Im Schraubstock der Erwartungen

Alles begann mit einer E-Mail: Dräger-Manager erinnern sich, wie die Pandemie das Technologie-Unternehmen kalt erwischte – und sogleich unter immensen Druck setzte, genügend Beatmungsgeräte für alle Brennpunkte der Welt zu produzieren.

Am 11. Januar 2020 schrieb Michael Dudd, Leiter des Order Processing bei Dräger, eine E-Mail an seine chinesischen Kollegen. Offenbar gebe es in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ein neuartiges Virus. Benötigte man Unterstützung, in Form zusätzlicher Beatmungsgeräte? Wenig später die Antwort: „Alles unter Kontrolle – wir geben Bescheid, wenn sich daran etwas ändert.“

So entspannt beginnt mein Protokoll einer sich schnell dramatisch auswachsenden Entwicklung, die ich über drei Weltregionen hinweg nachgezeichnet habe: Dräger und sein Kampf gegen die Uhr. Denn zu Beginn, kurz nach der Jahreswende 2020, war in der Lübecker Firmenzentrale wie überall sonst auf dem Globus die Dynamik der globalen Corona-Pandemie noch vollständig unterschätzt worden.

Es dabei zu belassen, war allerdings keine Option für den Hersteller von Beatmungs- und anderen Lebenserhaltungsgeräten. Schließlich prasselten die Anfragen aus aller Welt schon bald nur so auf die Hanseaten ein. Da drängten nicht nur Kliniken, sondern auch Staatsoberhäupter persönlich auf Belieferung. Wie agiert man unter solch einem Druck, bei dem zunächst nicht alle ausreichend versorgt werden können, auf ethisch saubere und geschäftlich vernünftige Weise? Und was geht eigentlich im Gehirn vor, wenn es unter den enormen Stress eines sogenannten Entscheidungsdilemmas gesetzt wird?

Zu letzterer Frage bekam ich ungemein kompetente und verständliche Antworten von Professor Dr. John-Dylan Haynes, Hirnforscher und Psychologe an der Berliner Charité. Haynes hat die neuronalen und seelischen Prozesse solcher Extremsituationen untersucht. Sein Fazit, auch auf den Fall Dräger gemünzt: „Man kann es eigentlich nur bewundern, wenn Akteure durch diese Lage segeln, ohne zu kentern“.

Die ganze Geschichte aus dem aktuellen Drägerheft #409 können Sie hier nachlesen.

Einblicke ins gestresste Gehirn: Prof. Dr. John-Dylan Haynes (Foto: Charité Berlin)

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