An jedem verdammten Montag

Die Geschichte zur folgenden Schlagzeile las ich in der heutigen Online-Ausgabe der Rheinischen Post aus Düsseldorf. Aber erst, nachdem ich das Banner weggeklickt hatte, auf dem sinngemäß stand: „Qualitätsjournalismus kostet Geld, das wir mit Werbung verdienen. Wenn Sie das weiter genießen wollen, schalten Sie bitte Ihren Werbeblocker aus.“

So eine Aufmachung kitzelt nicht nur gleichzeitig mein Sprachgefühlszentrum und meine Symbolfotodrüse. Sie erinnert mich auch an einen anderen denkwürdigen Höhepunkt des Qualitätsjournalismus.

Ach so, die Pointe der Porno-Montage: Dutzende von Frauen in Remscheid fanden in „sozialen Medien“ Fotos ihrer Gesichter per Bildbearbeitungsprogramm auf Porno-Bilder montiert. Als Montage. Capiche?

Aber vielleicht doch mal über eine Alternative zu den zahlenmäßig meist traurigen Montagsdemos nachdenken!

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Onkel Olivers objektives Rhabarberschorlen-Grundseminar

Wonach, liebe Leserlein, schmeckt der Inhalt dieser Flasche? Tipp: Das Wort unten auf dem Etikett heißt vollumfänglich „Rhabarber Schorle“.

Schnips, schnips: Hi-aaaaar, i-hiiiiiich, i-hiiiiich, ich weiß es!

Ja, Leserlein?

Das schmeckt nach Rhabarber Schorle!

Bitte sprich den fehlenden Bindestrich mit, Leserlein!

Das schmeckt nach Rhabarberbindestrichschorle!

Originelle Anwort, Leserlein! Deine mündliche Beteiligung ist schon viel besser geworden. Allerdings verhält es sich etwas komplizierter.

Och mennooooo!!!

Da ist in erster Linie mal 50% Wasser drin. Die Hälfte. Und dann vor allem noch Apfelsaft (31%). Ein knappes Drittel. Und dann noch 19% Rhabarbersaft. Ein Fünftel. Das Zeug schmeckt demzufolge nach Wasser, neben dem ein Apfel gelegen hat. Wenn man großzügig sein will: nach Apfel Schorle. Und kein bisschen nach Rhabarber Schorle. Weil nämlich: 19% von 0,33 Liter sind?

I-hiiiiiich, i-hiiiich, ich weiß es schon wieder, schnips, schnips!

Na, Leserlein?

Das sind 0,0627 Liter Rhabarber Saft.

Leserlein, dran denken!

Rhabarberbindestrichsaft.

Gut, aber jetzt eine Frage für Schlaumeier: Wie viel wäre das in Wodka?

I-hiiiich, i-hiiiiich, ich wa-ha-heiß es!!!

Ja? Aber dann auch mal die anderen lassen, ja?

Das sind drei einfache Wodka oder ein doppelter und ein einfacher und das schmeckt nach was und danach ist man ganz komisch!

Richtig, Leserlein, aber nur, weil der Wodka ja zu 40% aus Alkohol besteht. Hier ist man danach zwar auch ganz komisch, aber mehr so aus Wut. Weil man ja Rhabarberschorle gekauft hat. Von der „Mutter HzH GmbH & Co. KG“ aus Hamburg.

Was’n das für’n Name?

Ich will es euch gerne erklären! „HzH“ bedeutet „Hand zu Hand“, das ist was mit Fortschritt und menschlich. Da steht noch mehr auf dem Etikett, zum Beispiel „vegan“ und „sozial“ und „bio“ und „be happy – make happy“ und „natürlich“ und „No Zusatzstoffe“ und „von der Elbe“. Ist also alles regional und nachhaltig und PC und antirassistisch und halal und gegen G20 und …

Könn‘ wa jetzt in die Pause?

Nein, Leserlein. Erst müsst ihr die Lektion für heute verstehen: Was korrekt aussieht und lässig designed ist und irgendwie hutzeldutzel-globalisierungskritisch rüberkommt, kann trotzdem scheiße schmecken. Und dabei auch noch verhältnismäßig teuer sein.

Ja, gut, aber könn‘ wa jetzt?

Nein, noch nicht. Vorher müsst ihr für euer Empowerment noch wissen, dass zum Beispiel das Konkurrenzprodukt „Fritz Spritz! Bio Rhabarbersaftschorle“ immerhin 40% oder 0,132 Liter Rhabarberdirektsaft drin hat. Und „Lüthauer Rhabarberschorle“ enthält satte 45% oder 0,1485 Liter Rhabarbersaft. Was das geschmacklich bedeutet, könnt ihr euch mittlerweile sicher vorstellen. Es gibt also immer Alternativen, auch wenn man gar keinen Ausweg mehr weiß.

Gecheckt, Mann, aber: jetzt?

Ja, jetzt könnt ihr. Wir sehen uns dann morgen wieder hier in der AStA-Mensa der Universität Hamburg. Und immer schön die Augen aufhalten!

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Murmeltiertagesmeldung

Ich muss schon wieder was reposten:

In einem Monat ist Bundestagswahl. Neoliberaler Mehltau liegt zäh und klebrig auf dem Land, von oben drückt grau der Himmel. Mehr irgendwas wagen? Das war damals, als noch Ideen waren, Visionen, Träume. Möglichkeiten. Als es noch keine alternativlose Einheitsregierung mit integriertem Oppositionsersatz gab, die sich und uns einfach nur versorgen und verwalten möge bis zum Nimmerleinstag. (…) Man wird aufwachen mit einer alten, einer uralten Regierung. In diesem neuen, sandgestrahlten Land.

OD, 24. August 2017

Sie haben sich geeinigt, ist die Eilmeldung am heutigen Murmeltiertag. Und man kann mir wahrlich keine Sympathien für den Anarchismus nachsagen, aber in einem hat er Recht behalten: „Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten.“

 

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#Schattenklänge: Ein deutsches Zigeunerleben

Die weißen Lacklederschuhe mit den spiegelnd polierten schwarzen Spitzen sind aus Ungarn, handgenäht. Die schwarze Krawatte, passend zum nicht dezenten Nadelstreifenanzug, zieren zwei goldene Broschen mit Hufeisenmotiven. Auch der Siegelring an der linken Hand zeigt golden einen Pferdekopf. Den Aufzug hat Emil Weiss (83) nicht für den Fotografen gewählt. Er kleidet sich einfach gern elegant – und standesgemäß. (Hier weiterlesen)

Das ist der Anfang meines Zeilensturm-Porträts „Ein deutsches Zigeunerleben – Emil Weiss“ aus dem Jahr 2011. Ich habe es wieder hervorgekramt, weil es so gut zu SoSos Blogaktion #Schattenklänge passt und ich gerade keine Zeit für einen neuen Beitrag habe. Ihre Idee ist ebenso kreativ wie sozial: eine kollektive Publikation von Bloggenden und Nichtbloggenden (Oh my God, ich kann endlich diskriminierungsfrei gendern!), deren Erlös Menschen am Rand der Gesellschaft zugute kommt. Da bin ich doch gern dabei.

Die Situation der Sinti – oder eben, O-Ton Weiss: Zigeuner –  am Georgswerder Ring hat sich in den vergangenen sieben Jahren gar nicht so grundlegend verändert. Und Emil Weiss scheint überhaupt nicht gealtert zu sein. Das macht dann neun Lebensjahrzehnte mittlerweile. Respekt!

Emil Weiss, 2011

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