Gestatten: Debütant (50)

Schon irgendwie ein kleiner Hängenbleiber, wenn man seinen Namen in in der Zeitung liest, zwei Klammern dahinter, darin eingesperrt eine nackte Zahl: „Oliver Driesen (50)“…

Also nicht, dass mich das stören würde. Nicht, dass ich brüllen würde: „Fake news!“ Nein: In Würde altern und so, schon recht. Es ist ja wahr.

Nur – als „Literaturneuling“? Mit einem „Romandebüt“? Sollte man da nicht eher 15 sein heutzutage?

Nun gut, ich war schon immer ein Spätstarter. Und jetzt, wo es in der Zeitung steht, ist es auch wirklich passiert. Lübecker lügen nicht. Jedenfalls nicht die Lübecker Nachrichten vom 22.12.2016 in ihrem Kulturteil. Urteilen Sie selbst (nachdem Sie bestellt und gelesen haben, versteht sich):

Bloß das mit den bibliographischen Angaben ist ein wenig danebengegangen: Es gibt gar keinen „Verlag Zeilensturm“. Es gibt nur ein schönes Zeilensturm-Logo (danke Julian!), das aussieht, als könne es durchaus vom Verlag Zeilensturm sein. Oder als müsse man den jetzt schnellstens gründen. Keine schlechte Idee eigentlich…

In Wahrheit gibt es den „Verlag“ Books on Demand (BoD) in Norderstedt, eine Plattform zum Selbst-Publizieren. Die haben das Buch produziert.

Und vielleicht ist das auch der Grund, warum es von August bis heute gedauert hat, bevor eine richtige Zeitung es zur Kenntnis genommen hat. Denn, wie wir alle wissen: Selbst publizierte Romane haben keine Lobby (es gibt Ausnahmen). Sie sind die schmuddeligen, lausigen und vor Rechtschreibfehlern strotzenden Cousins richtiger Bücher von Rowohlt oder Suhrkamp.

Verlagslektoren schauen dich als Selfpublisher nicht mit dem Hintern an. Denn sie sind im Gegensatz zu dir der deutschen Sprache mächtig und nehmen ihre Verantwortung ihr gegenüber sehr ernst. Wie der führende Satire-Verlag, der mir damals in seiner Ablehnung meines Manuskriptes mitteilte:

Wenngleich die Halligbewohner und deren Eigenarten durchaus vielfältig dargestellt sind, geschiet dies doch in etwas altmodischer Lieterarisierung.

Nein, ich habe mir das nicht ausgedacht. Weder die Begründung noch die Schreibung. Es ist eben ein Satire-Verlag.

Auch eine Marketingmaschine gibt es für Self-Publisher nicht. Nur Autoren, die bei Facebook bezahlte Eigenwerbung schalten und auf den berühmten Algorithmus vertrauen. Ich erhielt dann übrigens auch gleich viel mehr „Likes“ für das Buch – vor allem von Menschen mit in arabischer Schrift gestalteten Facebook-Seiten, von denen einer auf seinem Profilbild eine Kalaschnikow schwenkte.

All dessen eingedenk hat es mein kleines Buch doch ziemlich weit gebracht. Und sein Autor wird ja auch erst in 50 Jahren 100.

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Frisch von der Buchmesse: Kultur und Kohle

Nein, ich meine nicht die Kohle auf Ihrem Konto. Ich meine die Kohle, an der man sich die Hände schmutzig macht. Wie, das ist bei Ihren Einnahmen doch so? Da mal in sich gehen, bitte!

Also: die schmutzig-schwarze Kohle, gefördert von den Kumpeln an Ruhr und Saar. Jedenfalls noch (Ruhrgebiet und Ibbenbüren) bzw. bis vor kurzem (Saarland). Denn Ende 2018 ist endgültig Schluss mit ca. 200 Jahren Steinkohleförderung in Deutschland. Schicht im Schacht, diese abgedroschene Phrase stimmt dann letzten Endes.

Deshalb geht die dreibändige Buchreihe „Unter uns“ noch einmal auf Spurensuche. Und zur Frankfurter Buchmesse ist jetzt Band 2 erschienen, an dem ich als Redaktionsleiter beteiligt war (Verlag C.H.Beck, Produktion: Bissinger [+] im Auftrag der RAG). Der erste Band hat das fachliche Wissen und Können der Bergleute anschaulich gemacht. Der zweite nun geht mit vielen Beiträgen Prominenter und großartigen Fotografien der Frage nach, wie der Bodenschatz in den letzten 50 Jahren das Alltagsleben in den Steinkohlerevieren geprägt hat – vom Wohnen über die Künste und die Traditionspflege bis hin zu den hart erkämpften sozialen Errungenschaften in diesem großen Schmelztiegel der Bundesrepublik namens Bergbau.

So sieht das Ergebnis aus:

cover

Und hier gibt es nähere Einblicke. Falls Sie schnell noch mal unter Tage wollen – noch ist es möglich. Ich habe mir das angesehen, was sie da in 1000 Metern Tiefe so leisten. Es ist neben einer Reise zum Mars und einem Tauchgang zur „Titanic“ vermutlich die faszinierendste Erfahrung, die Ihnen Technologie und freundliche Fachleute ermöglichen können.

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