufsbildung ist in Deutschland ein wahrer Dschungel – und dieses eine Mal bin ich dankbar dafür, dass in einen Dschungel allmählich eine Bresche geschlagen wird.

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Der Band ist unter anderem auf der Website der Bundesregierung downloadbar oder kann als Printausgabe bestellt werden. Kostenlos.

Loch im Urlaub

Written By: Oliver Driesen - Jul• 23•14

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Doch, Borkum ist eine Reise wert. Die Stände, die Sonne, die Nordsee. Temperaturen bis zu 34 Grad in diesem Juli, eine frisch renovierte Strandpromenade, Dünen, Seehunde, kleine Läden, lauschige Cafés, alte Leuchttürme – Urlauberherz, was willst du mehr?

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Vielleicht ein wenig weniger. Ein wenig weniger Geschichte. Oder eine andere, bitte. Eine, aus der die sauber geweißelten, stuckverzierten wilhelminischen Hotel-Paläste an der Seeseite wegradiert wären, die dem Ganzen doch so viel altertümlichen Charme verleihen, die doch des Deutschen romantisierender Gegenentwurf zu seelenlosen Hotelfabriken à la Benidorm sind.  Also warum wäre gerade hier weniger mehr?

Weil sie eine Geschichte erzählen, eine böse und leider auch wahre Geschichte. Nicht Haus für Haus, nicht eines wie das andere, denn was weiß ich schon, welches von ihnen “damals” schon dabei war. Aber als Gesamtheit, als Borkumer Hotellerie, da waren sie dabei.

Es ist dieses schwarze Loch, in das man als Deutscher immer wieder unerwartet zu fallen droht, das schwarze Loch unserer jüngeren Geschichte. Hier tat es sich plötzlich an einem schwülwarmen Vormittag auf, als ich vom Strandcafé aus faul der Band im Kur-Pavillon lauschte. Jemand wünschte sich einen Titel, aber die Band wollte ihn nicht spielen. Es war das “Borkum-Lied”.

Man habe das nicht eingeübt, sagte der Sänger entschuldigend, und es gäbe sicher andere Bands, die das draufhätten. Sie spielten dann als Nächstes irgend eine softe Jazz-Nummer. Aber in der Begründung hatte ein Unterton mitgeschwungen, der im Ohr blieb. Abends schlug ich das Borkum-Lied bei Wikipedia nach.

Ich wurde auf den Eintrag “Bäder-Antisemitismus” verwiesen. Eine politische Strömung, die sich vor allem auf Borkum schon geraume Zeit vor der Machtergreifung der Nazis entwickelte und darauf abzielte, der aufblühenden Tourismuswirtschaft eine Art Wettbewerbsvorteil gegenüber kokurrierenden Nordseebädern wie Spiekeroog zu verschaffen. Man war hier stolz darauf, der überwiegend betuchten Kundschaft allen Ernstes eine “judenfreie” Insel anbieten zu können. Das Borkum-Lied diente deswegen vor allem der antisemitischen Hetze. Eine Text-Passage:

Es herrscht im grünen Inselland
ein echter deutscher Sinn
drum alle, die uns stammverwandt
zieh´n freudig zu dir hin
An Borkums Strand nur Deutschtum gilt
nur deutsch ist das Panier
Wir halten rein den Ehrenschild
Germanias für und für

Doch wer dir naht mit platten Füßen
mit Nasen krumm und Haaren kraus
der soll nicht deinen Strand genießen
der muß hinaus! der muß hinaus! hinaus!

In diesem, von den damals angepeilten Touristen dankbar quittierten Un-Geist warben also die prachtvollen Hotels schon vor 1933 mit zunehmend dreisteren Hass-Parolen wie „Juden und Hunde dürfen hier nicht herein!“ oder einem „Fahrplan zwischen Borkum und Jerusalem (Retourkarten werden nicht ausgegeben)“. Ein Reiseführer warnte gar vor Lynch-Justiz der Borkumer bzw. der nicht-jüdischen Touristen im Falle des Auftauchens von “Israeliten”.

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Ob wohl heute Juden auf Borkum Urlaub machen? Das wüsste man gerne, aber man erkennt sie ja entgegen dem früheren Inselmarketing gar nicht an krummen Nasen, platten Füßen und krausen Haaren. Und ob sich diese Juden wohlfühlen zwischen all den Ariern, in diesem heute noch bemerkenswert blondschöpfigen Urlauberquerschnitt aus allen deutschen Gauen? Und ob sie sich, falls aus Nahost angereist, arglos mit israelischem Pass in die Hotellisten eintragen?

Die Frage ist, ob sich ein Gespenst, das sich einmal so brutal bequem eingerichtet hatte, innerhalb von knapp 70 Jahren wieder vollständig und rückstandsfrei verflüchtigt. Eine Insel ist allseitig von Wasser umgeben, das auf solcherart abgeschiedene Landmassen einen konservierenden Einfluss auszuüben pflegt …

Da ist nun also dieses Loch in meinem Urlaub. Ein kleiner Abgrund, der sich mitten im geübten Routinebetrieb aufgetan hat. Vermutlich trägt niemand, der hier und heute noch lebt, sich erholt oder Dienst tut, qua Geburtsdatum auch nur einen Hauch Verantwortung für dieses Loch. Aber dennoch lastet das, was vor 70, 80, 90 Jahren hier Normalität war, weit schwerer auf diesem idyllischen Ort als eine Gewitterwolke über hochsommerlicher Insellandschaft. Und will und will einfach nicht vergehen.

Es ist diese groteske, obszöne Verrohung des Denkens, Redens und Handelns, die immer noch erschüttert. In meinem Land. Unter Menschen, wie wir sie sein könnten. Vor immer noch gar nicht langer Zeit.

 

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Nachtrag, 24.7.:

Inzwischen wurde ich auf ein viel neueres, ganz und gar harmloses “Borkum-Lied” hingewiesen. Wer deutschen Schlagersound erträgt, kann es sich hier sogar als Video anschauen. Ich will hoffen, dass es dieser Song war, den sich der oben erwähnte Badegast von der Band im Pavillon gewünscht hatte.

Genius Loci

Written By: Oliver Driesen - Jun• 28•14

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Das hier ist kein Crack-House in der Bronx der 80-er Jahre, sondern ein leerstehendes Ladenlokal in Stuttgart-Sonnenberg, Sommer 2014. Mit diesem baulichen Überbleibsel, an dem ich kürzlich vorbeikam, hat es eine zweifache Bewandtnis.

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Dies war – bis Ende vergangenen Jahres – Toms Laden. Ich habe Tom nie gekannt oder auch nur von seiner Existenz gewusst, habe diese Bruchbude nie zuvor gesehen, bin bis dahin überhaupt erst einmal in meinem Leben bewusst in Stuttgart gewesen. Aber ich glaube daran, dass es einen Geist der Orte gibt. Genius Loci, wie Bildungsbürger sagen.

Je länger ein Haus steht, je intensiver darin gelebt und gearbeitet wird, desto konkreter und dem Ort entsprechender wird auch sein Geist: böse, gut, musisch, friedlich, hoffnungslos, anregend, wahnsinnig, gesellig, bedrohlich … Für diese prägenden Eigenschaften  ist es unerheblich, wie prächtig oder schäbig das Haus rein äußerlich ist. Der Genius Loci kann nicht nur die Menschen, die den Ort bevölkert haben, durchaus überdauern, sondern auch das Gebäude selbst, sein leeres Gefäß.

Das ist als These jetzt natürlich ein wenig spooky, ein wenig weird, ein wenig eso – aber ich habe in meinem Leben genügend Beispiele dafür kennen gelernt, bis hin zu meinem eigenen Elternhaus, doch das ist eine andere Geschichte.

Toms Laden also. Tom handelte hiermit:

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Books, das ist ein altes englisches Wort und bedeutete “Bücher”. Bücher waren in vergangenen Zeiten ein Handelsgut. Man kaufte und verkaufte sie in sogenannnten Buchläden. Buchhändler zu sein, machte nicht reich, aber es war ein geehrter und geachteter Beruf, fast schon eine Berufung. So ähnlich wie Lehrer. Oder Pastor. Oder Bürgermeister.

Denn die Menschen waren auf diese Experten angewiesen. Man muss sich das vorstellen: Alles, was heute körper- und gewichtslos im Netz steht, bis es vielleicht eines Tages gnädig gelöscht wird, war früher mit Druckerschwärze auf Buchseiten aus Papier gedruckt. Wollte man einen gerade gesuchten Inhalt finden, musste man zum Buchhändler gehen. Man konnte Bücher übrigens auch nicht einfach löschen, sondern musste die dicken Papierbündel schon physisch ins Altpapier transportieren oder verbrennen, was schneller ging, aber Emissionen und manchmal schwere kulturelle Sündenfälle verursachte.

Jedenfalls, Tom war Buchhändler. Das heißt, zunächst war er Soldat der US-Armee gewesen und irgendwann zur Zeit des Vietnamkriegs in Stuttgart gestrandet. Viele Jahre arbeitete er dann bei den Stuttgarter Straßenbahnen, von denen einige bis heute genau vor diesem leerstehenden Laden vorbeirattern. Und wie um ihnen weiterhin nahe zu sein, saß draußen vor diesem Fenster, neben der heute verschlossenen Gittertür, wenn gerade keine Kunden zu bedienen waren, Tom – ein Buch lesend.

Toms Bücher waren, seiner Herkunft geschuldet, Bücher in englischer Sprache. Und viele davon waren sehr, sehr billig. Sie kosteten zwei Mark (eine alte Währung, die kurioser Weise nur in Deutschland galt.) Im Jahr 2002, als der Euro eingeführt wurde, musste Tom kurz von seiner Lektüre aufblicken, denn er hatte etwas Geschäftliches zu erledigen. Etwas Strategisches, könnte man sagen. Er war von einer höheren Macht gezwungen worden, seine Bücher mit neuen Preisen für ein neues Zeitalter auszuzeichnen. Nachdem er überlegt hatte, wie er dies unter möglichst wenig Verzicht auf Lesezeit vor seinem Haus tun konnte, fand er eine überraschend einfache Lösung:

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Kam eine neue Lieferung Bücher, war Tom schon Tage zuvor im doppelten Sinne aus dem Häuschen – wie ein kleiner Junge vor der Bescherung. Kam ein Großvater mit seinem Enkelkind am Laden vorbei, erhielt das Kind jedes Mal ein Buch von ihm geschenkt. Die Menschen im Stuttgarter Süden liebten ihn für diese großzügige Kindlichkeit, die dem strengen und sparsamen schwäbischen Naturell so entgegengesetzt erschien.

Doch dann, schleichend, kam eine Herausforderung, der Tom nicht mehr viel entgegenzusetzen hatte: das Internet. Es ließ auf seinem Weg Buchladen um Buchladen schließen, und es war absehbar, dass es auf seinem Durchmarsch auch vor Stuttgarter Originalen nicht Halt machen würde.

So schlug Tom, der Buchhändler, dem Internet ein allerletztes Schnippchen. Er war noch einmal schneller, indem er starb. Im November 2013, immer noch aktiver Buchhändler in der Sonnenberger Rembrandtstraße, kam er im Alter von 77 Jahren dem Schließungsbefehl durch das Internet zuvor. Nur etwa 100 Meter von diesem Ort entfernt wurde seine Asche auf dem Neuen Friedhof Degerloch beigesetzt.

Wie gesagt, ich weiß das alles nicht durch eigenes Erleben. Aber an der vergitterten und angesichts des baulichen Zustands wohl für immer verschlossenen Tür des leerstehenden Buchladens von Tom Mueller hing ein Zeitungsartikel, den jemand dort mit Tesafilm an die Scheibe geklebt hat.

Tom Mueller, der Buchhändler, hat im Stadtteil eine Menge Sympathien hinterlassen. Der Genius Loci des englischen Buchladens in der Rembrandtstraße ist damit ein ganzes Stück lebendiger als das orts- und ruhelose Gespenst von Amazon. Und er kann auch viel schöner erzählen.

Mein Schirrmacher-Moment

Written By: Oliver Driesen - Jun• 14•14

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Frank Schirrmachers früher und unerwarteter Tod hat in der deutschen Medien-Szene berechtigte Bestürzung ausgelöst, die auch Tage danach immer noch anhält. Es ist ja so, wenn ein bedeutender Journalist mit 54 plötzlich von der Bühne abtreten muss, dass dann auch wir unbedeutenden uns kurzfristig fragen: Was mache ich eigentlich mit meinem Journalistenleben? Wofür stehe ich? Für welche Positionen? Welche Wahrheiten? Welche Ambitionen? Und dann erschrickt man womöglich …

Oder man erinnert sich, wie manche von denen, die berufener sind als ich, an seinen persönlichen Schirrmacher-Moment. Den hatte ich indes auch, und in meinem Fall geht er so:

Im Frühsommer 2008 moderierte ich ein Gespräch für das Konzernmagazin des Essener Bauunternehmens Hochtief. Es trafen aufeinander: der damalige Hochtief-Vorstandschef, Herbert Lütkestratkötter, und eben Schirrmacher, der FAZ-Mitherausgeber, damals 49 Jahre alt. Thema war die alternde Gesellschaft, darüber hatte Schirrmacher “Das Methusalem-Komplott” geschrieben, und für den Essener Baukonzern stellten sich in der Demographie-Debatte ebenfalls dringliche Fragen: Was für Gebäude muss man eigentlich für ein vergreisendes Deutschland bauen? Was für eine Infrastruktur braucht Deutschland 2050? Ort des Interviews war Schirrmachers Büro im Frankfurter FAZ-Gebäude. Es wurde ein recht lebendiges Gespräch zweier ungleicher Gesprächspartner: Der Praktiker vom Bau und der Intellektuelle vom Elfenbeinturm konnten überraschend gut miteinander.

In solchen Situationen bin ich immer froh, dass ein kleines digitales Aufzeichnungsgerät mitläuft, denn es ist schwer genug, den Gesprächsfaden in der Hand zu halten und bei Bedarf flexibel die jeweils passende Frage aus dem Köcher zu ziehen – wer da auch noch die Antworten mitstenographieren müsste, würde jeden hitzigen Diskurs im Keim ersticken (“Moment bitte, nicht so schnell…”). Wobei ich nicht mal stenographieren kann.

Aber ich hatte ja alles “im Kasten”. Verabschiedete mich schließlich, artig dankend, und machte mich auf die lange Bahnfahrt nach Hause. Wissend, dass ich die Stunden im ICE produktiv nutzen konnte: mit der Abschrift des wirklich sehr langen und intensiven Gedankenaustauschs der beiden klugen Köpfe. Frohgemut machte ich mich ans Werk, schaltete das Diktiergerät ein – und stieß in ein stundenlanges Nichts. Garnichts. Nada. Niente. Das Gerät hatte eine Datei aufgezeichnet, die exakt der Gesprächslänge entsprach. Aber es war auf der ganzen Strecke kein Wort, kein Ton, kein noch so dürres Tönchen zu hören.

Was tun? Nie wieder würde man die beiden Männer mit den vollen Terminkalendern gemeinsam an einen Tisch bringen. Die Schande des Eingeständnisses technischen (oder menschlichen?) Versagens war schon schwer genug zu ertragen. Und in dieser Situation lernte ich eine Seite meines Gehirns kennen, die mir bis dahin nicht aufgefallen war: die außergewöhnliche Speicherfähigkeit eines nicht-digitalen Bio-Chips. Unter dem Druck der Situation rekapitulierte ich das gesamte Gespräch noch während der Bahnfahrt aus dem Gedächtnis.

Man glaubt nicht, wie detailreich sich so ein Hirn erinnern kann, wenn es muss. Ein Wort gab das andere, ein Argument das nächste, Worte fügten sich zu Sätzen, auf Argumente folgten Repliken, Einwürfe und Unterbechungen – es war ganz unfassbar. Dabei war ich der Meinung gewesen, gar nicht richtig zugehört zu haben – bzw. immer nur im Hintergrund auf Schlüsselreize gelauert zu haben, um dann dem Gespräch durch einen Impuls eine neue Richtung geben zu können.

Doch es war alles noch da. Gespeichert auf einer unzuverlässigen, trügerischen, störanfälligen, organischen, alles andere als festen Festplatte. Ich brachte es zu Papier, und dann gestand ich den Protagonisten zerknirscht ein, was geschehen war – und ob sie denn diese erinnerte Fassung bitteschön als Grundlage für ihre Überarbeitung des Interviews akzeptieren wollten? Es sind fünf Seiten im Heft daraus geworden, sie liegen gerade noch einmal vor mir. Liest sich ganz locker, ganz informativ. An einer Stelle sagt Schirrmacher: “Es gibt wissenschaftliche Belege, dass die Fähigkeiten des Gehirns im Alter eben nicht zwangsläufig nachlassen.” Ich kann das seither nur bestätigen.

Und der Schirrmacher-Moment? Das war der, als ich von ihm die Datei mit der freigegebenen Fassung gemailt bekam. Er hatte an seinem Part genau ein Komma geändert.

Das ist seither mein Maßstab für die Souveränität eines Geistesmenschen.

An der Ruhr, wo Traktoren explodieren und dazu Herzchenballons aufsteigen

Written By: Oliver Driesen - Jun• 02•14

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Zum Charme des Ruhrgebiets zählt, dass dieses Gebiet an der Ruhr liegt. Und wenn man mal kurz genug hat von Elb- und Alsterwasser, dann erscheint das so bescheiden benannte Flüsschen im industriellen Herzen Deutschlands (bei “Quizduell” wird nach ihm als Synonym für eine Darmkrankheit gefragt) herrlich echt und ehrlich und einfach und allein deshalb eine Reise wert. In meinem Fall eine Wochenend-Paddeltour mit Faltboot, Campingkocher, Zelt und alten Jugendfreunden – eine Reise in die eigene Vergangenheit. Ich stamme zwar aus dem benachbarten Rheinland, aber man darf ja auch mal jenseits des eigenen Jägerzauns wildern.

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Und sofort war die Frühzeit – sprich: Jugend – wieder sehr präsent. Jenes Erdzeitalter, als man noch wusste, wie es in einem nachtfeuchten Zelt muffelt und wie kalt es im klammen Schlafsack werden kann. Als einem das aber auch egal war und man morgens nach Lagerfeuer oder Schlimmerem roch und man die steifen Knochen räkelte beim Aus-dem-Zelt-Kriechen, während der Gaskocher schon köchelte und jemand löslichen Kaffee im Glas dabei hatte und man dann dieses Gebräu seine Arbeit tun ließ, bis schließlich auch die taufeuchten Füße aufwachen und warm werden wollten.

Diese Erfahrung mal wieder gemacht zu haben, nach fünfzehn oder zwanzig Jahren, dafür gibt es kaum einen besseren Ort als die Ruhr zwischen Essen und Mülheim. Denn man trifft dort auf Kleinode wie diesen Campingplatz, wo die Elite der Dauercamper mit Mülheimer Nummernschild bisweilen auf nichtswürdige Tagestouristen wie uns trifft und daher rechtzeitig Schilder aufstellt:

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Man erinnert sich dann auch schnell, was man früher alles bedenkenlos in sich hineingeschlungen hat, ohne an bösen Folgeerkankungen gestorben zu sein, und freut sich am Anblick einer vor sich hin blubbernden Dose Ravioli Marke “gut und günstig”. Zumindest so lange, bis man erkennen muss, dass der Kocher wohl allzu sorglos aufgedreht worden war und die Kunststoffschicht am Dosenboden eins geworden ist mit der fleißig umgerührten Nudelsoßenmasse. Dann belässt man es, älterer Herr, der man inzwischen geworden ist, doch bei ein paar zunehmend skeptischen Bissen. Lebt aber eben auch diesmal fröhlich weiter.

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Das bleibt indes nicht der letzte Feuer-Störfall, denn wenig später geht man ein wenig auf dem kleinen Damm spazieren, der das Ruhr-Ufer säumt, und sieht von da aus einem gerade in dem Moment malerisch in Flammen stehenden Traktor zu, dem dabei ein dicker Reifen nach dem anderen unter großem Hallo der aus sicherer Entfernung mitfilmenden Dauercamper explodiert. Natürlich ist da die Feuerwehr bereits informiert, aber hier hat man noch Zeit und muss erst mal schauen, ob jetzt der Löschzug aus Essen-Kettwig oder doch schon der aus Mülheim-Saarn für diesen Einödhof im Niemandsland zuständig ist.

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Der schwarze Qualm zieht derweil sehr effektvoll mit dem Westwind über die elegante Hochbrücke der Autobahn 52. Aber so richtig surreal wird die Szene erst, als aus dem griechischen Restaurant “Artemis am Staader Loch” kommend eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen auf der Deichkrone vorbeiflaniert, von denen jeder einen heliumgefüllten Herzchen-Luftballon dabeihat. Auf ein geheimes Zeichen hin lässt dann die ganze Prozession wortlos ihre Luftballons frei, und zwei Dutzend rote Herzen steigen ebenso wie der Qualm zur Hochbrücke hin auf, während im Hintergrund auch noch der Hydraulikbehälter des Traktors in die Luft geht. Manchmal muss man einfach Glück haben und zur rechten Zeit am rechten Ort sein, dann darf man sich bestimmt was wünschen.

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Aber mehr als solche Anblicke, wenn nach ereignisprallem Tag dann die Nacht hereinbricht und man noch mal kurz zum Fluss runtergegangen ist, kann man sich gar nicht wünschen. Es gibt sie ja doch noch, diese Wunschlos-Abende. Das lernt man an der Ruhr.

Drei Fragen zum Fliegen

Written By: Oliver Driesen - Mai• 28•14

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Mal wieder geflogen. Also jetzt nicht hin-, raus- oder auf-, sondern mit dem Flugzeug, brummbrumm. Das Flugzeug und ich, das sind im Normalfall zwei streng getrennte Welten: Wir haben uns nichts zu sagen. Aber manchmal brauchen wir uns gegenseitig, die Airlines und ich. Wenn ich z.B. kein Schlafwagen-Einzelabteil nach Zürich mehr bekomme, denn zu viert mit Käsemauken in einem doppelten Doppelstockabteil – nein, danke, da überwinde ich dann doch lieber meinen Flughass.

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Ich werde jetzt nicht mit den gräulichen Details des diesem Artikel zugrundeliegenden Fluges HH – Zürich – HH langweilen. Ich werde nichts schreiben von dem Gefühl, als Sardine einer Sardinendose ausgeliefert zu sein. Ich werde auch nichts schreiben von der unfassbar albernen und peinlichen Idee einer führenden deutschen Fluggesellschaft, die Sitzplätze in den ersten acht Reihen in Kopfhöhe mit kleinen Deckchen zu behängen, auf denen “Ihr persönlicher Freiraum” o.s.ä. gedruckt steht und die man ruhig auch mal für privilegierte Hühner auf den ersten acht Sitzstangen von Hühner-KZs einführen könnte. Und schon gar nicht werde ich meine seit Jahrzehnten vom Leben verifizierte und gestählte These wiederholen, dass alles, aber auch wirklich von A bis Z jeder einzelne Programmpunkt einer Flugreise auf maximale Erniedrigung sowie Beleidigung der Intelligenz ausgerichtet ist.

Nein, nur drei Fragen will ich stellen, die mich nicht mehr loslassen, weil die damit verbundenen Phänomene ihrerseits auch nicht einfach so weggehen wollen. Ich bitte also um sachdienliche Hinweise von Experten im Bereich Reiselogistik und Allgemeine Verkehrspsychologie zu folgenden Sachverhalten:

1.

Warum übertrumpfen sich die Flughäfen weltweit mit einem geradezu grotesken Überangebot an bestens gepflegten Toiletten, die zudem kostenlos nutzbar sind, während auf Bahnhöfen immer ein Mangel an (sauberen) Toiletten herrscht und die Benutzerpreise dort oft ans Unverschämte grenzen?

2.

Warum ertragen selbst latent aggressive Geschäftsreisende auf Flughäfen eine Verspätung von einer Stunde mit Eselsgeduld und ohne auch nur ein Kopfschütteln, während dieselben Herren und Damen im Bahnbereich bei 60 Minuten Verspätung fast eine Revolution ausrufen würden? Selbst dann, wenn die Begründung der Fluglinie lautet, dass das Flugzeug “aufgrund einer verspäteten Ankunft des Flugzeugs” nicht rechtzeitig abfliegen könne?

3.

Und warum muss bei Start und Landung während der Dunkelheit “die Kabinenbeleuchtung an die Lichtverhältnisse angepasst”, sprich ausgeknipst werden? Im 21. Jahrhundert? Wo man sogar elektronische Geräte bisweilen schon anlassen darf in der Luft? Die Pilotin, also in unserem Fall, schaut doch nach vorne raus und ist durch eine massive Tür vom irritierenden Leuchten hinten abgeschirmt. Und der Tower sieht die startende und landende Maschine doch eh auf seinem Radardings, Licht an oder aus.

Ich möchte nicht in die Grube fliegen fahren , ohne diese Dinge verstanden zu haben. Also, wie gesagt: Sachdienliche Hinweise – gerne auch von “Senatoren” und “Hon Circle Members” – bitte an eines unserer Aufnahmestudios. Danke.

Schäfermond

Written By: Oliver Driesen - Apr• 06•14

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Dieser Beitrag muss ohne Bild auskommen. Mir egal, ob ihn dann weniger anklicken, wie SEO-Experten jetzt sicherlich einwenden werden. Hier geht es um ein Wort, um genau ein einziges Wort, und dieses Wort ist sich selbst Bild genug. Ich möchte behaupten: Wer sich von diesem Wort keine wunderbaren imaginären Bilder vors geistige Auge zaubern lässt, der ist vermutlich tot.

Genau genommen dient dieser Beitrag überhaupt nur der Huldigung dieses Wortes, das mir und wahrscheinlich den meisten Menschen deutscher Zunge bislang völlig unbekannt war. Was einerseits erstaunlich ist, weil es klingt, als hätten Rilke oder Hölderlin es persönlich durch tagelanges Sieben aus dem Abraum der Buchstaben freigelegt. Andererseits aber auch nicht erstaunlich, denn das Wort selbst gibt es erst seit wenigen Jahren (genaues Datum: unbekannt).

Ich möchte, dass wir jetzt alle zusammen dieses Wort einmal laut und deutlich aussprechen, mit Aplomb und mit Finesse, mit Anbetung und Nachdruck, vor allem aber mit einer unendlichen Milde im Tonfall, jener Milde, die nur tiefe Herzensbildung hervorzubringen vermag: Schäfermond.

Schäfermond.

Um Gottes Willen, ist das schön. Schäfermond Schäfermond Schäfermond. Ach, ach, ach!

Ähem, wo war ich? Richtig: Das Wort stammt nicht etwa aus der Poesie, sondern aus der Astronomie, welche aber – genauer bedacht – zwei durchaus sehr artverwandte Künste sind. Denn die Astronomie erlebt derzeit eine wortwörtliche Sternstunde nach der anderen, das ist schon fast unheimlich, was die Astrophysiker und Astrobiologen innerhalb der letzten fünf bis acht Jahre alles herausgefunden haben: über unser Sonnensystem, die Entstehung der Planeten, fremde Galaxien, bewohnbare Welten, über den Ursprung des Lebens selbst. Wikipedia steht voll davon, bitte eintauchen und erschaudern! Und zu den jüngeren, aber nicht einmal jüngsten Entdeckungen gehören eben die Schäfermonde.

Rein wissenschaftlich betrachtet sind das Monde, welche die Ringplaneten unter den äußeren vier Gasgiganten des Sonnensystems umkreisen, deren bekanntester der Saturn ist. Diese Ringsysteme, die einen Durchmesser von Hunderttausenden Kilometern haben, bestehen aus großen, kleinen und kleinsten Eisbrocken, wirklich fast reines Wassereis. Manche wie ein Staubkorn, manche wie ein Berg. Aber zwischen diesen Ringen sind häufig diese markanten schwarzen Zonen der Leere, also eben keine Ringe. Deren markanteste ist die sogenannte Cassinische Teilung in den Saturnringen, die mit einfachen Fernrohren auch von der Erde aus sichtbar ist.

Für diese Teilungen sind, quasi als Abstandhalter, Schäfermonde verantwortlich. Sie umkreisen ihre Planeten wie Diamantnadeln im Vinyl auf der nächsthöheren oder -tieferen Rille und zwingen dank ihrer eigenen Gravitation auch die Eisbrocken auf andere Umlaufbahnen. Man könnte auch sagen, sie halten wie Staubsauger die Einflugschneisen zwischen den Ringen für all diese Ufos dort draußen hübsch frei von Partikeln, die in die Düsen geraten könnten – aber warum eigentlich sollte man sie Staubsaugermonde nennen, wenn es schon das Wort Schäfermonde gibt! Oh-so-schön-und-tausendschön!

Denn natürlich sind sie am ehesten wie Schäfer, die in der unendlichen Nacht des Universums am Himmel stehen und die unermesslichen Herden der Eisringe hüten, auf das kein Mondschäfchen ungezählt bleibt und kein Ringlein verloren geht. Sie tragen übrigens wunderbare Namen wie Daphnis, Pan oder Orphelia (es gibt also auch Schäferinnenmondinnen, aber sorry: die volle Romantik-Dröhnung entwickelt nur die männliche Form).

Ich glaube, das Deutsche ist für die Astronomie gemacht und die Astronomie für uns. Es ist unsere Wissenschaftsdisziplin, die Heinrich-Heine-, die Matthias-Claudius-, die Caspar-David-Friedrich-Wissenschaft. Es ist die Wissenschaft, die uns mit der Religion versöhnen könnte.

Meine Damen und Herren, es ist jetzt 23.14 Uhr und ich gehe ins Bett. Am Himmel wacht derweil ein Schäfermond, an meinem Traumhimmel auf jeden Fall. Das wollte ich Ihnen nur mitgeteilt haben. Schlafen Sie gut!

Und bitte: Fangen Sie gleich morgen an, eine Ballade / einen Roman / ein Gedicht mit diesem Titel zu schreiben. Noch ist er nicht geschützt.