Kategorie-Archiv: Hochdruckzone: Produktion

Aktuell bei Zeilensturm

Absturz eines Stahlbarons

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Es gibt Todesarten, die passen zum exaltierten Leben des Verstorbenen wie ein Handschuh. Man denke nur an Jimi Heselden, den früheren Eigentümer der Firma Segway Inc. Der US-Unternehmer rollerte 2010 mit einem Prototyp seines neuesten Elektrowägelchens für Fußgänger über den Rand einer Klippe – und stürzte in den Tod.

Oder Lenny B. Robinson, amerikanischer Batman-Darsteller und Entertainer für krebskranke Kinder, der im vergangenen August mit seinem Batmobil im ganz normalen Straßenverkehr liegenblieb. Als der Real-Life-Superheld einen Blick unter die Motorhaube warf, krachte ein anderer Wagen in sein am Straßenrand abgestelltes Science-Fiction-Fahrzeug, das dann wiederum Robinson zerquetschte.

Manche Lichter brennen eben besonders hell, bevor sie besonders abrupt erlöschen. Manche Menschen steigen besonders steil auf und fallen dann besonders tief. Zu ihnen zählte auch Willy Korf, der heute vor 25 Jahren gewaltsam zu Tode kam.

Korf, Jahrgang 1929, war ein Selfmade-Aufsteiger alter Schule, ein Stahlbaron mit bescheidenen Anfängen im Badischen, der den alten Platzhirschen von Krupp bis Klöckner in den 70ern und 80ern  ordentlich Feuer unter dem Hintern machte. Und das in einer Industrie, in der überbordendes Traditionsbewusstsein damals viele Innovationen im Kein erstickte.

Ein Menschenfischer

Der körperlich klein gewachsene Unternehmer mit dem großen Wissensdurst  und dem noch größeren Glauben an sich selbst revolutionierte in jenen Jahren nicht nur diverse Verfahren der Stahlproduktion. Er bewies auch, dass man als Newcomer in dieser Industrie die ungeheuer hohen Einstiegshürden des aufzubringenden Kapitals für Produktionsanlagen und Material aushebeln konnte – mit kreativen Konzepten und kämpferischer Zähigkeit.

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Vor allem aber war Korf – und das ist das tiefste Erfolgsgeheimnis vieler erfolgreicher Unternehmer – ein Menschenfischer. Er konnte mit seinem Charme und seiner Chuzpe junge Ingenieure mit brillanten Ideen ebenso für seine Korf Stahl AG begeistern wie die Geldgeber konservativer Banken. Es ist dieser Typus des inspirierenden Quertreibers, der in der deutschen Wirtschaft heute mehr denn je fehlt.

Wie irrlichternd und beratungsresistent er dann allerdings bisweilen mit dem ihm anvertrauten Geld anderer Leute umging, steht auf einem anderen Blatt. Oder besser gesagt: Auch das steht auf den rund 280 Seiten meiner Korf-Biographie „Der Feuermacher“, die 2005 bei Hoffmann und Campe erschienen ist. So brach das verschachtelte Korf-Stahl-Imperium mit der eindrucksvollen Firmenzentrale in Baden-Baden denn auch 1983 innerhalb weniger Wochen finanziell zusammen.

Den Tod verlacht

Das hinderte den Mann, dessen Leben beruflich und privat wie eine wilde Achterbahnfahrt verlief, nicht an einem Neuaufstieg. Doch gerade, als er 1990 kurz davor war, sein erneut in Schwierigkeiten geratenes Unternehmen zu verkaufen, ging er am 21. November 1990 für einen Routineflug an Bord seiner zweimotorigen Beechcraft King Air 200.  Es war ausgerechnet der Buß- und Bettag.

Über den Tiroler Alpen stürzt die Maschine bei schlechter Sicht ab; Korf und zwei weitere Menschen an Bord sind sofort tot. Seine ehemalige Sekretärin Renate Höing ist entsetzt, als sie in der Tagesschau vom Unglück erfährt, aber nicht überrascht: „Niemand, der Korf nahe stand, hätte gedacht, dass er mal im Bett sterben würde. Das passte nicht zu ihm. Das haben wir ihm auch mal gesagt. Da hat er nur gelacht.“

Ich hätte ihn gerne im Leben gekannt. Im Jahr 2015, ein Vierteljahrhundert danach, bräuchten wir mehr Unternehmer und weniger Terroristen, die den Tod verlachen.

Lustig war’s …

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… am Montagabend im Hammer Weine. Unter der ebenso satire- wie weinkundigen Moderation von Abendblatt-Urgestein Alexander Schuller glitt der Abend seidig dahin, und ich konnte am Ende zu meiner großen Erleichterung feststellen: Die Besucher haben an den richtigen Stellen gelacht. Eine ganze Menge an Vorbestellungen für die Wattenstadt schlug ebenfalls zu Buche.

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Weltpremiere in Hamburg-Hamm, dem Hamburg-Hamm-weit bekannten Literatur-Stadtteil

Übrigens: Außer literarischen Kostproben sind bei Hammer Weine auch Hammerweine erhältlich! I’ll get my coat.

Retten / Betten

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„Schreibste mir / schreibste ihr / schreibste auf MK-Papier.“ „Heute bleibt die Küche kalt / wir gehen in den Wienerwald.“ Ich kann mir nicht helfen: Wenn ein Werbespruch sich reimt, dann muss ich ihn mir merken, wahrscheinlich bis an mein Lebensende. Und zwar zwanghaft abgespeichert unter „Macht mich an, Widerstand zwecklos“, also  ganz im Sinne des Werbetreibenden.

Die Zeit der gereimten Werbung ist zwar längst vorbei und wird nur noch dann und wann als ironisches Revival zelebriert, aber das vor Urzeiten Gereimte wirkt und wirkt und wirkt.

Ähnliche Effekte erzielt in meinem Kopf die Reklameprosa der 50er-Jahre. Die lässt das ganz große Gefühlskino ablaufen. Ein Beispiel dafür – samt gereimter Pointe am Schluss – ist das folgende Zitat aus der 1953 erschienenen Hauszeitung des Herforder Bettenherstellers Stiegelmeyer. Dieses Blatt trug, nebenbei, den wunderbaren Namen „Die Metallbettstelle“. Man muss sich den Text von der knarzenden, aufgekratzt euphorischen Stimme eines Wochenschau-Sprechers aufgesagt vorstellen, dann ist er am schönsten. Also:

Eine Nacht in einem Stiegelmeyer-Bett, und der vielgeplagte Diplomat vergisst seine Sorgen, der verlassene Liebhaber verliert seinen Kummer, der Kranke spürt keine Schmerzen mehr, der Müde erhält neuen Lebensmut; jeder findet das, was er braucht! Ein Segen für die vielgeplagten Erdenbewohner, und unsere gute Mutter Erde glättet bei jeder Metallbettstelle, die unseren Fabrikraum verlässt, ihre sorgendurchfurchte Stirn und lächelt milde. Sie weiß wie alle klugen Leute:

„Wenn etwas kann die Welt noch retten, dann sind das Stiegelmeyer-Betten!“

Der ostwestfälische Bettenbauer war schon damals ein Unternehmen nach meinem Geschmack: wo die Chefs noch selbst auf dem Werkshof herumfuhrwerkten, wo die Ärmel hochgekrempelt und die Rohrzangen angesetzt wurden, bis das hochpolierte Endprodukt stand und mindestens 50 Jahre hielt.

Mit dieser Haltung ist die in Herford im Jahr 1900 eingetragene Firma Stiegelmeyer vom Zwei-Mann-Stahldrahtmatratzen-Startup zum deutschen Marktführer bei Hightech-Krankenbetten im 21. Jahrhundert geworden.

Es ist ja häufig so: Die innovativsten, krisenfestesten und anpassungsfähigsten Unternehmen sitzen in den kleinen Städten und sind familiengeführt. Sie machen von sich wenig Aufhebens und meistern gerade dadurch die Kunst, sich immer von Neuem auf das Wesentliche zu konzentrieren: Zukunft.

Diese Zukunft erschaffen sie quasi als Nebenprodukt täglich neu, indem sie durchdachte, nutzbringende Dinge herstellen. Und das in Deutschland! Man kann gar nicht genug betonen, wie außerordentlich diese vermeintliche Selbstverständlichkeit angesichts eines knüppelharten Wettbewerbs auf den Weltmärkten ist.

Wie das aber viele Jahrzehnte lang funktioniert (und wie dabei oft die aberwitzigsten Situationen überstanden werden müssen), konnte ich in den vergangenen Monaten wieder einmal nachvollziehen. Im Auftrag von Pro Heraldica habe ich die 2016 erscheinende Firmenchronik von Stiegelmeyer recherchiert und aufgezeichnet. Losgegangen ist es  in Herford einst mit einer Stahldrahtmatratzen-Produktion. Damals sah das ungefähr so aus wie auf diesem Briefkopf aus dem Jahr 1902:

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Herford 1902: starker Pferdefuhrwerks-Verkehr auf dem Werkshof

Angesichts dieser beschaulichen Ursprünge scheint es ein wenig wie Zauberei, dass heute diese glitzernde Hightech-Welt daraus geworden ist. Aber eben doch keine Hexenkunst, sondern solide Aufbauarbeit mit steilen Lernkurven, die das Unternehmen über alle Flauten und historischen Tiefpunkte hinweg trugen. Kann man demnächst dann ausführlich nachlesen.

Wenn schon nicht die Welt, so konnten die Stiegelmeyer-Betten also zumindest die wirtschaftliche Existenz vieler Menschen über unruhige Zeiten hinweg retten. Retten / Betten: Machen Sie sich Ihren eigenen Reim darauf!

Making of Romandebüt (1): Noch 99 Seiten

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Der morgige Tag ist der erste Tag vom Rest … nein, nicht meines Lebens, obwohl: das auch. Aber was ich sagen will: vom Rest meines Romans. Meines ersten Romans.

Man muss sich Ziele setzen im Leben. Also gut, hier (räusper): In den verbleibenden 105 Tagen bis zur Mitte des Jahres werde ich die restlichen 99 Seiten (circa 99, Anmerkung meines inneren Medienanwalts) des bereits vollständig durchkonzipierten Romans fertigschreiben. Was ein Klacks ist, denn 144 Seiten gibt es ja schon. Oder anders ausgedrückt: sieben von zwölf Kapiteln. Und außerdem weiß ich, wie man Bücher schreibt. Ich habe es schon viermal getan, und ich kann es wieder tun! Auch, wenn es diesmal nicht um Facts, sondern um Fiction geht. Die wahrsten Wahrheiten schreiben sowieso die Dichter.

Nun ist es heraus. Danke, liebe Leser, danke! Danke, dass ich Sie gerade mal dazu missbrauchen durfte, mir über die letzten, gefühlten 50.000 Kilometer zu helfen. Ich muss sagen: So ein öffentliches Gelöbnis hat doch gleich eine erhebende, inspirierende Wirkung. Tastatur, komm her, wo bist du? Ach ja, hier unten (Sie kennen die Sache mit der Brille, die auf der Nase sitzt).

Wenn aber hier, verehrte Zeilensturm-Leser, in der Zwischenzeit nicht alle paar Tage etwas Neues steht, wissen Sie jetzt, wohin die Kreativ-Energie stattdessen geflossen ist. Wenn ich mich überhaupt nicht mehr melde, wissen Sie ebenfalls, warum.

Damit Sie sich in der Zwischenzeit noch besser den Kopf darüber zerbrechen und den Mund wässrig machen können, was da auf Sie zukommt, sehen Sie in wenigen Sekunden als Preview schon mal das (keinesfalls bereits rechtsverbindliche, Anmerkung meines inneren Medienanwalts) Buchcover. Den Titel allerdings habe ich noch zu 99 Prozent unkenntlich gemacht. Sie müssen ja nicht alles wissen.

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Schwein gehabt. Walzwerk gebaut. 125 Jahre geworden.

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Stellen Sie sich vor, Sie heißen Hermann Böllinghaus und sind Schweinemetzger. Es geht Ihnen gut, Sie haben moderne Maschinen, einen florierenden Betrieb, eine junge Frau und viele fette Schweine. Schlachten macht Ihnen Spaß … und dann passiert etwas, das Ihren ganzen Lebensentwurf über den Haufen wirft. Die Lösung? Donald-Duck-Leser wissen Bescheid: sich in etwas hineinstürzen, was leider als komplett größenwahnsinnig abgelehnt werden muss! Na, da bauen Sie doch einfach ein Profilstahlwalzwerk auf die grüne Wiese – und markieren damit den Anfang eines Unternehmens, das sich im Jahr 2014 bester Geschäfte erfreuen wird. Also etwa vier Generationen nach Ihrem allzu frühen Tod.

Das klingt nach einem unglaubwürdigen Romanentwurf? Ist ja auch keiner, sondern vielmehr die Wirklichkeit. So geschehen in Remscheid im Bergischen Land, 1889. Und dann, über zwei Jahrhundertgrenzen hinweg, mehr oder weniger im Verborgenen weitergegangen: Krisen überwunden, fast zusammengebrochen, Abenteuer bestanden, Probleme gemeistert, Schreckliches überlebt und mitverschuldet, an Klippen gestanden, in Abgründe geschaut, immer wieder Mut gefasst, floriert und aufgestiegen, immer neue Ideen verwirklicht, wilde Pläne geschmiedet, wilde Pläne verworfen, gelebt, gewachsen und gestorben – und in nächster Generation wieder neu angetreten.

Schließlich recherchiert, aufgeschrieben und jetzt durch Pro Heraldica in Stuttgart zum Buch komprimiert:

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Wenn Sie pars pro toto verstehen wollen, wie die deutsche Industrie zu jenem unverwüstlichen Gerüst aus mittelständischen Familienbetrieben kam, um das sie in aller Welt so beneidet wird, dann lesen Sie diese Unternehmenschronik. Darin spielen Menschen die Hauptrolle – nun, ich will nicht sagen: wie Sie und ich –, aber eben doch Menschen, die nicht als CEOs auf der Brücke übermächtiger Weltkonzerne standen, sondern mit beiden Beinen fest im (bergischen) Leben. Die arbeiten, aber auch feiern können. Die nicht das 1000-Fache Ihrer Angestellten „verdienen“, aber trotzdem bisweilen genauso aussehen wie der Schauspieler Mario Adorf als Kaufhauskönig in „Der große Bellheim“. Und die so sympathisch unvollkommen sind, dass ihre kühnsten Ideen einfach wahr werden mussten.

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Es ist andererseits auch die offen aufgearbeitete Geschichte einer großen Schuld, die ebenfalls typisch ist für die gesamte deutsche Industrie: das Ausnutzen von Zwangsarbeit während der NS-Diktatur. Und eine Erklärung, wie es dazu – aber auch zum großen Schweigen darüber nach Kriegsende – kommen konnte.

Insgesamt, ohne das jetzt zu hoch hängen zu wollen, ist es das Drama der Existenz im sich entwickelnden Kapitalismus: das Abenteuer, sich immer wieder neu erfinden zu müssen, Gevatter Tod immer noch einmal ein Schnippchen zu schlagen, auf Grenzen zu stoßen, Grenzen zu übertreten, dabei nicht immer sauber zu bleiben, selbst auch Narben davonzutragen, aber einige Träume doch zu verwirklichen, letztlich dem Leben so viele Glücksmomente wie möglich abzutrotzen. Und am Ende den Stab weiterzureichen. Ach, genauso würden Sie auch Ihren eigenen Lebensweg auf den Punkt bringen?

Dann schreibe ich Ihnen den ebenfalls gerne auf.

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Demnächst: Böllinghaus – Profile eines Walzwerks

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Es war einmal ein Schweinemetzger. Der Metzger hieß Hermann Böllinghaus und lebte im Jahr 1889 in Remscheid im Bergischen Land. Dem Metzger ging es gut, er hatte einen florierenden Schlachtbetrieb, ein hübsches Haus, eine junge Frau und nicht wenig Geld. Doch dann beschloss die Stadtverwaltung von Remscheid, aus hygienischen Gründen einen modernen städtischen Schlachthof in Betrieb zu nehmen, in dem fortan alle Metzger der aufstrebenden Industriestadt per Polizeiverordnung hübsch kontingentiert ihr Vieh schlachten und verarbeiten mussten. Weg war der lange Zeit unangefochtene Wettbewerbsvorteil für Böllinghaus. Doch resgnierte er? Nicht doch! Lamentierte er? Kaum. Stattdessen beschloss er etwas, das uns gerade heute, in dieser Zeit der erstarrten Strukturen und scheinbaren Alternativlosigkeiten, Respekt abnötigen sollte. Er beschloss: Da werd ich doch einfach Stahlunternehmer. Und ziehe innerhalb weniger Monate ein Walzwerk für Werkzeugprofilstahl hoch.

Denn Remscheid entwickelte sich gerade zum Zentrum der deutschen Werkzeugindustrie, und für Werkzeuge brauchte man Profile, also längliche Vorprodukte aus glühend in Form gewalztem Stahl, aus denen dann später z.B. Feilen geschmiedet wurden. Und Deutschland brauchte viele, viele Feilen damals. Auch Sägen oder Schlittschuhkufen. Ein neuer, äußerst lukrativer Markt entstand da gerade.

Wie aber wird ein Metzger zum Stahlexperten? Indem er sich Sachverstand einkauft. Zum Beispiel in Form von Louis Härtel, der das kaufmännische Wissen draufhatte, das ein Walzwerksunternehmer brauchte. Frohgemut gingen beide an den Start. Und so war alles bereitet, damit ich, knapp 125 Jahre später, eine actiongeladene Unternehmenschronik der Böllinghaus Steel GmbH vorlegen kann. Beauftragt vom dritten Nachfolger des späteren Unternehmenseigners Louis, dem heutigen Böllinghaus-Chef Hartwig Härtel. Denn er hatte meine Biografie über den badischen Stahlbaron Willy Korf gelesen. Wir lernen: Geschichte ist, wenn eins ins andere greift.

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Nun werden Menschen mit scharfem Blick für die Realität schnell bemerken: Der Himmel über diesem Firmenschild von Böllinghaus ist viel zu blau für das eher trübe Remscheid. Und sie haben Recht. Hier sind wir nämlich in Portugal, genauer gesagt in Vieira de Leiria, einem ehemaligen Industriestädtchen an der Atlantikküste. Ehemalig, weil dort irgendwann fast die ganze Werkzeugindstrie als leere Ruine herumstand, darunter auch ein altes, bankrottes Walzwerk. Bis 1996 Hartwig Härtel kam. Sein Remscheider Walzwerk war ebenfalls in der Krise, in Deutschland ließen sich Stahlprofile nicht mehr kostendeckend produzieren. Aber Härtel wäre kein Nachfolger von Hermann Böllinghaus gewesen, wenn er nicht eine kühne Entscheidung getroffen hätte: Das Werk in Portugal wurde gekauft und wieder flott gemacht, das in Remscheid 2001 geschlossen. Seither wird hier produziert, wo es vom Meer her nach Kiefernholz und Salzwasser riecht – was einen Stahltouristen wie mich auf dem Werksgelände sensorisch erst einmal kräftig durcheinander brachte.

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Es ist immer wieder faszinierend, rotglühende Stahlstäbe durch die Walzen so eines Werkes rasen zu sehen, während kühlender Wasserdampf brodelt und Funken stieben. Auf dem unteren Bild blicken wir in die Werkstatt, wo die Walzen gelagert werden, die rund 10.000 Euro teuren Herzstücke solch eines Werks. Was man indes nicht sieht, sind die Leidenschaft und der Stolz, die in all dieser grob anmutenden Technologie stecken. In Wahrheit kommt es hier nämlich auf höchste Präzision an – und auf ein entsprechend geöltes „Räderwerk“ portugiesischer und deutscher Mitarbeiter. Das wiederum ist eine Geschichte für sich: wie sich hier, in einem Familienbetrieb, seit dem großen Culture Clash von 1996 jene internationale Mischkultur herausbildet, die z.B. Daimler und Chrysler bei ihrer gescheiterten Fusion nie hinbekommen haben. Gut, es läuft vielleicht nicht immer ganz nach Plan, dafür aber menschlich, und das ist entscheidend, wenn es funktionieren soll.

Denn so ein Walzwerk ist kein „Asset“, kein totes Kapital, über das ein Unternehmer beliebig verfügen kann. Es ist selbst eine Art Lebewesen, das zischt und dampft und dröhnt und rattert. Sein Puls schlägt immer, auch wenn gerade wenig oder keine Arbeiter zu sehen sind. Doch ohne sie im Hintergrund gäbe es diesen Pulsschlag nicht. Es gibt ihn aber, lauter denn je, und gesteuert wird er mittlerweile aus Hilden bei Düsseldorf. Dorthin zog die kleine Verwaltung von Böllinghaus vor einigen Monaten um. Remscheid, wo das Unternehmen 123 Jahre lang seinen Sitz hatte, ist nämlich wirtschaftlich leider ziemlich auf dem absteigenden Ast. Das Leben geht dennoch weiter, nur eben anderswo, darin ist es hartnäckig.

Von alledem handelt das von mir verfasste Buch Böllinghaus – Profile eines Walzwerks. Eine Zeitreise durch 125 Jahre, das im Juli kommenden Jahres bei Pro Heraldica in Stuttgart erscheinen wird. Und sozusagen als Trailer zu dieser Walzstahl-Saga gibt es hier schon einmal ein paar mit dem Handy gefilmte Impressionen aus dem stählernen Bauch des Produktionsbetriebs. Denken Sie an diese Bilder, wenn Sie demnächst eine Feile aus Ihrem Werkzeugkasten holen (auch wenn aus Böllinghaus-Profilen heute viel kompliziertere Dinge gefertigt werden).

20 Hefte, zehn Jahre, ein Team

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Das hier würde man bei einer Treibjagd die „Strecke“ nennen:

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Diese Strecke allerdings entspricht schon fast einer Epoche. Ende September hat „concepts“, das Konzernmagazin von Deutschlands größtem Baukonzern HOCHTIEF, sein 20. Heft herausgebracht. Im Herbst 2003 sind wir an den Start gegangen, Anfang 2004 zum ersten Mal erschienen.

Bei halbjährlicher Erscheinungsweise ist es mir mithilfe eines Taschenrechners relativ leicht gelungen herauszufinden, dass ich damit nun seit zehn Jahren Chefredakteur bin. Bei einem Blatt, das unterwegs 44 Preise und Auszeichnungen eingesammelt hat, davon dreimal in Folge Gold bei Europas renommiertestem Wettbewerb für Corporate Publishing, dem BCP Award. Concepts war zugleich das erste Unternehmensmagazin, dass in die „Hall of Fame“ des BCP Einzug halten durfte.

Echt: zehn Jahre? Gott, war ich jung damals. Heute kann ich sagen: Es stimmt, zehn Chefredakteursjahre entsprechen 20 Hundejahren – nein, halt, wie war das Sprichwort noch? Egal.

Jedenfalls gilt es an dieser Stelle zu danken: zufördert den vielen Reportern und Fotografen in aller Welt, die uns das HOCHTIEF-Universum durch ihre Augen und Linsen zum Faszinosum gemacht haben. Viele von Ihnen sind ja nun schon in Ehren mit uns mitgealtert. Dann natürlich dem Team um Birgit Jambor in Essen, ohne dessen geduldige und vertrauensvolle Hintergrundarbeit und Strippenzieherei keines dieser Hefte je entstanden wäre. Sowie, ebenso selbstverständlich, den kreativen Gestalte(r)n bei Dirk Linkes ringzwei und den Verlagsprofis (hi Frank!) bei Hoffmann und Campe Corporate Publishing.

Womit klar genug geworden sein sollte: Guter Journalismus geht nur als Team. Und so eines wie dieses muss man andernorts erst mal finden.

Zur aktuellen Ausgabe von concepts geht es übrigens hier entlang.

Reden ist Gold

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Kennen Sie das nagend beunruhigende Gefühl, in drei Tagen den Literaturnobelpreis verliehen zu bekommen und immer noch partout nicht zu wissen, was wohl die passenden Dankesworte vor den Mikrophonen der Weltpresse sein könnten? Oder wenn mal wieder eine Rede vor der UN-Vollversammlung ansteht, Sie aber die Furcht plagt, schon wieder dasselbe zu erzählen wie letztes Mal? Oder der Spiegel hat Sie um einen Essay über Quantenphysik gebeten, obwohl Sie eigentlich Experte für Bundesschatzbriefe und Kommunalobligationen sind?

Nun, Ihnen kann geholfen werden. Denn für alles gibt es Spezialisten, man muss nur die richtigen finden. In einer verschwiegenen Branche wie dem Ghostwriting aber ausgerechnet auf Mundpropaganda angewiesen zu sein, wäre sicher nicht von Vorteil.

Kurz: Da gibt es nun eine neue Firma aus Hamburg, die Ihren Worten auf die Sprünge hilft, um nicht zu sagen: Flügel verleiht. Und sich dabei ganz diskret im Hintergrund hält. Es ist diese Firma:

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Und nein: Rufen Sie da nicht an, wenn Sie zu Guttenberg heißen und/oder schnell mal eine Doktorarbeit benötigen. So was können Sie doch viel besser selbst. Gell, Herr Baron?

Klimawandel ist Fakt. Wie passen wir uns an?

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Das hat die Menschheit sauber gründlich hinbekommen: Der Klimawandel ist bis auf weiteres nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Das Eis der Pole schmilzt in nie dagewesenem Tempo, der Meeresspiegel steigt, die Temperaturen auch – und zwar mindestens noch jahrzehntelang, selbst wenn wir heute mit der CO2-Vermeidung ernst machen würden. Einer der renommiertesten deutschen Klimaforscher, Professor Mojib Latif vom Kieler GEOMAR, hat mir in einem Interview die Folgen für unsere bislang so gemäßigte Region beschrieben. Wir sprachen aber auch darüber, wie man durch angepasste Bauweisen von Gebäuden und Infrastruktur mit den drastischen Wetterphänomenen leben lernen kann, die unsere neue Normalität werden. Das Interview finden Sie hier, (bitte Teaser anklicken oder S.30 aufschlagen). Die Betonung auf Baumaßnahmen ist kein Zufall: Abgedruckt ist das Gespräch in der neuen Ausgabe des Magazins concepts von Hochtief. Und dass der größte deutsche Baukonzern sich fragt, welche Marktchancen der unaufhaltsame Klimawandel mit sich bringt – well, that’s capitalism, isn’t it?