Schwein gehabt. Walzwerk gebaut. 125 Jahre geworden.

Stellen Sie sich vor, Sie heißen Hermann Böllinghaus und sind Schweinemetzger. Es geht Ihnen gut, Sie haben moderne Maschinen, einen florierenden Betrieb, eine junge Frau und viele fette Schweine. Schlachten macht Ihnen Spaß … und dann passiert etwas, das Ihren ganzen Lebensentwurf über den Haufen wirft. Die Lösung? Donald-Duck-Leser wissen Bescheid: sich in etwas hineinstürzen, was leider als komplett größenwahnsinnig abgelehnt werden muss! Na, da bauen Sie doch einfach ein Profilstahlwalzwerk auf die grüne Wiese – und markieren damit den Anfang eines Unternehmens, das sich im Jahr 2014 bester Geschäfte erfreuen wird. Also etwa vier Generationen nach Ihrem allzu frühen Tod.

Das klingt nach einem unglaubwürdigen Romanentwurf? Ist ja auch keiner, sondern vielmehr die Wirklichkeit. So geschehen in Remscheid im Bergischen Land, 1889. Und dann, über zwei Jahrhundertgrenzen hinweg, mehr oder weniger im Verborgenen weitergegangen: Krisen überwunden, fast zusammengebrochen, Abenteuer bestanden, Probleme gemeistert, Schreckliches überlebt und mitverschuldet, an Klippen gestanden, in Abgründe geschaut, immer wieder Mut gefasst, floriert und aufgestiegen, immer neue Ideen verwirklicht, wilde Pläne geschmiedet, wilde Pläne verworfen, gelebt, gewachsen und gestorben – und in nächster Generation wieder neu angetreten.

Schließlich recherchiert, aufgeschrieben und jetzt durch Pro Heraldica in Stuttgart zum Buch komprimiert:

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Wenn Sie pars pro toto verstehen wollen, wie die deutsche Industrie zu jenem unverwüstlichen Gerüst aus mittelständischen Familienbetrieben kam, um das sie in aller Welt so beneidet wird, dann lesen Sie diese Unternehmenschronik. Darin spielen Menschen die Hauptrolle – nun, ich will nicht sagen: wie Sie und ich –, aber eben doch Menschen, die nicht als CEOs auf der Brücke übermächtiger Weltkonzerne standen, sondern mit beiden Beinen fest im (bergischen) Leben. Die arbeiten, aber auch feiern können. Die nicht das 1000-Fache Ihrer Angestellten „verdienen“, aber trotzdem bisweilen genauso aussehen wie der Schauspieler Mario Adorf als Kaufhauskönig in „Der große Bellheim“. Und die so sympathisch unvollkommen sind, dass ihre kühnsten Ideen einfach wahr werden mussten.

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Es ist andererseits auch die offen aufgearbeitete Geschichte einer großen Schuld, die ebenfalls typisch ist für die gesamte deutsche Industrie: das Ausnutzen von Zwangsarbeit während der NS-Diktatur. Und eine Erklärung, wie es dazu – aber auch zum großen Schweigen darüber nach Kriegsende – kommen konnte.

Insgesamt, ohne das jetzt zu hoch hängen zu wollen, ist es das Drama der Existenz im sich entwickelnden Kapitalismus: das Abenteuer, sich immer wieder neu erfinden zu müssen, Gevatter Tod immer noch einmal ein Schnippchen zu schlagen, auf Grenzen zu stoßen, Grenzen zu übertreten, dabei nicht immer sauber zu bleiben, selbst auch Narben davonzutragen, aber einige Träume doch zu verwirklichen, letztlich dem Leben so viele Glücksmomente wie möglich abzutrotzen. Und am Ende den Stab weiterzureichen. Ach, genauso würden Sie auch Ihren eigenen Lebensweg auf den Punkt bringen?

Dann schreibe ich Ihnen den ebenfalls gerne auf.

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